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Politik

Drei Jahre Irak-Krieg: Bushs Waterloo?

Drei Jahre nach Beginn des Irak-Krieges haben die meisten US-Bürger Zweifel, ob Amerikas Ziele dort überhaupt zu erreichen sind. Präsident Bushs Beliebtheitskurve weist steil nach unten.

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US-Präsident George W. Bush

Ganze 15 Prozent der US-Bürger sind nach einer Meinungsumfrage des Fernsehsenders CBS noch von einem Erfolg im Irak überzeugt. Zu diesen 15 Prozent gehört nicht zuletzt auch Präsident Bush, dessen Bilanz anlässlich des dritten Jahrestages der US-Invasion im Irak am 20.März 2003 so ausfällt: "In weniger als drei Jahren sind die Iraker von ihrem Leben unter den Stiefeln eines brutalen Diktators befreit worden, sind souverän geworden, haben freie Wahlen durchgeführt und sich eine Verfassung gegeben und sie haben im letzten Dezember ein ordentliches Parlament gewählt."

"Bürgerkrieg? Nein!"

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Doch auch in den USA flimmern täglich die Bilder von neuen Blutbädern im Irak über die TV-Bildschirme und sieben von zehn Amerikanern glauben, dass sich das Land bereits jetzt in einem Bürgerkrieg befinde. Der frühere irakische Ministerpräsident Ijad Allawi erklärte am Sonntag (19.3.2006): "Wir verlieren jeden Tag im ganzen Land 50 bis 60 Menschen, wenn nicht mehr. Wenn das kein Bürgerkrieg ist, dann weiß Gott, was ein Bürgerkrieg ist." Auch der Vorsitzende des US-Generalstabs, Peter Pace, äußerte sich in der vergangenen Woche ähnlich. Doch sein Chef, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, pfiff den General zurück und hielt dagegen: "Ob ich glaube, dass wir es dort gegenwärtig mit einem Bürgerkrieg zu tun haben? Nein!"

Allerdings glauben zwei Drittel aller Amerikaner, dass die Bush-Regierung ein zu rosiges Bild von den Zuständen im Irak zeichnet. Das meinen auch unabhängige Experten. "Die Lage im Land ist von extremer Gewalt gekennzeichnet und dass zunehmend auch zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen", sagt etwa Michael O' Hanlon, Verteidigungs-Spezialist des renommierten Brookings Institute. "Die politische Entwicklung ist praktisch zum Stillstand gekommen und wirtschaftlich hat es in letzter Zeit auch kaum nennenswerte Fortschritte gegeben."

Abschied der Verbündeten

Der Irak, auch das zeigen die jüngsten Meinungsumfragen, wird von den meisten US-Bürgern inzwischen als drängendstes Problem der Nation empfunden. Kein Wunder, dass sich das Ansehen des Kriegspräsidenten Bush mit unter 40 Prozent Zustimmung inzwischen an einem Tiefpunkt befindet. "Der Krieg hat die Bush-Präsidentschaft geprägt. Ob es gut läuft oder nicht, das ist jetzt der definierende Faktor", erklärt der Meinungsforscher Bill McInturff.

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Gegenwärtig belaufen sich die Kosten für den Irak-Krieg nach Berechnungen des US-Kongresses auf knapp 250 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der US-Kriegstoten liegt inzwischen bei über 2.300. Noch hat das Pentagon über 130.000 Soldaten im Irak stationiert. Doch während die amerikanische Truppen-Stärke zuletzt relativ konstant blieb, ging die Zahl der Koalitions-Streitkräfte in den letzten Monaten deutlich zurück. Schon im Dezember 2005 zogen die Ukraine und Bulgarien ihre Streitkräfte ab. Italien will bis zum Jahresende folgen und sogar der britische Verteidigungsminister gab vor kurzem den Abzug von 800 seiner Soldaten bekannt.

Fast nur Negativ-Meldungen

Und auch in den USA selbst ist die weitere Stationierung großer Truppen-Verbände in einem Land - aus dem fast nur Negativ-Meldungen kommen - kaum noch vermittelbar. Verteidigungsminister Rumsfeld baut entsprechend vor: "Ich glaube nicht, dass wir in vier oder fünf Jahren noch mit großen Truppen-Verbänden im Irak sein werden. Wir machen exzellente Fortschritte bei der Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte."

Bis zum Ende dieses Jahres - so das offizielle Ziel der Bush-Regierung - soll der überwiegende Teil des Irak von irakischen Soldaten kontrolliert werden und nicht mehr von den Streitkräften der von den USA geführten Koalition. Doch einen überstürzten Abzug der Amerikaner wie aus Vietnam soll es dieses Mal nicht geben. Dazu steht Präsident Bush auch zu sehr im Wort: "Wir werden im Irak beenden, was wir begonnen haben. Wir werden die Mission erfüllen. Wir werden eine Demokratie hinterlassen, die regierbar ist, die sich ernähren und verteidigen kann."

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