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Kultur

Drama um mexikanische Fischer

Es klang wie ein Märchen mit Happy End, als kürzlich drei mexikanische Fischer nach neunmonatiger Irrfahrt im Pazifik gerettet wurden. Nun hat sich herausgestellt, dass ursprünglich fünf Fischer auf dem Boot waren.

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Lucio Rendón küsst ein Jesus-Bildnis nach seiner Rettung

Taiwanische Hochseefischer hatten die drei Fischer am 9. August in 8000 Kilometer Entfernung von ihrer Heimat geborgen. Die Freude über die wundersame Rettung hat nun einen Dämpfer erhalten. Wie die Behörden in Mexiko-Stadt am Donnerstag (17.8.2006) mitteilten, umfasste die Besatzung des Fischerboots ursprünglich fünf Mann.

Zwei Fischer seien im Januar und im Februar gestorben. Nach Angaben des Fischers Jesús Vidana starben die beiden Gefährten, weil sie es nicht ertragen hätten, Vögel und Fische roh zu essen, berichtete er. Die Leichen hätten er und seine Kameraden über Bord geworfen.

Abgetrieben mit Kompass und Bibel

Die Fischer waren am 28. Oktober 2005 aus dem Hafen von San Blas ausgelaufen, um Haie zu fangen. Doch ein Sturm trieb sie auf die offene See hinaus. Als dann noch das Benzin zu Ende ging, waren die übrig gebliebenen drei mexikanischen Fischer Salvador Ordoñez, Jesús Vidana und Lucio Rendón den Naturgewalten des Pazifischen Ozeans hilflos ausgeliefert.

Mexiko Fischer gerettet Schiffbrüchiger Familie

Die Freude über die Rettung ist bei den Angehörigen riesengroß

Mehr als neun Monate lang trieben sie auf dem Ozean, nur mit einem Kompass und einer Bibel ausgerüstet, in Richtung Westen. Im November 2005 waren sie für tot erklärt worden. Schließlich wurden sie in der Nähe der Marschall-Inseln von taiwanesischen Tunfischfängern aus dem Meer gefischt: Völlig erschöpft, ausgebrannt und halb verhungert, aber gesund. Die drei Männer, die ihre Geschichte dem mexikanischen Fernsehsender Televisa erzählten, erlebten eine wahre Horror-Odyssee.

Schiffe fuhren vorüber

Sie aßen rohen Fisch, rohe Enten und Möwen und tranken Regenwasser. Den Fisch fingen sie mit Angelhaken, die sie an Elektrokabel des Motors befestigten. "Einmal hatten wir 15 Tage lang nichts zu essen", sagte Jesús Vidana (61). Doch die Lektüre der Bibel habe ihren Glauben gestärkt. "Wir haben die Hoffnung nie verloren, weil wir Tag und Nacht gebetet haben", sagte Vidana.

Die Hoffnung wurde mehrfach auf eine harte Probe gestellt, als Schiffe, denen sie Zeichen gaben und die sie bemerkt hätten, einfach an ihnen vorübergefahren seien, und sie ihrem Schicksal überließen. "Dann haben wir einige Male geweint", gestand Salvador Ordoñez.

Von der Rettung fast nichts mitbekommen

Weil sie einen Kompass dabei hatten, war ihnen klar, dass sie über den riesigen Ozean nach Westen abtrieben. Mehrfach gerieten die drei in einen Sturm. Das neun Meter lange und drei Meter breite Boot sei zwei Mal beinahe untergegangen. Ihre Rettung hätten die drei Fischer fast nicht bemerkt. Die Taiwanesen hatten sie mit ihrem Radar aufgespürt, als sie schliefen. "Wir sahen das Schiff erst, als wir die Motorgeräusche neben uns hörten", sagte Salvador Ordoñez.

Der taiwanische Tunfischfänger mit den drei Männern an Bord wird Anfang kommender Woche auf den Marshall-Inseln erwartet. (stl)