Drastische Warnung vor Bitcoin - Absturz hält an | Wirtschaft | DW | 06.02.2018
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Kryptowährung

Drastische Warnung vor Bitcoin - Absturz hält an

Eine "Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe" - so urteilt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich über den Bitcoin. Der verliert weiter an Wert und liegt zeitweilig unter 6000 Dollar.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ ist so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken. Deren Generaldirektor, der Mexikaner Agustin Carstens, stimmte jetzt ein in den Chor derer, die vor den Gefahren von Kryptowährungen wie Bitcoin warnen. Die Behörden müssten bereit sein, gegen die rasant steigende Verbreitung von solchen Cyberdevisen tätig zu werden, um Verbraucher und Anleger zu schützen, so Carstens am Dienstag in Frankfurt.

"Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden", sagte Carstens zur Begründung.

"Falls nötig eingreifen"  

Carstens forderte Zentralbanken und Finanzbehörden dazu auf, insbesondere die Verknüpfungen von Kryptowährungen und realen Währungen unter die Lupe zu nehmen. Sie sollten dafür sorgen, dass Cyberdevisen "nicht zu Parasiten" der Infrastruktur des gesamten Finanzsystems werden. "Zentralbanken müssen darauf vorbereitet sein, falls nötig einzugreifen."  

Währungshüter in vielen Ländern hatten die Entwicklung der Alternativwährungen zunächst nur als Beobachter begleitet. Zunehmend macht sich aber Sorge breit, und  inzwischen wollen immer mehr Politiker und Aufsichtsbehörden den Handel mit Bitcoin & Co zügeln. Japans Notenbank forderte am Dienstag Anbieter von Dienstleistungen rund um Krypotwährungen auf, für die Sicherheit ihrer Dienste zu sorgen.

Befragung im US-Senat

Anleger sollten zudem auf die Risiken von Cyberdevisen hingewiesen werden. Auch in den USA gewinnt die Diskussion an Fahrt. Dort sollten am Dienstag im Senat Aufsichtsbehörden dazu befragt werden, wie Kryptowährungen stärker reguliert werden können.

Bitcoin setzten unterdessen ihren Kurssturz fort. Die Cyberdevise sackte allein am Dienstag um 15 Prozent auf 5992 Dollar ab. So wenig kostete ein Bitcoin zuletzt Mitte November. Im Laufe des Tages machte die Cyberwährung einen Teil der drastischen Verluste wieder gut und erholte sich bis auf gut 6.900 Doller – immer noch ein Minus von 38 Prozent innerhalb von sieben Tagen. Noch im Dezember des vergangenen Jahres war ein Bitcoin fast 20.000 Dollar wert. Unter scharfen Ausschlägen in beide Richtungen hat die Bitcoin also in wenigen Wochen weit mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt.

Symbolbild Bitcoin (Imago/C. Ohde)

Lohnend für Hacker: Ein Drittel aller Handelsplattformen ist betroffen

Immer häufiger wird das digitale Zahlungsmittel, das aus Nullen und Einsen besteht, derweil Ziel der Angriffe von Hackern. Der Börsenwert dieser Zahlungsmittel beläuft sich der Webseite CoinMarketCap.com zufolge zusammengerechnet auf rund 363 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass Hacker sich ans Werk machen: Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der US-Universität von Tulsa, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt.

Beute für Hacker

Schon Anfang 2014 wurde die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox aus Japan Ziel solcher Angriffe. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin - aktueller Wert: Vier Milliarden Dollar. In diesem Januar erbeuteten Hacker bei der ebenfalls in Japan ansässigen Börse Coincheck Einheiten der Kryptowährung Nem im Volumen von 530 Millionen Dollar. Der Betreiber der Handelsplattform kündigte an, den Geschädigten knapp 90 Prozent ihres Verlustes ersetzen zu wollen. Unklar blieb zunächst wie und bis wann.

In Europa wurden der slowenischen Handelsplattform NiceHash im Dezember 2017 eigenen Angaben zufolge 4700 Bitcoin im Wert von 29 Millionen Dollar gestohlen. NiceHash sprach von einem "hochprofessionellen Angriff".

Wiederholte Hacker-Angriffe trieben die südkoreanische Krypto-Börse Youbit Ende Dezember 2017 in die Pleite. Die südkoreanische Agentur für Cyber-Sicherheit Kisa machte Nordkorea für mindestens eine der Attacken verantwortlich.

 ar/hb (rtr, afp)

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