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Sport

Drei Dopingfälle und viele Fragen

Drei frühe Dopingfälle: Die Spiele von London werden von Beginn an von der Doping-Diskussion begleitet. Doch sind die positiven Tests auch ein Indiz für einen effizienteren Anti-Doping-Kampf?

Die 27. Olympischen Sommerspiele sind noch jung und doch bereits für drei bis dato kaum bekannte Sportler beendet. Die Sprinterin Tameka Williams aus dem karibischen Inselstaat St. Kitts und Nevis, die usbekische Turnerin Luisa Galiulina und der albanische Gewichtheber Hysen Pulaku wurden allesamt positiv auf verbotene Substanzen getestet. Prompt bejubelte das Internationale Olympische Komitee (IOC) das eigene Kontrollsystem: "Die Botschaft ist glasklar: Wenn ihr dopt, kriegen wir euch!", sagte IOC-Mediendirektor Mark Adams. Als Beleg für eine neue Effizienz der Dopingkontrollen taugen die Fälle indes nicht, denn die gefundenen Substanzen sind alle relativ leicht und bereits seit längerem nachweisbar.

Die usbekische Turnerin Luzia Galiulina turnt am 25.03.2012 beim Weltcup Turnier der Meister in Cottbus am Schwebebalken.

Erwischt: Luzia Galiulina darf nicht an den Spielen teilnehmen

So zum Beispiel beim ersten Dopingfall der Spiele von London, dem 20 Jahre alten Gewichtheber Pulaku. Ihm war in A- und B-Probe das anabole Steroid Stanozolol nachgewiesen worden – längst ein Klassiker im Dopingsport. Der Sprinter Ben Johnson wurde 1988 mit dieser Droge erwischt und seitdem noch viele nach ihm. Besonders im Gewichtheben ist Steroid-Doping keine Seltenheit. 2008 in Peking wurde der Ukrainer Igor Rasoronow positiv auf das Steroid Nandrolon getestet und kurz vor den Spielen in China waren gleich elf Bulgaren des Dopings überführt worden. Solche leicht nachweisbaren Mittel scheinen vor allem in kleineren, weniger finanzstarken Verbänden entdeckt zu werden.

"Nur die Dummen werden erwischt"

Geschicktere Doper nutzen laut Experten eher die Vorbereitungszeit für Dopingkuren, die dann im Wettkampf nicht mehr nachweisbar sind. "Unmittelbar vor Ort werden doch nur die Dummen erwischt", bringt es der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke gewohnt deutlich auf den Punkt.

epa03324150 (FILE) File picture dated 10 November 2011 of Hysen Pulaku from Albania competing in the men's 77kg snatch and lift competition at the World Weightlifting Championships in Disney Village near Paris. Hysen Pulaku became the first athlete to be banned 27 July 2012 from the London 2012 Olympic Games for failing a drug test. Pulaku was tested positive for a steroid in two different urine samples according to the IOC. EPA/ETIENNE LAURENT

Der Gewichtheber Hysen Pulaku wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet - ein "Oldie" im Dopingschrank

Ähnliches scheint im Fall der usbekischen Turnerin Luisa Galiulina zu gelten. Ihr wurde das Diuretikum Furosemid nachgewiesen – ein Mittel, mit dem man andere Dopingsubstanzen verschleiern kann und ein Mittel, das leicht nachweisbar ist. Die 22-Jährige wurde nach der positiven B-Probe am Mittwoch (01.08.2012) von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Bei der Tour de France war kürzlich der Luxemburger Radprofi Fränk Schleck mit einem Diuretikum aufgefallen und hatte damit ebenso für Kopfschütteln bei den Dopingexperten gesorgt wie nun Galiulina. Denn Diuretika sind seit vielen Jahren in den Analyselabors auffindbar. Die erkannte Substanz in der Dopingprobe der karibischen Sprinterin Tameka Williams wurde zunächst nicht genannt.

