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Gesichter des Klimawandels

Dr. James Hansen, Wissenschaftler, USA

"Pro Person gerechnet, sind Deutschland, die USA und Großbritannien am meisten für den Klimawandel verantwortlich."

Der Klimaforscher James Hansen war einer der ersten, der vor der globalen Erderwärmung warnte und den Klimawandel ins öffentliche Bewusstsein brachte. Der 74-Jährige könnte, wenn er denn wollte, in Rente gehen und ruhig auf seine Karriere zurückblicken: Er ist nicht nur Professor an der renommierten Columbia-Universität, sondern war bis 2013 auch Direktor des Gooddard Institute for Space Studies der NASA.

Von Ruhe ist Hansen aber weit entfernt: Sein Engagement bei der NASA beendete er, weil er sich auf den Klimaaktivismus konzentrieren wollte. Nun tourt er um die Welt, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen - sein bekanntester öffentlicher Auftritt endete mit einer Verhaftung vor dem Weißen Haus.

Und auch zum Klimagipfel ist Hansen gekommen, um Druck zu machen. Die Wissenschaft finde zu wenig Gehör, wenn es um die Klimaziele gehe, meint er: "Die Ziele wurden nicht nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt. Sondern sie wurden aus Gründen der Bequemlichkeit ausgewählt." Viele NGOs fordern inzwischen, statt 2 Grad maximaler Klimaerwärmung 1,5 Grad anzustreben. Und auch Hansen meint, das 2-Grad-Ziel reiche nicht aus: "Wir wissen, dass das Zwei-Grad-Ziel kein sicheres Ziel sind. Alles, was wir tun müssen, ist, uns die Erdgeschichte anzuschauen. Das letzte Mal, als die Erde zwei Grad wärmer war, war der Meeresspiegel sechs bis neun Meter höher. Das bedeutet, dass alle Küstenstädte disfunktional würden. Und die wirtschaftlichen Konsequenzen sind nicht kalkulierbar."

Unsere Energiegewinnung ist für ihn der Schlüsselpunkt, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten: Es sei notwendig, eine komplett kohlenstofffreie Energiegewinnung zu erreichen, so Hansen. Auch - und an diesem Punkt eckt er mit vielen anderen Klimaaktivisten an - wenn dies bedeute, auf Atomenergie zu setzen.

Hansen lebt in Pennsylvania, hat Kinder und Enkelkinder. Bemerkt er den Klimwandel dort im Alltag? "Ich versuche, meinen Enkeln keine Angst zu machen vor dem Klimawandel. Einmal dachte ich, ich hätte eine gute Idee, wie ich sie an die Natur heranführen kann: Wir pflanzten Pflanzen, von denen sich Schmetterlinge ernähren. Aber ich habe nicht gemerkt, dass ich ihnen dabei das Problem aufzeige, dass die Schmetterlinge verschwinden. Denn damals, vor sechs oder sieben Jahre, konnten wir viel mehr Schmetterlinge sehen, jetzt sehen wir kaum noch welche. Also habe ich aufgehört, darüber zu reden." Er schmunzelt. Seine Enkel sind auch ein Grund, wieso er seine Karriere über den Haufen warf. "Ich möchte nicht, dass meine Enkel sagen: 'Opa wusste, was los ist, aber er hat nicht versucht, darüber aufzuklären'. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe, darüber zu kommunizieren. Und ich dachte, es würde einfach werden. Aber es ist nicht einfach."

Am vierten Tag der Verhandlungen ist seine Empfehlung, auf eine komplett kohlenstofffreie Energie zu setzen, in weiter Ferne - genauso wie das Erreichen des 2-Grad Ziels. Selbst, wenn jeder Staat die freiwilligen Klimaziele, die er vor der Klimakonferenz veröffentlicht hat, später tatsächlich einhält, steuert die Erde laut Studien nicht auf eine Klimaerwärmung von 1,5 oder 2 Grad, sondern von 2,7 Grad zu.