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Naturkatastrophen

Dramatische Rettungsversuche in Sierra Leone

Mit bloßen Händen versuchen Helfer Geröll wegzuschaffen - oft fehlt es an geeignetem Gerät. Unter den Schlamm- und Wassermassen könnten noch hunderte Menschen liegen. Die Zahl der geborgenen Toten steigt weiter.

Die braune Brühe reicht den Menschen mitunter bis zur Brust. Helfer graben mit bloßen Händen in Schlammmassen nach Überlebenden, während weiter Leichen in den Fluten treiben. Mehr als 300 Tote wurden bisher geborgen. Das örtliche Rote Kreuz schätzt, dass noch 600 Personen vermisst werden. Mindestens 3000 Einwohner verloren nach Regierungsangaben durch die Überschwemmungen ihr Obdach.

"Mancherorts wurden ganze Gemeinden fortgespült, und was übrig blieb, ist mit Schlamm überzogen", sagte der zuständige Programmkoordinator der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC), Abdul Nasir. Helfer grüben "mit bloßen Händen und allen verfügbaren Werkzeugen, um Überlebende zu finden". Oft fehle es an geeignetem Werkzeug für die Bergungsarbeiten.

Sierra Leone Überschwemmungen Erdrutsch (picture-alliance/Zuma)

Regen- und Schlammmassen begruben Hütten und beschädigten auch massive Häuser schwer

Die Regierung richtete ein Notfallzentrum in dem besonders stark zerstörten Bergort Regent am Rande von Freetown ein. Überall in der Hauptstadt wurden Registrierungszentren als Anlaufstelle für die Obdachlosen eingerichtet.

Dreitägige Regenfälle hatten einen schweren Erdrutsch ausgelöst. Das Abwassersystem in Freetown wurde bald nicht mehr mit den Wassermassen fertig. Vor allem einfache Siedlungen an den Berghängen und in Küstengebieten verschwanden in den Fluten.

Sierra leone Überschwemmungen Erdrutsch (picture-alliance/Photoshot)

Alles, was sich im Weg befand, rissen die Fluten mit sich

Staatschef Ernest Bai Koroma appellierte eindringlich an die internationale Gemeinschaft. Sein Land brauche "dringend" Hilfe, sagte er in Regent sichtlich bewegt. "Wir sind überfordert", gestand der Präsident ein.

Am Vortag hatte Koroma die Menschen, die immer noch an den Folgen der 2014 ausgebrochenen Ebola-Epidemie und eines langen Bürgerkriegs leiden, zur Einheit aufgerufen. "Unser Land ist wieder einmal von Schmerz ergriffen worden", sagte er in einer Rede an die Nation.

"Viele unserer Landsleute haben ihr Leben verloren, noch mehr wurden schwer verletzt, und Eigentum im Wert von Milliarden Leone (der Landeswährung) wurde durch die Überflutungen und Erdrutsche zerstört", bilanzierte der Präsident. "Jede einzelne Familie, jede einzelne ethnische Gruppe, jede einzelne Region ist entweder direkt oder indirekt von dieser Katastrophe betroffen." Nach Angaben von Vize-Informationsminister Cornelius Deveaux hatte Koroma bereits am Montag den nationalen Notstand ausgerufen.

Sierra Leone Überschwemmungen Erdrutsch Leichenhalle (picture-alliance/AP/Society 4 Climate Change Communication)

Angehörige der Opfer warten vor einer Leichenhalle in Freetown

Die Vereinten Nationen leisteten Lebensmittelhilfe und unterstützten die medizinische Betreuung der Verletzten. Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, hatte vor Koromas Hilfsappell erklärt, die Europäische Union stehe "bereit zu helfen". Auch die britische Regierung sagte Unterstützung zu. Das israelische Außenministerium teilte mit, es werde Sierra Leone "sofort und in jeder möglichen Weise" Hilfe wie etwa Trinkwasser, Decken und Medikamente bereitstellen. Das Rote Kreuz fürchtet den Ausbruch von Seuchen wie Cholera und Typhus, deren Ursache oft verschmutztes Trinkwasser ist.

Sierra Leone Überschwemmungen Erdrutsch (picture alliance/AP Photo/Society 4 Climate Change Communication)

Dort, wo Bagger zur Verfügung stehen, beschleunigen sich die Aufräumarbeiten

Im westafrikanischen Sierra Leone ereignen sich alljährlich Überschwemmungen infolge heftiger Regenfälle. Die Regenzeit beginnt im Mai und erreicht ihren Höhepunkt im August. Wegen der schlechten Bauweise vieler Häuser werden dabei immer wieder Gebäude zerstört. Die Hauptstadt Freetown hat gut eine Million Einwohner. Sie liegt auf einer Halbinsel an einer Flussmündung. Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt.

jj/qu (dpa, afp, ap)

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