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Kluge Köpfe

Dr. Ionela Vrejoiu, Rumänien

Ionela Vrejoiu wurde in Bukarest, Rumänien geboren. Dort hat sie Physik studiert. Ihren Doktor machte sie in Österreich. Seit Januar 2005 arbeitet sie am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle.

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In ihrer Forschung sucht Ionela Vrejoiu nach neuen Materialien für Speicher-Chips in Computern. Um diese Chips aus einzelnen Atomen aufzubauen, benutzt sie einen sogenannten gepulsten Laser. Mit Hilfe dieses Lichtstrahls kann sie fehlerfreie, ultra-dünne Materialschichten herstellen.

Ionela Vrejoiu kam als Spezialistin für gepulste Laser ans Max-Planck-Institut. Während ihrer Arbeit in Rumänien und Österreich hatte sie mit der Technik umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Heute arbeitet sie daran, diese Technik an ihrem Institut zu etablieren und zu verbessern. Als nächstes dann, so hofft sie, will sie endlich Speicher-Chips herstellen.

Ionela Vrejoiu im Interview bei PROJEKT ZUKUNFT:

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Speicher-Chips für Computer sind eigentlich Stand der Technik. Was erwarten Sie von neuen Materialien und neuen Speichern?

Ich nehme an, jeder hat einen Computer zu Hause. Und es ist lästig, wenn plötzlich der Strom weg ist und wichtige Daten verloren gehen. Was wir versuchen, ist, dauerhafte Speicher zu entwickeln. Wenn dann der Strom ausfällt, sind Ihre Daten sicher geschützt. Sie starten ihren Computer neu - und alle Daten und E-Mails sind noch vorhanden. Und das macht das Leben doch einfacher.

Wie kamen Sie zu Ihrer Karriere als Physikerin?

Zu einem großen Teil sind meine Lehrer in Rumänien daran schuld. Als ich noch ein Kind war, haben die Lehrer viel von uns verlangt. Wir mussten hart lernen. Meine Mathematik- und Physiklehrer haben eine Menge Freizeit investiert, um uns zu unterrichten und unsere Begabungen zu fördern. Natürlich muss man dabei die Kinder auswählen, die Interesse zeigen und Talent haben. Aber abgesehen davon braucht man viel Anregung und muss viel Arbeit investieren. Und meine Lehrer haben mich immer zur Arbeiten angetrieben und ermutigt.

Als Kind habe ich mich schon immer damit beschäftigt, mathematische und physikalische Probleme zu lösen. Und auf dem Gymnasium habe ich dann an landesweiten rumänischen Physikwettbewerben teilgenommen. Mit 17 Jahren war mir dann klar: ich wollte Physik an der Universität studieren. Es war keine bewusste Entscheidung, eher eine innere Stimme, die mich getrieben hat und gesagt hat: los, versuch's mal.

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In Deutschland ist Physik kein klassisches Frauenfach. Ist das in Rumänien anders?

In Rumänien werden alle Kinder gleichermaßen gefördert. Ob Junge oder Mädchen macht da keinen Unterschied. Auf der Universität, am Institut für Physik, gibt es viele Mädchen, ich denke, der Anteil ist halbwegs ausgeglichen, vielleicht 30 oder 40 Prozent. Und einige von den jungen Frauen sind wirklich brilliant. Vielleicht wird man in Rumänien mehr ermutigt, Physik zu studieren. Physik hat bei uns nicht dieses Image von unverständlich oder unerreichbar.

Und jetzt bei der Arbeit – wie ist das Leben als Wissenschaftlerin?

In der Wissenschaft ist es generell nicht einfach. Du musst mit Enttäuschungen klarkommen, manchmal scheiterst Du. Du kannst auch nicht einfach abschalten. Du gehst nicht nach Hause und sagst: Ich denke jetzt nicht mehr darüber nach - Du kannst einfach nicht aufhören nachzudenken. Du denkst an deine Probleme und deine Fehler: was lief falsch, was sollte ich anders machen - Du hast also nicht viel Zeit für Dich selbst. Eine Frau hat es da manchmal besonders schwer. Vor allem, wenn sie Kinder hat, die zu Hause auf sie warten. Dann ist es nicht immer leicht, beides gleich gut zu bewältigen.

