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Europa

Downing Street 10: Die Kandidaten im Check

Die britische Politik ist seit dem Brexit-Votum aus den Fugen geraten. Nachdem Premierminister David Cameron seinen Rücktritt angekündigt hatte, suchen die Tories nun einen Nachfolger. Eine Vorstellung der Kandidaten.

Eigentlich kommt an Bo-Jo, wie die britische Boulevardpresse Boris Johnson nennt, derzeit niemand vorbei - weder die Medien, noch seine eigenen Parteifreunde. Nach dem Votum für den EU-Austritt galt der Brexit-Wortführer und ehemalige Londoner Bürgermeister mit dem unkonventionellen Politikstil als logische Nachfolge für David Cameron.

Doch kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist erklärte Johnson, er verzichte auf die Kandidatur um den Posten des Premierministers. Damit bleiben den Tories fünf Kandidaten:

Theresa May: Die neue 'Eiserne Lady'

Ein nüchterner Politikstil und deutliche Worte - die amtierende Innenministerin erinnert manchen Briten an Margaret Thatcher, die 'Eiserne Lady' der 1980er Jahre. May stilisiert sich selbst als Politikerin, die mit den Widrigkeiten des Alltags umgehen kann.

Großbritannien Theresa May (Foto: DPA)

Therea May

Unter ihrer Führung werde die Regierung ein "radikales Programm der Sozialreformen" angehen, um "Großbritannien zu einem Land zu machen, das nicht nur für die Privilegierten, sondern für jeden funktioniert", kündigte die 59-Jährige an. In der Einwanderungspolitik profiliert sich die Remain-Befürworterin als Verfechterin einer harten Linie.

In den Reihen der Tories ist die Politikerin auch für eine Rede aus dem Jahr 2002 bekannt, in der sie die konservative Partei als "nasty party" bezeichnete. Obwohl sie in Korruption versunken und in Fehden verstrickt sei, zeige die Partei noch immer keine Reue und sei "schlicht unattraktiv", erklärte May damals.

Stephen Crabb (Foto: Getty Images)

Stephen Crabb

Stephen Crabb: Der junge Aufsteiger

"Ich will diesen Hut aufhaben", kündigte auch der Rentenminister aus Camerons Kabinett an. Der 43-jährige Stephen Crabb pflegt ein anti-elitäres Image. Vielen gilt er als Repräsentant der Arbeiterklasse, weil er von seiner alleinerziehenden Mutter in einer Sozialwohnung aufgezogen wurde.

Als künftiger Vorsitzender der Tories wolle er die "Boris-Zweiteilung" überwinden, erklärte der "Remain"-Verfechter mit Blick auf den Brexit-Unterstützer Boris Johnson. Als gebürtiger Schotte mit walisischer politischer Vergangenheit betonte Crabb außerdem die Notwendigkeit, das Vereinigte Königreich nach dem Ergebnis des Referendums zusammenzuhalten.

Crabbs Bewerbung um Camerons Nachfolge startete etwas holprig, als Journalisten ihn nach seiner Antrittsrede aufforderten, seine Position zu Homosexualität zu erklären. Vor drei Jahren stimmte der konservative Politiker gegen das Gesetz, das inzwischen die gleichgeschlechtliche Ehe in Großbritannien erlaubt. Dazu kommt seine Verbindung zu der christlichen Organisation Care, die "Heilmittel" für Homosexualität anbietet. Crabb rekrutierte regelmäßig Praktikanten aus der Organisation.

Britischer Bildungsminister Michael Gove (Foto: CARL COURT/AFP/Getty Images)

Michael Gove

Michael Gove: Der Ersatz-Johnson

Einigermaßen überraschend kam die Kandidatur des britischen Justizministers Michael Gove. Der engagierte Brexit-Befürworter und ehemalige Verbündete Boris Johnsons erklärte in der britischen Zeitschrift "Spectator", Johnson sei nicht in der Lage sei, die notwendige Führerschaft zu übernehmen. Deshalb habe er sich entschieden, sich selbst zu bewerben. Der 48-Jährige hatte zuvor mehrmals angegeben, den Posten nicht anzustreben.

Gove war bis zu seinem Eintritt ins Parlament 2005 Journalist bei der "Times". Gemeinsam mit David Cameron und dem amtierenden Schatzkanzler George Osborne - beide enge Freunde von Gove - trieb er im Unterhaus die Modernisierung der Tories voran, die 2010 zu der Rückkehr der Konservativen an die Macht führte.

Mit seiner Positionierung für den Brexit habe Gove seine Beziehung zu Cameron zwar belastet, werde aber noch immer von Unterstützern beider Kampagnen respektiert, heißt es in Tory-Kreisen.

Großbritannien Michael Gove mit Ehefrau Sarah Vine (Foto: Getty Images/AFP/B. Stansall)

Liam Fox

Liam Fox: Der gefallene Außenminister

Er qualifiziere sich durch Erfahrung und Expertise, erklärte der 54-jährige Liam Fox. Das unterscheide ihn von seinem möglichen Kontrahenten Boris Johnson - beide positionierten sich lautstark für den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Fox wurde 2010 zum Außenminister in Camerons Kabinett berufen. Nach gut einem Jahr im Amt trat der Konservative zurück. Damals war rausgekommen, dass sein guter Freund Adam Werritty ihn auf insgesamt 18 Dienstreisen begleitet hatte. Auf seiner Visitenkarte wies sich Werritty zwar als offizieller Berater des Ministers aus - in Wahrheit war er allerdings als Lobbyist für die Rüstungsindustrie tätig.

Andrea Leadsom, rechts im Bild (Foto: Reuters)

Andrea Leadsom (rechts) bei einer BBC-Debatte

Andrea Leadsom: Der Star der Boulevardpresse

Mit Andrea Leadsom kündigte eine weitere vehemente Befürworterin des britischen EU-Austritts ihre Kandidatur an. "Lasst uns das Beste aus den Brexit-Möglichkeiten machen", schrieb sie auf Twitter.

Die ehemalige Bankerin wurde 2010 als Abgeordnete ins britische Unterhaus gewählt und nach den Wahlen im vergangenen Jahr zur Energieministerin berufen. Neben Boris Johnson nahm sie an vielen TV-Debatten über das EU-Referendum teil - die Boulevardzeitungen Großbritanniens bezeichnen sie daher als "strahlendes Licht" der Brexit-Kampagne. Kritisiert wurde Leadsom für ihre populistischen und teils rassistischen Äußerungen.

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