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Wirtschaft

Dramatische Verluste an den internationalen Aktienmärkten

Die weltweiten Börsenkurse sind trotz staatlicher Garantien zur Bewältigung der Finanzkrise massiv abgestürzt. Der Dow-Jones-Index sank zeitweise unter 10.000 Punkte. Der DAX erreichte seinen niedrigsten Stand seit 2006.

Börsenhändler vor Bildschirm (Quelle: AP)

Die Händler sind fassungslos

Trotz staatlicher Garantien zur Bewältigung der Finanzkrise sind die Kurse an den internationalen Aktienmärkten am Montag (06.10.2008) dramatisch eingebrochen.

Neue Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche und Rezessionsängste ließen den DAX um sieben Prozent auf 5.387 Punkte abstürzen, zeitweise war er bis auf 5292 Zähler gefallen. Der Dow-Jones-Index rauschte in New York erstmals seit 2004 unter die Marke von 10.000 Punkten.

Auch in einigen Schwellenländern gab es drastische Kursrutsche. So wurde in Brasilien der Handel nach einem Minus von 15 Prozent ausgesetzt.

Vor allem Banken verlieren Vertrauen

DAX-Kurve (Quelle: AP)

Der DAX im Sinkflug

Besonders gerieten die Finanzwerte unter Druck. Sie verbuchten teils zweistellige Verluste. An der Frankfurter Börse untergrub die zweite Rettung der Hypo Real Estate innerhalb einer Woche das Vertrauen in die Banken weiter. Bundesregierung und Finanzbranche hatten sich am späten Sonntagabend auf eine Aufstockung der Kreditlinie für die wackelnde Münchener Hypo Real Estate (HRE) um 15 Milliarden auf nun 50 Milliarden Euro geeinigt.

Die im DAX gelisteten HRE-Aktien stürzten um fast 40 Prozent ab. Nach Agenturinformationen wird Bankchef Georg Funke wegen des Debakels in den kommenden Tagen zurücktreten.

Der Softwarekonzern SAP rutschte nach der Vorlage vorläufiger Zahlen um 16,41 Prozent auf 28,84 Euro ab. Das Unternehmen bleibt eigenen Angaben zufolge im dritten Quartal beim Umsatz unter den eigenen Erwartungen.

EU zeigt sich geschlossen

Börsenhändler vor Dow-Jones-Kurve

Es geht noch weiter runter ...

Der EuroSTOXX 50 verbuchte ebenfalls dramatische Verluste und brach um 7,75 Prozent auf 2872,38 Zähler ein. Die Börsen in Paris und London rutschten ebenfalls ab. Der Dow-Jones-Index stand zu Handelsschluss in Europa rund vier Prozent im Minus.

Die EU demonstrierte Entschlossenheit im Kampf gegen die Finanzkrise. Bisher habe kein Sparer einen Verlust erlitten, und es werde auch künftig alles getan, um das Bankensystem und seine Kunden zu schützen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der 27 Mitgliedstaaten. Jede Regierung werde das Notwendige zur Stabilisierung des Finanzsystems tun.

Auch Dänemark, Österreich und Schweden gaben zur Beruhigung Einlagen-Garantien ab. Deutschland hatte mit der unbegrenzten staatlichen Garantie von Bankeinlagen die anderen EU-Länder unter Zugzwang gebracht. Die Garantien sollen verhindern, dass Sparer in Panik im großen Stil Geld abheben und das Finanzsystem vollends in die Knie zwingen.

Island verstaatlicht gesamte Bankbranche

Derweil kündigte die Regierung von Island ein Notstandsgesetz an, mit dem die gesamte Bankbranche des Landes, das nicht zur EU gehört, verstaatlicht werden soll. Die Währung des Landes stürzte um rund 30 Prozent ab. Das Parlament wollte die Regierung noch am Montag per Notgesetz mit weitreichenden Rechten ausstatten. Dies sei nötig, um die Möglichkeit einer Staatspleite zu verhindern, sagte Ministerpräsident Geir Haarde.

Weiteres Vorgehen der Bundesregierung unklar

Unterdessen blieben die nächsten Schritte der Bundesregierung im Kampf gegen die Finanzkrise unklar. Zunächst erklärte Finanzminister Peer Steinbrück, Einzelfalllösungen reichten zur Stabilisierung des deutschen Banksektors irgendwann nicht mehr aus. "Wir müssen jetzt versuchen, in Deutschland insgesamt einen Schirm zu spannen", so der SPD-Politiker.

Später stellte sein Sprecher Torsten Albig jedoch klar, dass die Regierung keine umfassende Bürgschaft für deutsche Banken plant. "Es geht nicht um eine Staatsgarantie für Banken", sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Dienstag im Bundestag eine Regierungserklärung zur Finanzkriseabgeben. Das teilte FDP-Chef Guido Westerwelle am Montagabend nach einem Gespräch mit Merkel mit. (gri)

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