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Filme

Dreharbeiten unter Gottes Führung

Mel Gibson hat einen umstrittenen Film über die Leidensgeschichte Jesu Christi gedreht. "The Passion" sorgt schon vor seinem Kinostart für Diskussionen. Gibson muss sich gegen Vorwürfe des Antisemitismus verteidigen.

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"Die Bilder sollen für sich selbst sprechen"

Hollywood-Star Mel Gibson hat sich mit "The Passion" einen Lebenstraum erfüllt. Seit Jahren wollte er einen Film über die letzten Stunden im Leben Jesu drehen. Jetzt ist das Mamutprojekt, das zu Ostern 2004 in die deutschen Kinos kommen soll, abgeschlossen. Gibson hat Regie geführt und war maßgeblich am Drehbuch beteiligt. James Cavieziel ("The Thin Red Line") stellt den Sohn Gottes dar, Monica Bellucci ("Matrix Reloaded") spielt Maria Magdalena. Kein Hollywood-Studio ist an "The Passion" beteiligt, und kein Verleihvertrag hat im Voraus zur finanziellen Absicherung der Produktion beigetragen. Die 25 Millionen Dollar, die der Film gekostet hat, wurden ausschließlich von Gibsons eigener Gesellschaft "Icon Productions" aufgebracht.

Unumwunden bekennt der Australier, das Werk sei für ihn ein Zeichen der Dankbarkeit seinem Herrn und Erlöser gegenüber. Gibson, der an jedem Drehtag die Heilige Messe besuchte, ist für seine Religiösität bekannt. Er gehört den konservativen Traditionalisten an. Die in den USA auf 100.000 Mitglieder geschätzte Glaubensgemeinschaft nimmt es mit der Überlieferung besonders genau und hat sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) von der römisch-katholischen Kirche losgesagt. Traditionalisten lesen die Messe noch heute in lateinischer Sprache und lehnen in ihrer Mehrheit die Autorität des Papstes ab. Auch in "The Passion" lässt Gibson seine Darsteller ausschließlich in den damaligen Originalsprachen Aramäisch und Latein sprechen.

Ein Keil zwischen Juden und Christen?

Bereits die Verbindung von Gibsons angeblich extrem brutaler Verfilmung und seinem persönlichen Glaubensbekenntnis hat in den USA ausgereicht, um Beunruhigung hervorzurufen. Ausgelöst wurde die Kontroverse über seinen Film im März 2003 durch einen Artikel der "New York Times". Darin kam die militante Vergangenheit von Mel Gibsons Vater ans Licht, dem sich der Regisseur auch in Glaubensfragen verbunden fühlt. Hutton Gibson ist der Autor mehrerer vatikanfeindlicher Bücher. Er tut sein Bestes, sich mit rechtsradikalen Ansichten einen Namen zu machen und über die jüdische Glaubensgemeinschaft herzuziehen – die Vernichtung von sechs Millionen Juden im Holocaust ist für ihn pure Fiktion.

Passion

Nach dieser Enthüllung mehrten sich kritische Kommentare zu Gibsons Projekt. Respektierte Tageszeitungen griffen das Thema auf. Im Internet entstanden mehrere Diskussionsforen. Der Film bediene anti-jüdische Klischees in der Frage, wer die Verantwortung für die Kreuzigung trage, schrieb die amerikanische Theologin Paula Fredriksen in einem Artikel der Zeitschrift "New Republic". Eine Expertenkommission von katholischen und jüdischen Theologen hatte zuvor einen Drehbuchentwurf geprüft und davor gewarnt, dass der Film in katholisch geprägten europäischen Ländern Antisemitismus hervorrufen könnte. Das Gremium hatte dem Film unterstellt, er würde Juden als "blutrünstig, rachsüchtig und geldgierig" beschreiben und damit nur alte Vorurteile nähren.

"Ich bin kein Antisemit"

Auch die Katholische Bischofskonferenz der USA sowie die jüdische Anti-Diffamierungsliga ADL sehen in Gibsons wortgetreuer Wiedergabe der Passionsgeschichte einen massiven antisemitischen Eingriff, der die Juden einmal mehr als "Gottesmörder" brandmarke. Erst kürzlich nahm Mel Gibson zu den Anschuldigungen Stellung. Er bezeichnete "The Passion" als einen Film über "Glaube, Hoffnung, Liebe und Vergebung", der sich getreu an die Darstellung in den vier Evangelien des Neuen Testaments halte. Den Antisemitismus-Verdacht wies er zurück. Es ginge ausschließlich um das Selbstverständnis Jesu, der diese Brutalität aus Liebe zu seinen Mitmenschen freiwillig auf sich genommen habe.

Zudem erklärte Gibson, der Heilige Geist habe durch ihn an dem Film gearbeitet: "Einige Agnostiker und Moslems in der bunt zusammengewürfelten Crew haben unter dem Eindruck ihrer Arbeit zum Christentum gefunden." Niemand sei von den Dreharbeiten unberührt geblieben. Am härtesten sei es für den Hauptdarsteller Caviezel gewesen, doch er hätte nie geklagt - auch dann nicht, als man bei einer Geißelungsszene vergessen habe, seine Rückenpolsterung zu montieren.

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