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Asien

Drei Deutsche in Peshawar unerwünscht

Handelt es sich bei den drei in Peshawar angeblich festgenommenen Deutschen um BND-Mitarbeiter? In Pakistan wird das behauptet, Experten halten es für plausibel.

Pressemappen des BND (Foto: Rainer Jensen dpa/lbn)

Ist der BND in Pakistan in Sachen Taliban-Kontakte aktiv?

Drei Deutsche sind laut Medienberichten am Samstag (21.01.2012) im pakistanischen Peshawar vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden. Sie wurden verdächtigt, als Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) tätig gewesen zu sein. Mian Saeed, ein hochrangiger Polizeibeamter, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass die drei festgenommen worden seien, weil sie gegenüber der Polizei keine Angaben über ihren Aufenthaltsstatus gemacht hätten. Für den Besuch bestimmter Regionen benötigen Ausländer ein Sondervisum, laut Spiegel Online besaßen die drei Festgenommenen ein solches Visum nicht. Saeed weiter: "Sie gehörten zu einem ungenehmigten Verbindungsbüro der Deutschen Botschaft.“ Dieses geheime Büro sei nun von der Polizei versiegelt worden.

"Als Entwicklungshelfer getarnt"

Polizeieskorte für die drei verdächtigen Deutschen in Pakistan (Foto: dpa)

Polizeieskorte für die drei verdächtigen Deutschen in Pakistan

Ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter sagte unter Wahrung seiner Anonymität gegenüber dpa, bei den Deutschen, "unter ihnen ein Offizier im Rang eines Oberst", handele es sich um Geheimagenten, die sich als Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) getarnt hätten. Von Seiten der GIZ hieß gegenüber DW-WORLD.DE, dass die drei Deutschen keine Mitarbeiter der GIZ seien und dass die Organisation weder das Fahrzeug noch die Visitenkarten dieser Personen - beides angeblich mit GIZ-Logo - zur Verfügung gestellt habe.

Vom deutschen Auswärtigen Amt wurde gegenüber DW-WORLD.DE mitgeteilt, es habe in Peschawar "einen Vorfall gegeben, der diplomatisch angemeldete Mitarbeiter der Botschaft Islamabad betroffen hat. Diese Mitarbeiter wurden aufgefordert, Peschawar zu verlassen. Das haben sie getan." Des weiteren wurde betont, dass es "eine Festnahme nicht gegeben" habe. Der Vorfall sei aus deutscher Sicht weiter aufklärungsbedürftig, zur Aufklärung sei am Montag (23.01.2012) der pakistanische Geschäftsträger ins Auswärtige Amt gebeten worden.

"Agenten-Theorie ist plausibel"

Pakistanischer Ex-General General Talat Masood in Berlin (Foto: Ute Hempelmann/DW)

Pakistanischer Ex-General Talaat Masood (links im Bild) will Information Pakistans über Aktivitäten ausländischer Dienste

Afghanistan-Experte Nils Wörmer von der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik hält die Version von den BND-Agenten für plausibel. “Ich glaube nicht, dass das eine Ente ist. Worin genau deren Aufgabe bestand, das ist spekulativ.”

Für Talat Masood, Ex-General und Politik- und Verteidigungsexperte in Pakistan, war die Nachricht von drei festgenommenen Deutschen eine Überraschung. "Wenn sie nicht mit Wissen des militärischen Geheimdienstes ISI tätig waren, dann ist das natürlich ein schwerwiegendes Problem, denn dann sind ihre Aktivitäten eng mit denen der Amerikaner in Pakistan verwandt.“

Masood hält es für denkbar, dass der Vorfall vom Wochenende mit den verstärkten Bemühungen des Westens um eine Verhandlungslösung mit den Taliban zusammenhängt. Dazu gehören die geplante Einrichtung eines Verbindungsbüros in Katar und die jüngsten Gespräche des US-Sondergesandten Marc Grossmann mit Präsident Karsai in Kabul über eben dieses Thema.

“(Die drei Deutschen) könnten sehr wohl versucht haben, über Kontaktpersonen in Pakistan Verbindungen zu den Taliban in Afghanistan aufzunehmen“, so der Experte Masood. Dagegen sei aus pakistanischer Sicht auch nichts einzuwenden, allerdings müsste das Land, in dem diese Bemühungen stattfänden, also Pakistan, über diese Kontakte informiert werden.

"Nicht im Interesse Pakistans"

Der deutsche Afghanistan-Experte Wörmer formuliert die pakistanische Position deutlicher: "Es ist natürlich nicht im Sinne des pakistanischen Geheimdienstes, dass irgendwo in irgendeinem arabischen Land, wie zum Beispiel in Katar, Gespräche zwischen den Amerikanern und den Taliban stattfinden und die Pakistaner nicht beteiligt sind.“ Auch habe Pakistan schon gar kein Interesse daran, dass europäische Nachrichtendienste auf pakistanischem Territorium „irgendwelche Gespräche anschieben, vorbereiten, sondieren oder wie auch immer.“ Pakistan wolle selber am Verhandlungstisch sitzen. Denn das oft formulierte Ziel pakistanischer Sicherheitspolitik sei, dass Pakistan in Afghanistan über „strategische Tiefe“ für einen eventuellen Konflikt mit Indien verfügt. Und diese strategische Tiefe werde Pakistan nur erreichen, wenn die Zukunft Afghanistans im Interesse oder im Sinne Pakistans gestaltet wird, so Wörmer.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Pakistan seit einiger Zeit nationale Souveränität gegenüber dem Westen und insbesondere den USA demonstriert, vor allem nach der geheimen US-Kommandoaktion zur Tötung Osama Bin Ladens und nach einem NATO-Luftangriff an der afghanischen Grenze im vergangenen November, bei dem 24 pakistanische Soldaten ums Leben kamen. So schloss Pakistan die Grenzübergänge für NATO-Überlandtransporte nach Afghanistan und boykottierte die internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn. Die Ausweisung ausländischer Geheimdienstleute könnte Teil dieser Demonstration nationaler Stärke sein.

Autorin: Sarah Berning
Redaktion: Hans Spross