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Olympia

DOSB schafft Medaillenkorridor ab

Für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang soll es keinen Medaillenkorridor als Vorgabe für das deutsche Olympiateam geben. Die Vorsitzende des Sportausschusses zweifelt an der Durchsetzbarkeit.

Er war ständiger Quell für Hohn und Spott und beschäftigte sogar Gerichte - nun soll er verschwinden: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schafft den Medaillenkorridor ab. Breit gefächert diente die Prognose Verbänden und DOSB als Erfolgsmaßstab und Grundlage für Fördervereinbarungen. Für die Olympischen Winterspiele im kommenden Jahr in Pyeongchang wird es den Medaillenkorridor nicht mehr geben. Dies bestätigte DOSB-Sportvorstand Dirk Schimmelpfennig dem Sportinformationsdienst. "Für uns ist der Ansatz, dass man den Leistungssport nicht auf Medaillen reduzieren sollte", so der 54-Jährige Schimmelpfennig, der 2018 in Südkorea erstmals als Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft fungieren wird. Er wird Nachfolger von Michael Vesper, der das Team zuletzt bei den Sommerspielen 2016 in Brasilien als Chef de Mission begleitet hat.

Leistung wichtiger als Podestplätze

Einen Widerspruch zur Zielstellung der neuen Spitzensportreform, die vorgibt, "Erfolgspotenziale für Podiumsplätze (...) zu erkennen und gezielter zu fördern", sieht Schimmelpfennig nicht. "Selbstverständlich bleibt es dabei, dass wir Medaillen gewinnen wollen. Aber wir freuen uns auch über Weltklasseleistungen, die sich im unmittelbaren Umfeld der Podestplätze bewegen, oder über Athleten, die ihre Bestleistung erreichen. Die Prognose einer Medaillensumme ist für den Erfolg der einzelnen Athletinnen und Athleten unerheblich."

Brasilien Olympische Spiele 2016 - Medaillen Produktion in Rio de Janeiro (Reuters/S. Moraes)

In Rio das "Minimalziel" erreicht: 42 Medaillen

Bei den Winterspielen 2014 rechnete der DOSB mit den Verbänden einen Zielkorridor von 27 bis 42 Medaillen aus, am Ende gewann die Mannschaft nur 19. In London 2012 wurde der Medaillenkorridor sogar zum Politikum, die Klage von Journalisten zwang den DOSB erstmals zur Herausgabe aller Zahlen. Die Vereinbarungen für London spiegelten nicht ansatzweise die Realität wider: 28 Olympiasiege und 86 Medaillen sah die Prognose in Summe vor, am Ende standen elf Olympiasiege und 44 Medaillen. 2016 in Rio wurde zumindest der untere Rand des Zielkorridors (42 bis 71 Medaillen) mit 42 Medaillen erreicht.

Widerspruch zur Spitzensportreform

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, reagierte zunächst zurückhaltend. "Es ist schön zu hören, dass künftig zur harten Währung in den Zielvereinbarungen nicht nur die Medaillen zählen sollen", erklärte Freitag. "Mit Blick auf die Vergangenheit fehlt mir allerdings der Glaube, dass dieses tatsächlich das letzte Wort ist. Zumal die Spitzensportreform eindeutig Medaillenpotenziale als klare Zielstellung definiert. Insofern bin ich sehr gespannt, wie der DOSB das in Zukunft handhaben will."

mf/sw (sid)