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Fokus Osteuropa

Dreht Usbekistan den Kirgisen den Gashahn zu?

Kirgisistan könnte bald ohne Erdgas dastehen. Angeblich will Usbekistan die Lieferungen einstellen, weil Bischkek etwa 400 usbekische Andischan-Flüchtlinge nach Rumänien ausreisen ließ.

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Werden die Kasachen mit Lieferungen helfen?

Seit seiner Unabhängigkeit ist Kirgisien vom Import usbekischen Erdgases abhängig, denn das Land verfügt im Gegensatz zu seinen Nachbarn nicht über reiche Bodenschätze. Zur Sicherung der Lieferungen war im Juli dieses Jahres ein neuer Vertrag zwischen Usbekistan und Kirgisien unterzeichnet worden.

Streit um Flüchtlinge aus Andischan

Gerade zu dem Zeitpunkt wurde aber auch über den Verbleib der usbekischen Flüchtlinge entschieden, die nach den Ereignissen in Andischan in Kirgisien Zuflucht gesucht hatten. Trotz entschiedenen Einspruchs Taschkents und der Unterstützung Russlands und Chinas für Usbekistan ermöglichte die kirgisische Führung den 400 Flüchtlingen die Ausreise nach Rumänien, allerdings auch nur unter dem Druck der internationalen Gemeinschaft.

Nun sei der Vertrag über die Erdgaslieferungen einseitig von Usbekistan annulliert worden, teilte die kirgisische Gasgesellschaft Kyrgysgas mit. Mehr als einen Monat lang habe sich die kirgisische Regierung bemüht, dies vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Aber nun musste der stellvertretende Direktor der Gesellschaft Kyrgysgas, Kubanytschbek Schusupow, einräumen, dass die Versorgung des Landes mit Erdgas kritisch sei - und das kurz vor dem Winter: "Im Juli haben wir den Vertrag unterschrieben. Wir haben alle Forderungen der usbekischen Seite erfüllt. Das sind die hundertprozentige Vorauszahlung und die Bezahlung in harter Währung. Deswegen meinen wir, dass die usbekische Seite sich anders entschieden hat, weil die Flüchtlinge ausreisen konnten."

Gashahn als Druckmittel

Schon in der Vergangenheit hatte Usbekistan die Abhängigkeit Kirgisiens von usbekischem Gas als Druckmittel bei der Lösung von Konflikten mit dem Nachbarländern eingesetzt. Früher ging es um die Festlegung der Staatsgrenze und nun um die Flüchtlinge. Ein Mitarbeiter im kirgisischen Außenministerium sagte gegenüber der Deutschen Welle, Usbekistan habe auf der Auslieferung seiner Staatsbürger bestanden und damit gedroht, dass es andernfalls kein Erdgas liefern werde.

Süden Kirgisistans versorgt

Derzeit würden lediglich die südlichen Gebiete Kirgisiens mit Erdgas aus Usbekistan versorgt, so Kubanytschbek Schusupow: "Sie sind bereit, Erdgas in die Gebiete Osch, Dschalal-Abad und Batken zu liefern. Wir haben einzelne Verträge über die Lieferung von Erdgas in die südlichen Gebiete des Landes im Umfang von 103 Millionen Kubikmeter abgeschlossen. Diese Menge reicht aus, um alle Verbraucher im Süden des Landes zu versorgen."

Norden hofft auf Kasachstan

Die Versorgung des Nordens Kirgisiens mit Gas, darunter auch die Hauptstadt Bischkek, könnte nur noch über Erdgaslieferungen aus Kasachstan sichergestellt werden. Die Gesellschaft Kastransgas sei auch bereit, Erdgas zu verkaufen - allerdings erst, wenn Kirgisien seine Schulden in Höhe von etwa 18 Millionen Dollar bezahle.

Usbekistan: Schulden sind der Grund

Und Schulden bei der usbekischen Gasgesellschaft Ustransgas seien auch der Grund, warum Usbekistan nicht mehr liefere, entgegnete ein Vertreter des usbekischen Gas-Unternehmens gegenüber einer russischen Nachrichtenagentur. Mit den Flüchtlingen habe das nichts zu tun. Zudem sei das Finanzierungsproblem auch schon im vergangenen Jahr aufgetreten. Gegenüber DW-RADIO wollte Ustransgas keine Stellung nehmen.

Witalij Katargin, Bischkek
DW-RADIO/Russisch, 1.9.2005, Fokus Ost-Südost

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