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Kultur

Dramatische Entwicklung am Everest

Sie waren auf dem Weg zum Gipfel. Das Bergsteigertrio, das DW-Reporter Stefan Nestler begleitet. Doch auf 7650 Metern bricht der Japaner Hiro zusammen. Die Diagnose: Höhen-Hirnödem - die gefährlichste Höhenkrankheit.

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Erleichterung: Hirotaka Takeuchi lebt


Gestern Morgen (30.5.2005) beim Aufbruch im Nordsattel sind sie alle noch gutgelaunt und fit. Der deutsche Höhenbergsteiger Ralf Dujmovits, seine Partnerin Gerlinde Kaltenbrunner und der Japaner Hirotaka Takeuchi. Nach Tagen des Wartens, nach stürmischen Nächten im Leichtzelt auf 7066 Metern wollen sie weiter aufsteigen – den Gipfel des höchsten Bergs der Erde fest im Blick.

40 Prozent aller Fälle enden tödlich

Wenige Stunden später bricht der 34-jährige Japaner zusammen. Sein Zustand verschlechtert sich rapide. Er ist kaum ansprechbar. Er habe die Stimmen der Freunde nur noch von weit her gehört, wird "Hiro" später erzählen. Er spürt das Gewicht seiner Hand nicht mehr. Der Japaner erleidet offenbar ein Höhen-Hirnödem – die gefährlichste aller Höhenkrankheiten.

Die Drei Mount Everest Dramatische Entwicklung am Everest

Die drei Bergsteiger vor dem Aufbruch zum Gipfel

Wegen Sauerstoffmangels tritt bei einem Hirnödem Flüssigkeit aus dem Gehirn aus. Das Gewebe schwillt an. Rund 40 Prozent der Fälle enden tödlich. Kaltenbrunner und Dujmovits reagieren schnell. Im Zelt auf 7650 Metern Höhe spritzt die ausgebildete Krankenschwester Hiro das Notfall-Medikament Dexamethason.

Zustand bessert sich über Nacht

Während es draußen schneit und eiskalt stürmt, bessert sich der Zustand des Bergsteigers. "Er schläft jetzt, atmet ruhig, seine Pupillen sind wieder normal", berichtet Dujmovits per Satellitentelefon DW-Reporter Stefan Nestler, der im vorgeschobenen Basislager mit dem Koch ausharrt – und nichts tun kann.

Ralf Dujmovits und Gerlinde Kaltenbrunner holen sich per Satellitentelefon in Österreich medizinischen Rat: bei einer Internistin der Klinik, in der Gerlinde früher als Krankenschwester gearbeitet hatte. Die Ärztin rät den beiden, Hiro neben dem Notfall-Präparat Dexamethason auch das blutverdünnende Medikament Adalat zu verabreichen. Der Japaner schläft jetzt, atmet ruhig, seine Pupillen sind wieder normal.

"Knapp von der Schippe geholt"

Wenn ich die Augen schließe, öffne ich sie nicht mehr, sagt Hiro irgendwann in der Nacht. Kaltenbrunner und Dujmovits bleiben die ganze Nacht wach. Am Morgen dann: Erleichterung. "Er hat getrunken, gegessen und spricht mit uns", verkündet Dujmovits am Satellitentelefon: "Ich denke, wir haben ihn knapp von der Schippe geholt."

Mount Everest Dramatische Entwicklung am Everest Kerze

Räucherstäbchen im Basislager - Beten und Daumen drücken

Er glaubt, dass Hiro jetzt selbstständig absteigen kann. "Ich werde ihn ans Seil nehmen, irgendwie bekommen wir ihn schon herunter." Minimalziel ist der Nordsattel auf gut 7000 Metern. Nach Möglichkeit wollen die drei aber ins 6300 Meter hohe vorgeschobene Basislager der Normalroute auf dem östlichen Rongbuk-Gletscher absteigen.

Neuigkeiten im Everest-Blog

Unsere Gebete wurden erhört, schreibt DW-Reporter Stefan Nestler im Weblog vom Everest. Die User sind erleichtert. Im Kommentarbereich hatten sie Hiro Glück gewünscht und versprochen, die Daumen zu drücken. Noch ist die Gefahr aber nicht ganz gebannt. Der Japaner Hirotaka Takeuchi muss schleunigst aus der Höhe. Da wo der Sauerstoff nur noch mit einem Drittel des Drucks in die Lungen gepresst wird wie auf Meereshöhe. Da wo die extrem dünne Luft und die körperliche Anstrengung die Bergsteiger dazu zwingen, extrem schnell zu atmen. (mb)

Aktuelle Neuigkeiten und Berichte finden Sie im Everest-Blog von DW-WORLD.



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