Was tun Sie so, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich lese sehr gerne - alles Mögliche: Literatur, Romane, auch Studien oder Essays - nicht besonders systematisch. Aber wenn ich ein interessantes Buch empfohlen bekomme, fange ich gleich an zu lesen.

Doch ich muss gestehen: Ich bin keine sehr treue Leserin. Ich habe keinen Lieblingsautor. Aber ich kann die Schriftsteller würdigen und genieße es, sie zu lesen. In letzter Zeit habe ich ein paar Romane gelesen, einige von Hermann Hesse, einem großen deutschen Schriftsteller: Demion - ein sehr interessantes Buch, vor allem für junge und rebellische Menschen...

... mögen Sie Rebellen ... ?

Sie bringen Veränderungen, sie sind eine Quelle des Fortschritts. Sie ändern die Welt.

Und außer Lesen?

Ich höre gerne Musik, klassische Musik. Zur Zeit höre ich zu Hause viele CDs von Bach. Und ich gehe auch gerne in Konzerte. Es gibt hier in Halle ein sehr gutes Philharmonisches Orchester. Manchmal fahre ich sogar zu den Konzerten nach Leipzig.

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Ausserdem mache ich gerne Sport. Ich laufe, fünf Kilometer im Durchschnitt, schätze ich. Ich mag das Gefühl nach dem Laufen. Während des Laufens ist es sehr mühsam, Du musst mit Dir um jeden Kilometer ringen - das ist nicht immer angenehm. Aber nach dem Laufen, da fühlst Du Dich so gut – das ist fast wie eine Sucht.

Schauen wir in die Zukunft: Was sind Ihre nächsten Pläne für die Karriere?

Ich plane meine Zukunft nicht so sorgfältig. Ich lasse die Gelegenheiten auf mich zukommen. Man weiß nie, wann was als Nächstes geschieht. Natürlich habe ich viel in meine Ausbildung investiert, und ich will mich auch noch weiterentwickeln - meine Karriere soll natürlich weitergehen. Deshalb würde ich als Nächstes gerne eine Gruppe zusammenstellen und leiten, mit der ich meine Forschung weitertreiben kann.

In Deutschland?

Um hier zu bleiben, muss man eine Festanstellung oder einen Job angeboten bekommen, einen unbefristeten Vertrag. Den habe ich aber zur Zeit nicht. Aber ich muss auch nicht unbedingt in Deutschland bleiben. Ich fühle mich eigentlich in ganz Europa wohl.

Also planen Sie nicht, in Halle zu bleiben?

Nicht wirklich. Ich lebe in einem Gästehaus und habe keine eigene Wohnung, die ich nach meinem Geschmack einrichten kann, in der ich mich zu Hause fühle. Das hängt damit zusammen, dass ich nur befristet hier bin. Ich weiß also nie genau, wann ich wieder gehe.

Ich mag Halle. Es hat an manchen Stellen schöne Architektur, es liegt schön am Ufer der Saale. Und der Park hier ist im Sommer großartig. Es gibt so viel Natur, man sieht hier wilde Tiere, die man nie erwartet hätte. Plötzlich taucht da ein Hase vor Dir auf oder ein anderes Tier. Es ist ein guter Ort, um zu studieren und genau das zu tun, was ich hier tun will: meine eigene Ausbildung weiterbringen. Aber ich lebe ja nicht nur hier, ich reise sehr viel und fahre oft nach Hause, nach Rumänien.

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Was ist es, das eine erfolgreiche Wissenschaftlerin ausmacht?

Ich glaube, da gibt es nichts Besonderes. Man muss einfach immer offen sein und nicht zu penibel. Die Dinge sind überall gut und schlecht. Man sollte einfach eine ausgeglichene Persönlichkeit sein. Ich bin eine Frau, die letztendlich Dinge verbessern möchte - ein wenig eine Perfektionistin. Das ist manchmal nicht so gut, weil man dann die Dinge übertreibt.

Aber in der Forschung muss man so gut wie eben möglich arbeiten und immer wieder die Grenzen ausweiten. Und das gefällt mir, das ist meine Art. Es sind die Herausforderungen und die Gehirnarbeit. Wenn Du an einem Problem arbeitest, musst Du all Dein Wissen und all Deine Erfahrung zusammentragen, um es zu lösen. Und es ist wirklich ein gutes Gefühl, wenn Du es dann schaffst.

Interview: Mabel Gundlach

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