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Aktuell Nahost

Drei israelische Jugendliche tot - Israel droht der Hamas

Die israelische Armee hat im Westjordanland die Leichen der drei vermissten Jugendlichen gefunden. Der israelische Regierungschef Netanjahu drohte der palästinensischen Hamas mit Vergeltung für den "kaltblütigen Mord".

Die drei Toten seien unter einem Steinhaufen auf einem Feld nordwestlich von Hebron gefunden worden, teilte die israelische Armee mit. Die Leichen seien nahe der Ortschaft Halhul unweit der Stelle gefunden worden, wo die Jungen am 12. Juni zuletzt gesehen wurden, meldet der Rundfunk. Die Jugendlichen wurden offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen. Israel hatte die Hamas-Bewegung für das Verschwinden der drei Talmudschüler verantwortlich gemacht und bei einem Großeinsatz 420 Palästinenser festgenommen, die meisten von ihnen Hamas-Mitglieder.

Nördlich der Stadt Hebron seien starke Truppenverbände im Einsatz, berichtete der israelische Rundfunk am Abend. Es sei zu Schusswechseln mit Palästinensern gekommen. Auch im Gebiet der Kleinstadt Halhul habe es Zusammenstöße zwischen Armee und Palästinensern gegeben. Die Stadt Hebron wurde abgeriegelt. In der Nacht berichteten Augenzeugen, die israelische Armee habe die Häuser von zwei Hauptverdächtigen in Hebron gesprengt.

Netanjahu: "Tiere in Menschengestalt"

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in einer ersten Reaktion nach der Entdeckung der Jugendlichen: "Sie wurden entführt und kaltblütig ermordet von Tieren in Menschengestalt." Die Hamas sei verantwortlich dafür. "Sie wird dafür bezahlen." Netanjahu berief umgehend eine Krisensitzung des Sicherheitskabinetts ein. Dieses traf allerdings anscheinend keine unmittelbare Entscheidung über harte Maßnahmen. Das Gremium werde an diesem Dienstag nach der Beerdigung erneut zusammentreten, sagte ein hoher israelischer Beamter nach einem Bericht der Zeitung "Haaretz". Palästinenserpräsident Mahmud Abbas berief nach dem Fund der Leichen eine Dringlichkeitssitzung der Palästinenserführung für Dienstag ein.

Zuvor hatte bereits Vize-Verteidigungsminister Danny Danon der radikalislamischen Palästinenserbewegung die Tat zur Last gelegt. Israel werde nicht innehalten, bevor die Hamas "komplett besiegt" sei, sagte Danon. "Die Israelis haben den nötigen Willen und die Entschlossenheit, um die Belastungen einer langen Operation zur Ausrottung der Hamas zu ertragen." Die Hamas, die stets jede Verwicklung in die Tat bestritten hat, drohte ihrerseits, eine israelische Offensive werde für Israel "das Tor der Hölle öffnen".

Die israelische Luftwaffe flog in der Nacht zum Dienstag etliche Angriffe gegen Ziele im Gazastreifen. Es seien "Präzisionsschläge" gegen 34 Ziele geführt worden, teilte das Militär mit. Seit Sonntagabend sei Israel mit mehr als 18 Raketen beschossen worden. Augenzeugen berichteten, überall im Gazastreifen seien Explosionen zu hören gewesen. Sicherheitsleute der Hamas erklärten, es habe mehr als 25 Luftangriffe innerhalb von knapp zehn Minuten gegeben. Augenzeugen sprachen von Dutzenden von Explosionen. Ziele seien Militäreinrichtungen der Hamas und des Islamischen Dschihad gewesen. Auch vom Meer aus habe die israelische Marine den nördlichen Gazastreifen beschossen. Nach Angaben des medizinischen Dienstes im Gazastreifen wurden bei Chan Junis vier Menschen verletzt. Einer wird vermisst.

Weltweites Entsetzen

Die Bluttat sorgte weltweit für Entsetzen. US-Präsident Barack Obama verurteilte sie als "sinnlosen" Mord, warnte aber vor Schritten zur weiteren Destabilisierung der Situation. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich ähnlich. Er hoffe, dass Israelis und Palästinenser "zusammenarbeiten werden, um schnell die Verantwortlichen zu finden und vor Gericht zu stellen", erklärte Ban in New York. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte "geschockt". "Es handelt sich um eine verabscheuenswürdige Tat, für die es keinerlei Entschuldigung geben kann", sagte Merkel. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Freunden der Jugendlichen.

Der französische Präsident François Hollande verurteilte den "feigen Mord", forderte aber auch alle Beteiligten auf, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Der britische Premier David Cameron sprach von einem "unentschuldbaren Terrorakt". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der noch am Mittag in Berlin mit seinem israelischen Kollegen Avidgor Lieberman über die Jugendlichen gesprochen hatte, äußerte sich "zutiefst erschüttert".

kle/qu (afp, dpa, rtre)