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Sport

DOSB: "Null-Toleranz-Politik beim Doping"

Die brisante Studie zum Thema Doping in Deutschland müsse genau analysiert werden, bevor es Konsequenzen geben könne, erklärt DOSB-Sprecher Christian Klaue im DW-Interview. Sorgen machen müsse sich niemand.

Christian Klaue, Pressesprecher DOSB. (Foto: Peter Kneffel, dpa)

Christian Klaue

Nach einer Untersuchung der Berliner Humboldt-Universität soll es auch in der alten Bundesrepublik ein Dopingsystem gegeben haben. Ehemalige Spitzenpolitiker wie Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher bestreiten das. Das Innenministerium verspricht baldige Aufklärung. Initiator der Studie war der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Warum die Ergebnisse lange nicht veröffentlicht worden sind, erläutert DOSB-Sprecher Christian Klaue im Interview mit der Deutschen Welle.

DW: Wann und warum haben Sie diese Studie in Auftrag gegeben?

Christian Klaue: Kurz nach der Gründung des DOSB im Jahre 2006 ist die Studie initiiert worden, weil der DOSB sagt, die Beschäftigung mit unserem Erbe, auch mit der Doping-Vergangenheit ist Teil unserer Null-Toleranz-Politik gegen Doping und im Jahr 2008 ist es dann soweit gewesen.

Wann liegt Ihnen der Abschlussbericht vor?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, wann der uns vorliegen wird, weil er vom BISp [Anmerkung der Redaktion: Bundesinstitut für Sportwissenschaft] an uns und an das Bundesinnenministerium weitergeleitet wird. Momentan kennen den Abschlussbericht in seiner ursprünglichen Form nur Mitglieder des DOSB in dem so genannten wissenschaftlichen Beirat. Die mussten aber eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben. Von daher können sie momentan noch nicht öffentlich darüber reden.

[Anmerkung der Redaktion: Der Bericht ist mittlerweile nach einer Ankündigung des Bundesinnenministeriums überraschend im Internet veröffentlicht worden.]

Das Symbolfoto zeigt eine Spitze mit einem Tropfen. (Foto: Patrick Seeger dpa/lsw)

Wer wusste über das Doping im Westen Deutschlands Bescheid?

"Vieles ist nicht ganz neu"

Irgendwer hat aber geplaudert, die Süddeutsche Zeitung hat aus dem Bericht zitiert. Sind Sie überrascht, welche Wellen der Bericht geschlagen hat?

Vieles von dem, was jetzt zu lesen war, ist ja nicht ganz neu. Es gab ja auch vorher Forschungen, wo ja vieles von dem, was jetzt auch in der Zeitung steht, schon enthalten gewesen ist. Die Studie trägt ja den Namen "Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation". Das heißt, das Ziel der Studie ist es, einzuordnen und zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. Von daher wird es interessant sein, die ganze Studie zu lesen, damit man dann auch sieht, wie die Wissenschaftler das einordnen und die sich daraus ergebende wissenschaftliche Diskussion zu hören. Wir erwarten beispielsweise noch den Untersuchungsbericht der Kommission der Uni Freiburg. Da muss man mal sehen, wie diese Kommission das, was dort geschehen ist, bewertet.

Also die Ergebnisse überraschen nicht, weil sie bereits die ganze Zeit bekannt waren?

Es ist jetzt keine Frage von Überraschung oder nicht. Sondern es geht darum, dass man jetzt Ergebnisse auf dem Tisch hat, die der wissenschaftlichen Gruppierung zur Diskussion gestellt werden. Dann muss man politisch schauen, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Der DOSB wird die Studie genau analysieren und dann seine Konsequenzen daraus ableiten.

Warum hat es so lang gedauert, bis sich der organisierte Sport überhaupt mit der Aufarbeitung befasst hat?

Es gab vielfach Kommissionen, die sich intensiv mit der Doping-Vergangenheit befasst haben. Zum Beispiel die Richthofen-Kommission Anfang der 90er Jahre. Aber jetzt nach Gründung des DOSB, der wohlgemerkt erst 2006 gegründet worden ist, hat Thomas Bach diese Studie angeregt. Und jetzt haben wir die Ergebnisse bald hoffentlich auf dem Tisch.

"Es gab keine Verzögerungstaktik"

Gibt es in Sachen Dopingaufarbeitung zweierlei Maß zwischen Ost- und Westdeutschland?

Es ist natürlich so gewesen, dass in Ostdeutschland ganz andere Aktenbelege vorlagen. Da gab es die Staatssicherheit und ganz andere Akten, in denen die Dinge ganz anders dargelegt worden sind. Das gibt es im Westen nicht. Und deshalb war es ja auch das Ziel, diese Studie zu initiieren und dann mit den schon vorhandenen Ergebnissen gutes Material zur Verfügung zu haben.

Es ist aber trotzdem der Eindruck entstanden, es hat eine Verzögerungstaktik gegeben, die Ergebnisse sind da, sind aber noch nicht veröffentlicht. Es gab am Anfang datenschutzrechtliche Bedenken, jetzt sollen aber die Namen veröffentlicht werden. Wer muss sich jetzt Sorgen machen?

Sorgen machen muss sich jetzt niemand. Es gab auch keine Verzögerungstaktik, um den noch einmal klar zu widersprechen. Es ist vielmehr so gewesen, dass die Studie, nachdem der Abschlussbericht vorgelegt worden ist – ich meine, das war im April 2013 – vom BISp, vom wissenschaftlichen Beirat geprüft und an den Bundesdatenschutzbeauftragten gegeben worden ist. Der hat dann seinerseits drübergeguckt. Jetzt steht die Freigabe unmittelbar bevor und damit auch die Veröffentlichung.

Das Interview führte Olivia Fritz.

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