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Europa/Zentralasien

Drei Fragen an Emin Huseynov

Der Aktivist und Chefredaketeur des unabhängigen aserbaidschanischen Internet-Senders Obyektiv.TV, Emin Huseynov, über die Begrenzung der Pressefreiheit in Aserbaidschan.


Herr Huseynov, wie steht es um die Pressefreiheit in Aserbaidschan?
Im letzten Jahr hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Das haben wir direkt vor dem Eurovision Song Contest so nicht erwartet. Acht Journalisten sind wegen fingierter gerichtlicher Anklagen ins Gefängnis gekommen. Journalisten werden Drogen untergeschoben, sie werden wegen Rowdytums und der Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt. Außerdem sitzen in Aserbaidschan etwa 80 politische Gefangenen hinter Gittern. Die Menschen haben Angst. Ab und zu finden Protestaktionen statt, die brutal unterdrückt werden. Und die Medien machen nichts, um daran zu rütteln. Es findet eine Selbstzensur statt. Es gibt zwar öffentliche Sender, die allerdings ihren Aufgaben nicht nachgehen, sondern nach der Pfeife der Regierung tanzen.


Sie haben einen eigenen Sender gegründet - stimmt es, dass Sie oft falschen Beschuldigungen ausgesetzt sind?
Ja, wie bekommen oft Mahnungen, wir würden falsche Informationen verbreiten. Uns wurden auch fehlender Patriotismus und eine Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdienste oder der armenische Lobby vorgeworfen. Besonders viel Ärger haben wir bekommen, nachdem wir uns zum ESC geäußert haben. Wir hatten gesagt, dass der ESC gesamteuropäischer Musikwettbewerb sei, der auch europäischen Werte wie etwa Presse- und Persönlichkeitsfreiheit mit sich bringen wird.

Demonstration in Baku

Demonstration in Baku



Versucht die Regierung, Sie auch physisch unter Druck zu setzen?
Ja. Ein Beispiel: 2008 hat mich die Polizei rechtswidrig festgenommen und zusammengeschlagen, danach wurde ich als arbeitsunfähig anerkannt. Auch unsere Mitarbeiter wurden mehrmals angegriffen. Einer unserer Reporter wurde von 20 Sicherheitskräften eines Ölunternehmens verprügelt, zwei Rippen wurden ihm gebrochen, er hat beinahe ein Auge verloren. Warum? Weil er über den Abriss mehrerer Wohnhäuser berichtete, die angeblich auf dem Grundstück dieses Unternehmens standen. Einige unserer Reporter werden auch videoüberwacht. Eine Journalistin beschäftigte sich beispielsweise mit Korruptionsfällen, in denen die regierende Familie eine Rolle spielte. Die Journalistin wurde dann zusammen mit ihrem Freund aufgenommen. Nach einer misslungenen Erpressung wurde das Video ins Netz gestellt. Später haben wir in ihrer Wohnung Überwachungskameras entdeckt.

Interview: Natalia Karbasova


Emin Huseynov war am 11. Mai 2012 zu Gast beim Berliner Pressegespräch "Medien International: Aserbaidschan" und diskutierte zusammen mit Thomas Schreiber, Unterhaltungskoordinator der ARD, Silvia Stöber, freie Journalistin und Südkaukasus-Expertin, und Eberhard Sucker, Koordinator Südkaukausus der DW Akademie über die Lage der aserbaidschanischen Medien im Vorfeld des Eurovision Song Contest. Das Gespräch wurde von der DW Akademie und der ARD organisiert.

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