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Europa

Drei Fragen nach dem Pariser Trauermarsch

Mehr als 1,5 Millionen Menschen gingen am Sonntag in Paris für Demokratie und Freiheit auf die Straße. Die DW beantwortet am Tag danach die wichtigsten Fragen.

Warum nahmen keine hochrangigen US-Politiker teil?

Über 40 Staats- und Regierungschefs waren eigens zum

Schweigemarsch nach Paris

gereist, um für Freiheit und Demokratie zu demonstrieren. Der US-amerikanische Staatspräsident Barack Obama und sein Außenminister John Kerry blieben der Veranstaltung fern. Damit waren die USA als einziges großes westliches Land nicht mit hochrangigen Politikern, sondern nur auf Diplomatenebene vertreten. Dafür wird die Regierung innerhalb der USA stark kritisiert.

Als Reaktion darauf wird der US-Außenminister noch in dieser Woche nach Frankreich reisen, um seine Solidarität zu zeigen. "Ich fahre auf dem Weg nach Hause dorthin, damit klar ist, wie stark uns die Geschehnisse dort bewegen", sagte Kerry am Montag im indischen Gujarat während einer Investorenkonferenz. Als Begründung für seine Abwesenheit nannte Kerry seine Verpflichtungen in Indien. US-Justizminister Eric Holder hielt sich anlässlich einer bevorstehenden Sonderkonferenz der EU-Justizminister zwar in Paris auf, nahm aber nicht an der Kundgebung teil.

Wie hat sich die arabische Welt verhalten?

Die arabische Welt hat sich zum größten Teil solidarisch mit Frankreich gezeigt. Ägyptens Außenminister Samih Schukri reiste gemeinsam mit seinem lybischen Kollegen Mohammed al-Dairi von Kairo nach Paris zum Trauermarsch für die Opfer. Der irakische Schiitenprediger Muktada-al-Sadr kritisierte die Anschläge als "nicht der Ethik des Islam" entsprechend. Der Chef der schiitischen Hisbollah im Libanon, Hassan Nasrallah, sagte: "Sie (die Terroristen, Anm. der Redaktion) haben den Propheten Gottes und die islamische Welt beleidigt".

Der marokkanischen Außenminister Salaheddine Mezouar nahm nicht am Trauerzug teil, weil dort "gotteslästerliche Karikaturen" gegen den Propheten Mohammed gezeigt würden, teilte die marokkanischen Botschaft in Paris mit. Diese Begründung hält Maati Kabbal, ein französisch-marokkanischer Schriftsteller, der beim Insitut du Monde Arabe (IMA) in Paris arbeitet, nur für vorgeschoben. In Wirklichkeit gebe es zwischen Paris und Rabat seit ungefähr einem Jahr aufgrund von verschiedenen Vorkommnissen schwerwiegende diplomatische Probleme. Doch deswegen nicht am Trauermarsch teilzunehmen, sei eine "maßlos übertriebene" Reaktion, kritisiert Kabbal im DW-Interview. "Das ist nicht gut für Marokko", resümiert Kabbal .

"Charlie Hebdo"-Karikaturen sind in Marokko untersagt. Ausländische Zeitungen und Zeitschriften, die solche Karikaturen aus Solidarität mit den Terroropfern von Paris zeigen, dürfen in dem nordafrikanischen Land nicht verkauft werden. Solche Karikaturen schürten Hass gegen den Islam und die Muslime, so ein Sprecher des marokkanischen Kommunikationsministeriums am Montag in der marokkanischen Hauptstadt Rabat.

Im Gedenken an die Terroranschläge in Paris stehen hinter einer Absperrung vier Schilder, auf denen zu lesen ist: Ich bin Charlie, Ich bin Polizist, Ich bin in Trauer, Ich bin Jude, Foto von Kenzo Tribouilla, AFP/Getty Images

"Ich bin Charlie", "Ich bin Polizist", "Ich bin in Trauer", "Ich bin Jude" - abertausende hielten solche Schilder auch während des Schweigemarschs in den Händen.

Welche Rolle spielt Israel?

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Palästinenserpräsident Mahmut Abbas gingen am Sonntag, nur wenige Meter voneinander entfernt, in der ersten Reihe des vom französischen Staatspräsidenten angeführten Trauermarsches in Paris. Israelische Medien berichten, dass sich Netanjahu selber eingeladen habe und dass daraufhin die französische Regierung Abbas gebeten habe, ebenfalls zu kommen.

Ursprünglich habe Hollande vermeiden wollen, dass der Nahostkonflikt oder die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen den Trauerzug dominieren und das Gedenken an die Opfer der islamistischen Anschläge in den Hintergrund drängten, berichtet die israelische Tageszeitung "Haaretz". Die vier jüdischen Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt sollen in Israel beerdigt werden.

Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle in Frankreich mehr als verdoppelt. Aus Protest gegen den bisherigen Umgang mit den

Übergriffen auf Juden in Frankreich

und die Banalisierung des Antisemitismus hatten zahlreiche französische Juden bewusst an den Gedenkmärschen nicht teilgenommen. Viele zeigten sich allerdings solidarisch und hielten Schilder in den Händen, auf denen zu lesen war: "Ich bin Charlie, ich bin Polizist, ich bin Jude".

af/ft (dpa, AFP, Reuters)

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