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Politik

Drei Guantanamo-Häftlinge begehen Selbstmord

Im US-Gefangenenlager Guantanamo haben drei Häftlinge Selbstmord begangen. Die zwei Saudiaraber und der Jemenit waren amerikanischen Angaben zufolge die ersten Insassen, die sich das Leben genommen haben.

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Auch Menschen werden in Käfigen gehalten

Die drei Häftlinge seien kurz nach Mitternacht tot in ihren Zellen aufgefunden worden, sagte der Befehlshaber des umstrittenen Lagers auf Kuba, Konteradmiral Harry Harris. Wiederbelebungsversuche seien fehlgeschlagen. Laut Harris erhängten sich die Männer mit Schlingen, die sie aus Bettzeug und Kleidungsstücken gemacht hatten. "Sie haben keinen Respekt vor dem Leben", sagte er. "Weder vor unserem noch vor ihrem eigenen." Er halte die Selbstmorde nicht für einen Akt der Verzweiflung, sondern der "asymmetrischen Kriegsführung gegen uns".

Bush zeigt sich besorgt

US-Präsident George W. Bush zeigte sich besorgt über die Vorfälle. Der Sprecher des Weißen Hauses, John Snow, erklärte, Ermittlungen seien aufgenommen worden. Die USA stehen international unter Druck, das Gefangenenlager zu schließen.

Die drei Häftlinge wurden Militärangaben zufolge seit etwa vier Jahren unter Terrorverdacht in Guantanamo festgehalten. Sie waren im Hochsicherheitstrakt des Lagers untergebracht und hatten sich aus Protest gegen ihre Inhaftierung bereits an einem Hungerstreik beteiligt, in dessen Folge sie zwangsernährt wurden. Alle drei hätten Abschiedsbriefe hinterlassen, sagte der Befehlshaber des US-Oberkommandos Süd, General John Craddock. Zu deren Inhalt wollte er sich nicht äußern.

Forderungen zur Schließung des Lagers

Seit der Einrichtung des Gefangenenlagers im Januar 2002 haben nach US-Angaben 25 Häftlinge insgesamt 41 Mal vergeblich versucht, sich das Leben zu nehmen. Anwälte der Gefangenen gehen von einer höheren Zahl aus. Die ersten Selbstmorde seien "nur eine Frage der Zeit" gewesen, sagte James Yee, der einst als Militärkaplan in Guantanamo tätig war, bevor er unter Spionageverdacht vom Dienst suspendiert wurde.

In Guantanamo halten die USA rund 460 Männer unter Terrorverdacht fest, nur zehn von ihnen wurden formell angeklagt. Mitte Mai forderte das UN-Komitee gegen Folter Washington zur Schließung des Lagers auf. Das Komitee kritisierte, dass Gefangene über längere Zeit ohne Rechtsbeistand oder einen richterlichen Haftentscheid festgehalten werden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich unlängst für eine Schließung des Gefangenenlagers aus. (wga)

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