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Kluge Köpfe

Dr. Takashi Suzuki, Japan

Mit Frau und Kind lebt Takashi Suzuki in Martinsried bei München. Dort arbeitet er am Max-Planck-Institut für Neurobiologie, als Leiter der Nachwuchsgruppe "Neuronale Konnektivität".

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Dahinter verbirgt sich ein junges Forscherteam, das den Geheimnissen des Gehirns auf der Spur ist: Wie schaffen es die Nervenzellen, sich untereinander zu verbinden und zu vernetzen? Welche Gene sind dafür zuständig, dass die Nervenfasern den richtigen Weg zueinander finden? Eine Frage, die während der Entwicklung des Gehirns eine wesentliche Rolle spielt.

Für diese Studien nutzt Takashi Suzuki die Fruchtfliege Drosophila melanogaster als Untersuchungsobjekt. Auch wenn das Gehirn der Fliege sehr viel kleiner ist und viel einfacher aufgebaut als das des Menschen: in mancher Hinsicht sind die beiden Gehirne vergleichbar - was das Sexualverhalten angeht oder das Gedächtnis oder das Schlafen. 'Wenn wir etwas über die Fruchtfliege wissen', sagt Takashi Suzuki, 'dann lässt sich das auch auf den Menschen übertragen.'

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Takashi Suzuki im Interview bei Projekt Zukunft:

Warum Fruchtfliegen? Das Arbeiten damit muss doch sehr schwierig sein, so klein wie sie sind ...
Fruchtfliegen sind ein sehr altes Testobjekt, denn sie haben eine kurze Lebensdauer. Ja, sie sind winzig und etwas schwer zu handhaben. Aber wenn man die Zellgröße anschaut: sie ist fast so wie die bei anderen Lebewesen. So gesehen ist die Fruchtfliege nicht so ganz anders als andere Organismen. Die Hälfte oder mehr als die Hälfte ihrer Gene ist vergleichbar mit den menschlichen Genen.

Was fasziniert Sie an der Hirnforschung?
Für einen Biologen ist das Gehirn eines der interessantesten Organe. Denn wir verstehen es noch nicht wirklich. Wir wollen aber wissen, was das Bewusstsein ist und wie das Gehirn funktioniert. Und der Weg, den wir dabei einschlagen, ist: von der Entwicklung zur Funktion.

Das Gehirn ist ein sehr komplexes Gebilde. Und niemand kann es nur durch die Anzahl der Moleküle oder Gene erklären. Diese Komplexität zu verstehen, ist also schon eine Herausforderung. Die Zeit dafür ist optimal. Früher war es technisch sehr schwer, Hirnforschung zu betreiben. Heute haben wir viele geeignete Mittel und Methoden dafür.

Jemand hat mal gesagt: Das Gehirn ist die die letzte Grenze in der Biologie.

Wie war Ihr Weg von Japan nach Garching?
Ich habe meinen Postdoc in Österreich gemacht, in Wien. Und nach vier Jahren bin ich dann nach Deutschland gezogen. Als Wissenschaftler müssen Sie da flexibel sein. Sie können überall arbeiten, an jedem Institut, das infrage kommt. Unter den möglichen Orten suchen Sie sich dann den besten aus, und so war das auch bei mir: Ich habe München ausgewählt.

In Deutschland sind die Max-Planck-Institute die besten Orte für wissenschaftliches Arbeiten. Sie sind gut ausgestattet, die Leute sind exzellent, und die Produktivität ist ebenfalls hervorragend.

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Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am meisten?
Dass ich die Fragen stellen kann, die mich persönlich interessieren. Und hier, mit meiner eigenen Arbeitsgruppe, kann ich mich mit diesen Fragen beschäftigen, mit eigenen Ideen und eigenen Vorstellungen.

Warum haben Sie Deutschland ausgewählt und nicht die USA?
Als Ausländer zögere ich ein bisschen, in die USA zu gehen. Nach den Terrorangriffen ist die Polizei dort sehr stark gegen Ausländer vorgegangen. Aber unabhängig davon: Die USA sind sehr gut für die allerbesten Wissenschaftler. Man muss dort pausenlos produktiv sein. Wenn man mal einen kleinen Durchhänger hat, dann ist man sofort draussen. Hier in Deutschland, da hat man etwas mehr Sicherheit. Die Finanzierung gilt jeweils für einen etwas längeren Zeitraum. Für einen Wissenschaftler ist diese Art von Unterstützung sehr attraktiv.

Sie leben hier in Deutschland mit ihrer Familie. Wie gut können Sie Arbeit und Familienleben miteinander in Einklang bringen?
Meine Frau Satoko und ich, wir haben die Doktorarbeit in Japan gemacht und sind dann zusammen nach Wien gegangen. Jetzt arbeitet sie als Postdoc bei mir im Labor. Mein Sohn wurde im Jahr 2003 in Wien geboren. Er ist jetzt 3 Jahre alt. Mit 9 Monaten ist er schon in die Krippe gegangen, jetzt geht er zum Kindergarten.

