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Kultur

Drei Jahre Haft für kanadischen Kinderschänder

Jahrelang missbrauchte er kleine Jungen in Südostasien, bevor er mit einer weltweiten Fotofahndung gefasst wurde. Nun muss der 33-jährige Kanadier Paul Neil für mehrere Jahre in ein thailändisches Gefängnis.

Der Kanadier Christopher Paul Neil (15.8.2008, Quelle: AP)

Muss sechs Jahre in Haft: der Kanadier Christopher Paul Neil

In einem ersten Prozess in Bangkok ist der Kanadier Paul Neil am Freitag (15.8.2008) zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht befand den ehemaligen Englischlehrer Christopher Paul Neil für schuldig, ein Kind entführt und belästigt sowie Pornos verbreitet zu haben. Es halbierte die ursprünglich geforderte Strafe von sechs Jahren und sechs Monaten, nachdem sich der Kanadier schuldig bekannt hatte. Neil wurde außerdem zur Zahlung einer Geldstrafe von 60.000 Baht (1200 Euro verurteilt.

Thailändischer Ermittler mit Fahndungsfotos (2007, Quelle: AP)

Die thailändischen Ermittler wurden vom BKA unterstützt

Von Oktober an muss er sich in einem weiteren Prozess verantworten. Dann ist er wegen Entführung, Kinderschändung und Kinderpornografie angeklagt. Unter anderem soll er 2003 einen neunjährigen Thailänder belästigt haben. Der Prozess war Anfang Juni auf Oktober vertagt worden, nachdem der 33-Jährige, der sich in einschlägigen Internetforen "Vico" nannte, seine Unschuld beteuert hatte. In diesem Prozess wird erst im kommenden Jahr mit einem Urteil gerechnet. Dem Kanadier drohen dann 20 Jahre Haft.

Das BKA entschlüsselte

Im vergangenen Oktober hatte das Bundeskriminalamt (BKA) maßgeblich zu der Festnahme des Kanadiers beigetragen. Er hatte mehr als 200 Fotos von sich ins Internet gestellt, auf denen er kleine Jungen sexuell missbraucht. Auf den Bildern hatte der Mann sein Gesicht zwar digital unkenntlich gemacht, Spezialisten des BKA rekonstruierten daraus jedoch ein identifizierbares Bild. Daraufhin startete Interpol eine weltweite Suche über das Internet, die bereits nach gut eineinhalb Wochen erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Kanadier wurde in Thailand erkannt und festgenommen.

Der frühere Priesteranwärter hatte seit Jahren in Kambodscha, Vietnam, Thailand und zuletzt Südkorea gelebt. "Ich heize seit fünf Jahren durch Südostasien, unterrichte meistens oder mache anderen Unfug", schrieb er auf seiner "MySpace"-Internetseite. Frühere Kollegen bezeichneten ihn als unscheinbar und fleißig. Im Internet trat er jedoch anders auf. Im Web gab er Rat, wie verräterische Dateien vom Computer gelöscht werden können und wie man bei Bewerbungen um Lehrerposten unangenehme Charakterprüfungen umgehen kann. Deutsche Fahnder hatten ihn bereits seit 2004 im Visier.

Kanadier leugnet zweiten Fall

Neil äußerte sich nicht, als er in Handschellen und orangefarbener Häftlingskleidung aus dem Gerichtssaal geführt wurde, lächelte aber den Journalisten zu. Sein Übersetzer Seros Mia sagte, der Angeklagte werde das Urteil akzeptieren. Der aus einem Vorort der westkanadischen Stadt Vancouver stammende Englischlehrer in dem zweiten Fall um den mutmaßlichen Missbrauch eines Neunjährigen seine Unschuld beteuert. Seine Haftstrafe muss er in Thailand absitzen. Danach droht ihm die Auslieferung an andere asiatische Länder, wo er möglicherweise auch Kinder missbrauchte.

Thailändische Beobachter kritisierten das Urteil vom Freitag als zu milde. "Er sollte strenger bestraft werden, weil er sich an einem Kind vergangen hat", sagte Sudarat Sereewat von der Organisation "Kampf gegen Kinderausbeutung", die gegen Sexhandel und Pädophilie vorgeht. Andere Organisationen begrüßten das Urteil jedoch als positives Zeichen dafür, dass Thailand sich bemühe, seinen zweifelhaften Ruf als sicherer Hafen für Pädophile und andere Kriminelle zu bekämpfen. (mg)

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