Ein Ex-Fremdblut-Doper holt Gold

Angesichts von mehr als 10.000 Athleten und einer offenbar nach wie vor hohen Bereitschaft zur Leistungssteigerung ist in London mit weiteren Fällen zu rechnen. 2008 in Peking wurden insgesamt 20 gedopte Sportler erwischt, 2004 in Athen waren es 26. Wesentlich interessanter scheint allerdings die Frage, ob die Dopingforscher tatsächlich auch bislang schwer nachweisbare Mittel entdecken werden. Kurz vor den Spielen von London hatte WADA-Präsident John Fahey einen neuen Test gegen Wachstumshormon-Missbrauch vorgestellt. Wachstumshormone (HGH) wurden in Aussagen von geständigen Dopern immer wieder als Standard-Dopingmittel genannt. Das neue HGH-Analyseverfahren, entwickelt von dem Briten Peter Sönksen in 13-jähriger Forschungsarbeit, soll diesen Missbrauch nun eindämmen.

Alexander Winokurow gewinnt vor Rigoberto Uran das olympische Straßenrennen 2012 (Foto: AFP/GettyImages)

Späte Renaissance: Ex-Doper Alexander Winokurow gewinnt Gold im Straßenrennen und beendet seine Karriere

Doch auch dies wäre nur ein Teilerfolg gegen das mittlerweile umfangreiche Arsenal der Doper, die auch vor gefährlichen Methoden nicht zurückschrecken. Dies zeigte das Beispiel des frisch gekürten Olympiasiegers im Straßenrennen, Alexander Winokurow. Der inzwischen 38-jährige Kasache fiel 2007 bei der Tour de France nach großen Leistungen mit Fremdblutdoping auf, einem hochriskanten Verfahren. Ohne die Aussetzung der "Osaka-Regel", nach der Dopingsünder für die folgenden Spiele gesperrt sind, wäre Winokurow in London gar nicht startberechtigt gewesen. Doch "Wino" startete und überraschte alle mit seiner Leistung im Finale auf den Straßen Londons.

Eine 16-Jährige schwamm schneller als Lochte und Phelps

Überrascht war das Fachpublikum auch von der erst 16-jährigen Schwimmerin Ye Shiwen aus China, die über die 400 Meter Lagen in Weltrekordzeit Gold holte. Die letzten 50 Meter Freistil schwamm Ye Shiwen in schwindelerregenden 28,93 Sekunden. Zur Verdeutlichung: Damit war sie 17 Hundertstel schneller als der US-Schwimmer Ryan Lochte bei seinem souveränen Olympiasieg. Auf ihrer vorletzten Bahn war sie acht Hundertstel besser als Superstar Michael Phelps. Eine 16-Jährige schneller als die besten männlichen Schwimmer der Welt? Eine Leistung, die viele Fragen aufwirft.

Dopingproben bei Olympia (Foto: ddp images/AP Photo/Lefteris Pitarakis).

Fläschchen der Wahrheit: Dopingproben bei Olympia

Ein Fragezeichen steht auch hinter den Bestzeiten einiger kenianischer Lauftalente, die bei Olympia starten. Hajo Seppelt, Dopingexperte der ARD, stieß bei seinen Recherchen vor den Olympischen Spielen auf zwei kenianische Dopingfälle: Rael Kiyara, die Siegerin des Hamburg-Marathons und Jemima Sumgong, die Zweite des Boston-Marathons. Die bisher oft bemühte Erklärung für das kenianische Laufwunder, wonach geografische und physiologische Voraussetzungen bei den Kenianern die Basis des Erfolgs bilden, lässt Seppelt so nicht gelten. "Ich glaube, das ist in Kenia bisher nur ein geringer Teil dessen, was dort tatsächlich an Dopingmissbrauch passiert ist. Wir haben nicht den Eindruck, dass der kenianische Leichtathletik-Verband ein großes Interesse daran hat, das aufzudecken."

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