Ich habe allgemein den Eindruck, dass die Gesellschaft es lieber mag, wenn die Mutter zu Hause bleibt. Das ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in den USA oder in Japan. Aber ich will mich ja gar nicht beschweren: Der Staat hier ist schon sehr familienfreundlich. Es gibt viele Kindergärten, und wenn man will, kann man arbeiten und als Wissenschaftler erfolgreich sein mit der Familie.

Ich versuche, bei der Arbeit effizienter zu sein. Und meine Frau, sie steht nicht 12 Stunden am Tag im Labor, sie bleibt bei den normalen Arbeitszeiten. Unser Kind geben wir in den Kindergarten. Nach 17 Uhr versuchen wir das wieder auszugleichen und spielen mit ihm so viel wie möglich.

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Und wie gefällt es Ihrem Sohn in Deutschland?
Er hat gute Freunde im Kindergarten. Aber diese dreijährigen Jungen sind kleine Einzelkämpfer. Sie wollen nicht so viel mit anderen spielen. Ich hoffe, eines Tages wird er etwas kontaktfreudiger sein.

Ich denke, er mag das Leben in München. Aber er leidet etwas unter der Sprache. Wie sprechen zu Hause viel Japanisch, im Kindergarten muss er dagegen Deutsch sprechen und verstehen. Ich hoffe, er wird einmal beide Sprachen flüssig beherrschen, Deutsch und Japanisch. Vielleicht kann er dann ja mal in einem dieser internationalen Unternehmen arbeiten, wo er beides miteinander verbinden kann.

Und wenn Sie Urlaub oder Freizeit haben, was tun Sie dann?
Ich mag Sport, zum Beipiel Fußball im Fernsehen. Im Münchener Stadion war ich allerdings noch nicht. Ausserdem fahre ich gerne aufs Land und gehe in die Berge. Und ich fahre gern Ski - dieses Jahr will ich in die Alpen fahren.

Was ich noch nicht getan habe, ist das Deutsche Museum hier in München zu besuchen. Da soll es ja eine große Sammlung von Flugzeugen, Panzern, Lokomotiven, U-Booten etc. geben, wissenschaftlich-technische Entwicklungen aus Deutschland. Ich war noch nicht da, aber ich bin sicher, es gibt dort auch noch viele andere Dinge zu sehen, wissenschaftliche Ausstellungen etc.

Wie ist Ihre Erfahrung mit den Deutschen?
Ausserhalb des Labors haben wir Kontakt mit den Nachbarn. Sie sind sehr höflich und nett. Ich finde es überhaupt leicht, hier zu leben. Auch wenn ich Hochdeutsch nicht so gut verstehe, versuche ich zuerst, mit den Leuten zu sprechen. Und wenn wir da nicht weiter kommen, dann wechsle ich ins Englische. Die meisten Leute hier sprechen Englisch, das ist eine gute Sache in Deutschland.

Was ich an den Deutschen mag: Sie übernehmen Verantwortung für ihre eigene Arbeit. Wenn man ihnen eine Aufgabe gibt, dann führen sie sie auch bis zum Ende durch. Aber sie machen zu lange Ferien, zu lange an einem Stück, 3 bis 4 Wochen. Man arbeitet mit ihnen zusammen, und plötzlich verschwinden sie für ein Monat. In Japan versucht man, die Ferien in kürzere Stücke aufzuteilen, maximal 1 Woche lang.

Wenn man das Leben eines Wissenschaftlers in Japan und in Deutschland vergleicht - wo ist der Unterschied?
Die wissenschafliche Qualität und die finanziellen Möglichkeiten sind in Japan wahrscheinlich ähnlich wie in Deutschland. Aber Japan ist immer noch sehr hierarchisch. Als junger Mensch bekommt man da nur sehr schwer eine selbständige Position. Da ist Deutschland viel fortschrittlicher. Deshalb bin ich auch hierher gekommen.

Vor 200 Jahren war Deutschland für Japan ein Lehrmeister in Medizin und Chemie. Viele Japaner kamen nach Deutschland zum Studium und gingen dann zurück nach Japan, wo sie Medizin und Chemie nach westlichem Muster betrieben haben. Mein Ur-Urgroßvater zum Beispiel war Chemiker und hat in Deutschland studiert. Daher habe ich in unserer Familie viel Gutes über die Leistungen der deutschen Wissenschaft gehört.

Und nun treten Sie in seine Fußstapfen?
Ich denke, er war mutiger als ich, denn heute ist das ja viel leichter: Jeder tut dasselbe, ins Ausland gehen und dort studieren, um sich wissenschaftlich und persönlich weiterzuentwickeln. Ich würde nicht sagen, dass ich in seine Fußstapfen trete.

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