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Drachenzeit

In der Luft sind sie unterwegs, aber auch in Sagen, Legenden, der Bibel und in Phantasiegeschichten. Auch in manchem Haus finden sie sich in der einen oder anderen Form: Drachen.

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Drachenzeit

Leichter Wind, schönes Wetter, möglichst milde Temperaturen – dann fühlen nicht nur wir Menschen uns am wohlsten. Es ist auch ein perfektes Wetter, um Drachen steigen zu lassen. Unter wahren Drachenfans gelten jedoch der Sommer und der Herbst als die besten Drachenzeiten.

Drachen zum Fliegen und zum Steigenlassen

Ein Mann hängt an einem Hängegleiter, auch Deltaflieger genannt, und fliegt über den Puy de Dome in Frankreich (picture alliance/dpa/McPHOTO)

Der Hängegleiter trägt einen durch die Lüfte

Drachen gibt es in allen Farben – und in ganz verschiedenen Ausführungen. Längst ist der eigentliche Drachen seiner Urform entwachsen: einem Lattenkreuz, über das rautenförmig besonderes Papier gespannt war, mit einem farbigen Papierschwanz dran und der Befestigung für die Drachenschnur.

Auch gibt es einen Unterschied zwischen den Drachen, die man steigen lässt und jenen Fluggeräten, die einen Menschen im Gleitflug tragen können, unter anderem auch bekannt als Hängegleiter. Die Menschen, die diesen Sport betreiben, werden in der Umgangssprache vereinfacht „Drachenflieger“ genannt. Diese Drachen haben allerdings nichts mehr mit dem einfachen Papierdrachen, dem Kinderspielzeug zu tun, das es etwa seit dem 18. Jahrhundert gibt.

Eher unsympathisch: Drachen aus der Sagenwelt

Nie ganz klar werden wird jedoch, ob es wirklich die Drachen gab und wie sie aussahen, die in den babylonisch-assyrischen Mythen, dann in der griechisch-römischen Mythologie und in den Drachensagen so vieler Sprachkulturen auftauchen.

Als „landverheerendes, dem Menschen feindliches Untier“ wird dieser Drache beschrieben. Er ist halb die fürchterliche Riesenschlange, halb Vogel mit grässlichen Zähnen. Mit stachligen weitgespreizten Flügeln schlägt er alles in die Flucht, was sich ihm nähert, und aus seinem glutroten Schlund stößt er Feuer und giftigen Rauch hervor.

Schreckliche Reptile

Ein kunstvolles Tattoo von zwei feuerspeienden Drachenköpfen (colourbox/F. C. Pablo)

So stellte man sich früher Drachen vor: Feuer speiend und Furcht einflößend

Die Herrscher über antike Kriegsheere machten sich dieses Drachenbild zunutze. Bei den Römern wird es zum Schrecksymbol, zum Feldzeichen, vor dem die Feinde zitterten. Die Germanen übernahmen das Wort und das Zeichen. Der Begriff „Drache“ ist ursprünglich dem Griechischen entlehnt: „drákōn“ bedeutete „der scharf Blickende“. Man stellte sich damals ein geflügeltes Reptil vor, das jemanden mit seinem Blick lähmen konnte. 

Neben der Aufgabe, Angst und Schrecken zu verbreiten, wird diesen Drachen der Sagen und Legenden noch eine weitere Hauptaufgabe zugeschrieben: unermesslich kostbare Schätze zu hüten. Ein Beispiel dafür findet sich in der „Edda“, jener altnordischen Sammlung von Liedern und Erzählgedichten.

Die Helden der Geschichte und Sagen: Drachentöter

Titelseite des Le Petit Journal aus dem Jahr 1914, das fünf Soldaten mit Gewehren und Bajonetten zeigt, die symbolhaft für Länder stehen, die gegen Deutschland in den Krieg zogen. Deutschland ist als Drache mit einer Pickelhaube dargestellt. (picture-alliance/dpa/Mary Evans Picture Library)

Der Drache als Symbol für den Krieg und seine „Bezwinger“, die Drachentöter

Es liegt auf der Hand, dass ein derartiges Ungetüm besiegt werden musste. Wer einen Drachen herausforderte und gar tötete, um Gefahr abzuwenden oder um in den Besitz des Drachenschatzes zu gelangen, jener sagenhaften Mengen von Gold und Edelsteinen, galt seit Urzeiten als herausragender Held. Während des 16. bis 18. Jahrhunderts gibt es Darstellungen, in denen der geschlagene Gegner, ja der Krieg selbst, als Drache und der Sieger als Drachentöter dargestellt sind.

Drachentöter finden sich schon in den antiken und vorderasiatischen Heldensagen und Mythen, aber auch in deutschen Heldensagen. Allseits bekannt sein dürfte Siegfried, der heldenhafte Drachenbezwinger, aus der gleichnamigen Oper Richard Wagners. Aber auch Dietrich von Bern, Artus, Lancelot, Tristan oder Heinrich der Löwe: Sie alle kämpften gegen und mit Drachen – und besiegten sie.

Der „böse“ Drache

Symbolbild: Eine ältere Frau mit grauem Haar und dicken Lockenwicklen, die linke Faust geballt und in der rechten hält sie ein Nudelholz (colourbox/Phovoir )

Mit einem Hausdrachen sollte man sich tunlichst nicht anlegen!

Die Verehrung für Drachentöter ist unter anderem auf christlichen Einfluss zurückzuführen. In der Bibel ist vom großen Kampf des Erzengels Michael und seiner Engelsschar mit dem Drachen die Rede: „Und so wurde der große Drache niedergeworfen, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt …“.

Die Gleichsetzung des Drachen mit dem Bösen, mit dem Teufel, hat auch zum Begriff des „Hausdrachen“ geführt, der in der Umgangssprache als Bezeichnung für eine garstige, herrische oder böse Ehefrau steht. Allerdings geht er auf eine grauenvolle Zeit zurück: die der Hexenverfolgung und der Hexenprozesse, die es noch bis ins 18. Jahrhundert gab. Den angeklagten Frauen wurde unterstellt, sie stünden mit dem Teufel, dem bösen Drachen, in Verbindung.

Die guten Drachen der Lüfte

Zum Schluss soll aber noch dies nicht unerwähnt bleiben: Es gibt es auch gute Drachen, die den Menschen helfen. Sie sind zwar sehr selten, aber es gibt sie. Denken wir nur an den Glücksdrachen Fuchur aus Michael Endes Fantasieroman „Die Unendliche Geschichte“. An diese Drachen kann man denken, wenn man seinem eigenen Drachen nachschaut, wie er in der Luft seine Kunststücke vollführt, hin- und her tanzt und mit dem man höchstens dann kämpfen muss, wenn der Wind zu stark bläst.

 

 

 

 

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