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Wirtschaft

Double Dip und Twin Deficit

"Double Dip" und "Twin Deficit" - besser als diese zwei Schlagworte kann man die derzeitige Unsicherheit an den Weltbörsen kaum auf den Punkt bringen. Und was heißt das konkret?

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Frankfurter Börse

Mit "Double Dip" bezeichnen Börsianer einen Rückschlag auf dem Weg der Erholung nach einer Rezession. Dabei verläuft die Konjunkturerholung sozusagen W-förmig. Eine wenig berauschende Aussicht, befänden wir uns doch derzeit auf dem zweiten, absteigenden Ast.

Gewinnwarnungen beuteln die Börse

Neue Munition erhielten die Skeptiker unter den Analysten und Anlegern durch die zahlreichen Umsatz- und Gewinn Warnungen renommierter Technologiefirmen. Nachdem am Dienstag (18. Juni 2002) nach Börsenschluss der Computerproduzent Apple, der weltweit zweitgrößte Chipfabrikant AMD und der Softwareriese Oracle den Anfang gemacht hatten, folgte am Mittwoch Nokia. Dabei hat der größte Mobilfunkhersteller die Börsen bereits zum dritten Mal in diesem Jahr mit einer Umsatzwarnung überrascht.

Höhenflug des Euro = Schwäche des Dollars

Während die "Double Dip"-Diskussion die Investoren schon seit längerem um ihren ruhigen Schlaf bringt, rückt das "Twin Deficit" erst Schritt für Schritt ins Bewusstsein der Anleger. Wer sich bisher vor dem Blick auf das doppelte Defizit - Leistungsbilanzdefizit und gleichzeitiges Haushaltsdefizit - gescheut hatte, dem öffnete der Höhenflug der Euro in dieser Woche die Augen.

Die europäische Gemeinschaftswährung legte kräftig zu und überschritt am Freitag Nachmittag sogar die Marke von 97 Cent - ein Zwei-Jahreshoch. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass man am Montag mit einem Euro gerade einmal etwas mehr als 94 US-Cent kaufen konnte. Noch einmal solch ein Zugewinn und die Parität zum Dollar ist wieder erreicht.

Milliardentiefes "Double Deficit" in den USA

Doch die Stärke des Euro ist eher eine Schwäche des Dollar. Am Mittwoch waren neue Details zum Defizit in der US-Leistungsbilanz bekannt geworden. Im ersten Quartal hat es mit 112,5 Milliarden Dollar einen Rekord erreicht. Eine gewaltige Summe, die etwa 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt. Die USA können diese Lücke nur durch entsprechende Kapitalzuflüsse aus dem Ausland ausgleichen. Das heißt, fremde Investoren müssen durch den Kauf von Aktien und Anleihen oder durch Auslandsinvestitionen Geld in die USA bringen.

Jedoch gesellt sich nun zu diesem Leistungsbilanzdefizit noch das Haushaltsdefizit der spendierfreudigen Regierung Bush. Aber wenn die Regierung mehr ausgibt als sie einnimmt, verursacht auch einen Kapitalbedarf. Sprich, die Regierung muss neue Schulden machen. Das Geld dazu kommt dabei entweder aus dem Inland - und fehlt dann den Privathaushalten für den Konsum oder den Firmen für ihre Investitionen - oder das Geld kommt aus dem Ausland.

Doppeltes Defizit bedeutet also doppelten Kapitalbedarf. Dabei sind Anlagen in US-Aktien nach dem Kurssturz an der Wall Street nicht gerade attraktiver geworden. Gleiches gilt nach den drastischen Zinssenkungen der amerikanischen Zentralbank in den vergangenen Monaten für den Kauf von US Anleihen.

Fremdfinanzierung ist gefährlich

US-Notenbankchef Alan Greenspan erinnerte in dieser Woche daran, dass während der vergangenen sechs Jahre bereits rund 40 Prozent des Wachstums der US-Kapitalanlagen durch ausländische Investitionen finanziert worden seien. Länder, die diesen Weg gegangen seien, hätten Probleme bekommen. So werde es auch den USA gehen, warnte Greenspan eindringlich.

Die Gefahr liegt im Verebben der Kapitalzuflüsse. Dann würde der Kurs des Dollar drastisch abwerten. Amerikanische Exporte würden attraktiver, Importe weniger lohnend, die Leistungsbilanz würde sich ausgleichen. Allerdings zum Preis fallender Aktienmärkte und eines dadurch eingeschränkten Konsums in den USA, da viele Amerikaner ihr Vermögen in Aktien angelegt haben.

Starker Euro - Schwache Exportwirtschaft

Der Euro konnte jedenfalls bereits von dieser Entwicklung profitieren und deutlich zulegen. Nicht unbedingt immer zur Freude der deutschen Firmen. Denn ein starker Euro verteuert die deutschen Exporte in die USA. Die am Tropf des US Markts hängenden Autofirmen wie BMW, DaimlerChrysler oder Volkswagen haben dies schon an ihren Aktienkursen zu spüren bekommen. Ebenso der Stahlkonzern ThyssenKrupp.

Flaute auf dem Technologiemarkt

Noch vor den Autowerten waren aber die Techniktitel die Hauptverlierer der Woche. Immer mehr Zweifel werden laut, ob die erhofften Wachstumsraten dieser Unternehmen tatsächlich weiter gehalten werden können. Damit wäre dann aber auch ihre höhere Bewertung als herkömmliche Unternehmen hinfällig. Wer braucht denn noch ein Mobiltelefon, wenn doch schon fast alle eines haben? Warum immer neue Computer mit immer noch schnelleren Prozessoren, wenn doch der jetzige schon die meisten Aufgaben gut erfüllt?

Telekom im Tal der Tränen

Die Deutsche Telekom hat eine rabenschwarze Woche erlebt. Trauriger Höhepunkt war das Allzeittief bei 9,34 Euro am Donnerstag. Am Freitag notierte die Aktie sogar zeitweilig unter 9 Euro. Sorgen bereitet den Anlegern der ernorme Schuldenberg von 67 Milliarden Euro.

"Hexensabbat" an der Deutschen Börse

Dazu kam in dieser Woche noch der so genannte Hexensabbat am Freitag (20. Juni 2002), der dreifache Verfallstag an der Deutschen Börse. Dabei enden Terminkontrakte wie Aktienoptionen, Indexoptionen und Indexfutures, also Wetten auf die zukünftige Kursentwicklung. Der Hexentanz hat diese unrühmliche Börsenwoche mit stark schwankenden Kursen enden lassen. Vielleicht ein Vorbote für die mit "Double Dip" und "Twin Deficit" aufziehenden Stürme an den Weltbörsen.