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Asien

Drei Bewerber um Taiwans Präsidentenamt

Bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan am 16. Januar treten zwei Kandidaten und eine Kandidatin an. Alle vertreten einen pragmatischen Kurs in der Politik gegenüber dem Festland.

Kurioser Zufall bei der Auslosung der Reihenfolge, in der die Kandidaten auf dem Stimmzettel erscheinen: Kandidat Nummer 1 auf dem Stimmzettel ist Eric Chu von der regierenden Kuomintang (KMT) - er tritt zum ersten Mal bei einer Präsidentschaftswahl in Taiwan an. Nummer 2 ist Tsai Ing-wen von der oppositionellen Demokratischen Fortschrittspartei (DDP) - sie tritt zum zweiten Mal an. Nummer 3 ist James Soong der kleineren konservativen Volksnahen Partei (PFP) - er tritt zum dritten Mal an. Hier ihre Kurzporträts und ihre Positionen gegenüber Peking.

Eric Chu (KMT) (Foto: AP)

Eric Chu (KMT)

Kandidat 1: Eric Chu (KMT)

KMT-Vorsitzender Eric Chu (54) ist promovierter Rechnungsprüfer mit US-Abschluss. Chu gilt als Politstar der nächsten Generation nach dem scheidenden Präsident Ma Ying-jeou. Er übernahm im Oktober die KMT-Spitzenkandidatur von seiner Parteigenossin Hung Hsiu-chu, die erst drei Monate zuvor auf einem KMT-Parteitag aufgestellt worden war, aber dann zu schlechte Umfragewerte aufwies. Chu hatte eine Kandidatur zuvor immer abgelehnt.

Chu will den China-Kurs der scheidenden Regierung von Präsident Ma Ying-jeou fortschreiben und erkennt den sogenannten "Konsens von 1992" an, bei dem sich Vertreter Chinas und Taiwans auf das "Ein-China-Prinzip" einigten. Allerdings sind unterschiedliche Interpretationen über dieses eine China möglich. Im Mai 2015 traf sich Eric Chu in der Funktion als KMT-Vorsitzender mit dem Generalsekretär der KPCh, Xi Jinping. Dabei bezeichnete Chu China und Taiwan als "Schicksalsgemeinschaft".

Tsai Ing-wen (DDP) (Foto: AP)

Tsai Ing-wen (DDP)

Kandidat 2: Tsai Ing-wen (DDP)

Die in London promovierte Juristin Tsai Ing-wen (59) ist DDP-Vorsitzende. Sie war Verhandlungsführerin beim WTO-Beitritt Taiwans und Leiterin des Amtes für Festlandangelegenheiten unter Chen Shui-bian von der DPP, der von 2000 bis 2008 Präsident Taiwans war. 2012 verlor sie knapp die Präsidentschaftswahlen. 2015 kürte sie die "Financial Times" zu einer der "Frauen des Jahres 2015".

Tsai Ing-wen vermeidet es, den "Konsens von 1992" in den Mund zu nehmen und will im Übrigen am Status quo in den Beziehungen zu Peking festhalten. Sie versprach, keine "provokativen Schritte" zu unternehmen, falls sie gewählt wird.

James Soong (PFP) (Foto: dpa)

James Soong (PFP)

Kandidat 3: James Soong (PFP)

James Soong, Jahrgang 1942, wurde auf dem Festland geboren und übersiedelte 1949 mit seinem Vater, einem KMT-General, nach Taiwan. Er ist promovierter Politologe mit US-Abschluss und wurde 1999 nach einem parteiinternen Machtkampf gegen den damaligen Präsidenten Lee Teng-hui aus der KMT ausgeschlossen. Er nahm als Parteiloser zum ersten Mal an den Präsidentschaftswahlen 2000 teil. Nach der Wahlniederlage gründet er die Volksnahe Partei (PFP). Als PFP-Kandidat scheiterte er 2012 noch einmal bei den Wahlen.

Soong ist einer der wenigen Politiker in Taiwan, der KP-Führer mehrerer Generationen persönlich kennengelernt hat. Er traf Xi Jiping und seinen Amtsvorgänger Hu Jintao in Peking. Soong erkennt den „Konsens von 1992“ an und will mit Peking auf "sachlicher Ebene" zusammenarbeiten.

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