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Afrika

Dramatische Lage in Sirte

Das Rote Kreuz hat am Wochenende erstmals Hilfsgüter in die seit Wochen umkämpfte Geburtsstadt Gaddafis gebracht. Die Helfer berichten von katastrophalen Verhältnissen - insbesondere in dem Krankenhaus der Stadt.

Panzer (Foto:dapd)

Seit zwei Wochen wird um Sirte gekämpft

Es fehlen vor allem Medikamente und Treibstoff, um die Generatoren am Laufen zu halten. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses, der nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus der Stadt Sirte fliehen konnte, berichtet, dass Verwundete auf dem OP-Tisch stürben, weil plötzlich der Strom ausfalle. Die privaten Apotheker hätten dem Zentralkrankenhaus der 100.000-Einwohner-Stadt ihre Medikamente gegeben – und die gingen jetzt zur Neige.

Am Samstag (01.10.2011) lieferten nun vier Helfer des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) medizinische Güter zur Behandlung von 200 Verwundeten und Sprit für die Generatoren am Krankenhaus ab. "Sie kamen bis zum Hospital, bekamen die Patienten aber nicht zu Gesicht, sagte ein IKRK-Sprecher, Grund sei das andauernde Gewehrfeuer gewesen.

Unhaltbare Zustände

Die Hilfsorganisation befürchtet, dass die Lage für die Zivilisten wegen der Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi unhaltbar werden könnte. Sirte ist eine von zwei Gaddafi-Hochburgen, die noch nicht unter der Kontrolle der Übergangsregierung stehen. Um die Stadt wird seit zwei Wochen erbittert gekämpft.

Flücghtlinge auf Wagen (Foto: dapd)

Sie folgen der Aufforderung der NATO und verlassen die Stadt

Kämpfer der Übergangsregierung berichteten, Kampfflugzeuge der NATO würfen Flugblätter über der Stadt ab, auf denen Zivilisten zum Verlassen Sirtes aufgefordert würden. Hunderten von ihnen sei inzwischen die Flucht gelungen.

Gefahr durch Boden-Luft-Raketen

Die NATO fürchtet nach einem Bericht von "Spiegel online" Anschläge mit Raketen, die aus libyschen Militär-Depots verschwunden sind. Bis zu 10.000 Boden-Luft-Raketen könnten demnach gestohlen worden sein. Bei einer vertraulichen Unterrichtung für deutsche Bundestagsabgeordnete am vergangenen Montag in Brüssel habe Admiral Giampaolo di Paola, Vorsitzender des Militärausschusses des Bündnisses, eindringlich vor möglichen Terror-Anschlägen auf die zivile Luftfahrt mit den verschwundenen Raketen gewarnt. Eine NATO-Sprecherin bestätigte, dass man Probleme mit den verschwundenen Waffen befürchte. Zu Details wollte sie aber nichts sagen.

G36-Sturmgewehr (Foto: dpa)

Solche Gewehre sind offenbar über Ägypten nach Libyen gelangt

Etwas mehr Klarheit gibt es unterdessen über die deutschen Sturmgewehre, die im August in einer Residenz Gaddafis in Tripolis gefunden worden waren. Nach einem Zeitungsbericht sollen sie aus einer Lieferung nach Ägypten stammen. Die Bundesregierung habe dem Hersteller Heckler & Koch 2003 Exportgenehmigungen für 608 Sturmgewehre und Munition erteilt, schreibt die "Bild am Sonntag". Eine Sprecherin des Unternehmens habe das Geschäft bestätigt und betont, dass die Lieferung nach Ägypten legal erfolgt sei. Wie die Waffen dann von Ägypten nach Libyen gelangen konnten, bleibe unklar.

Autorin: Sabine Faber (dpa, afp, rtr)

Redaktion: Stephan Stickelmann

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