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Wirtschaft

Drama um US-Investmentbanken schockiert Börsen

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America schickt die Börsen weltweit auf Talfahrt. Der DAX sank zeitweise unter die Marke von 6000 Punkten.

Trauriger Tiefpunkt des DAX am Montag (15.9.2008): Großaufnahme des Zählerstands von 5942 Punkten (Foto: AP)

Trauriger Tiefpunkt des DAX am Montag (15.9.2008)

Die Anleger an der Wall Street zeigten sich am Montag (15.09.2008) verunsichert. Vor allem Finanztitel verbuchten im Sog der Krise dramatische Verluste. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel bereits in den ersten Handelsminuten deutlich.

Börsianer spekulierten darüber, welches Unternehmen als nächstes zusammenbrechen könnte. Für große Beunruhigung sorgten Berichte, der Versicherungsriese AIG habe die US-Notenbank um eine Finanzspritze von 40 Milliarden Dollar gebeten. Viele Anleger sahen die einzige Hoffnung in einer Zinssenkung der US-Notenbank Fed bei ihrer Sitzung am Dienstag.

DAX fällt zeitweise unter 6000 Punkte

DAX-Kurve an der Frankfurter Börse (Quelle: AP)

Auch mit dem DAX ging es bergab

Mit 5942 Punkten sackte der deutsche Aktienindex DAX am Nachmittag zeitweise auf den tiefsten Stand seit September 2006. Noch vor gut einem Jahr hatte der Leitindex mit knapp über 8150 Punkten einen Rekordstand erreicht. Der DAX schloß am Montag bei bei 6064 Punkten. Vor allem Banken- und Versicherungstitel gaben zum Teil deutlich nach.

Die Aktienmärkte in Frankreich, Großbritannien und Russland verbuchten ebenfalls herbe Verluste. Auch in Asien reagierten die Märkte mit einem kräftigen Minus.

Banken greifen mit Finanzspritzen ein


Lehman-Brothers-Zentrale in New York (Quelle: AP)

Lehman-Brothers-Zentrale in New York

Zehn führende internationale Banken haben am Montag einen 70 Milliarden Dollar schweren Fonds gebildet, um sich gegenseitig aus möglichen Liquiditätsengpässen zu helfen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgte die Geschäftsbanken des Euroraums kurzfristig mit liquiden Mitteln von 30 Milliarden Euro. Die Bank of England pumpte umgerechnet 6,3 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Die US-Zentralbank hatte bereits am Sonntag Maßnahmen zur Erhöhung der Liquidität angekündigt.

Der Staat wollte nicht mehr helfen

Die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers hat am Montag Gläubigerschutz beantragt. Die verzweifelten Rettungsbemühungen für die Investmentbank waren zuletzt daran gescheitert, dass die US-Regierung in anderen Fällen geleistete Staatshilfen ausschloss und die Branche nicht bereit war, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen.

Mitarbeiter hält Lehman-Brothers-Schild in die Luft (Quelle: AP)

Ein Mitarbeiter beweist Galgenhumor


In Krisensitzungen hatten am Wochenende in New York Vertreter der US-Notenbank und des Finanzministeriums mit mehreren Banken über das Schicksal von Lehman Brothers beraten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie eine Rettung finanziert werden könnte. Aus Kreisen des Ministeriums verlautete, Finanzminister Henry Paulson habe sich gegen finanzielle Hilfen der Regierung ausgesprochen. Genau dies forderten aber andere Investmentbanken, die Lehman Brothers selbst nicht zur Seite springen wollen. Die Banken hätten darauf verwiesen, dass die Regierung auch im März J.P. Morgan Chase bei der Übernahme von Bear Stearns geholfen habe.

Merrill Lynch wird für 50 Milliarden Dollar verkauft

Bekannt wurde außerdem, dass die Bank of America die ebenfalls angeschlagene drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch übernimmt. Der Kaufpreis liege bei rund 50 Milliarden Dollar in Aktien, teilten die Unternehmen am Montag mit.

Die Bank of America gehört zu den führenden US-Banken. Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem drastischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Damit gibt es jetzt mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken an der Wall Street. Ein halbes Jahr zuvor waren es noch fünf. (gri/kap)

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