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Ruhrgebiet

Dortmund räumt riesigen Hochhauskomplex

Wegen Brandschutzmängeln haben die Behörden kurzerhand einen Wohnkomplex evakuiert. 800 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Nach dem verheerenden Hochhausbrand in London wird überall genauer geprüft.

Die Sicherheitsmaßnahme diene dem Schutz der Mieter und sei unumgänglich, teilte die Stadt mit. Bei einem Brand in dem riesigen Komplex könne sich Rauch gefährlich schnell ausbreiten. Außerdem fehlten Rettungswege. In dem riesigen Wohnkomplex wohnen viele sozial schwache Familien.

Viele Bewohner verließen das Gebäude schon am Nachmittag, als sich die Nachricht von der Evakuierung herumsprach. Zeitweise standen mehr als 100 Menschen draußen rund um das Haus und warteten auf Unterstützung. Viele hatten die nötigsten Habseligkeiten in Rucksäcke und Taschen gepackt.

Notquartier Sporthalle

Am Donnerstagabend begannen Teams von Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der Polizei, durch den Wohnkomplex Hannibal II zu laufen und an die Türen zu klopfen. Vor dem riesigen Hochhaus standen Busse bereit, die die anwesenden Bewohner zu einer Leichtathletikhalle fahren sollten. Die Halle solle 48 Stunden als erstes Notquartier für Menschen dienen, so die Dortmunder Feuerwehr. Danach sollten sie auf andere Unterkünfte verteilt werden.

Die Räumung des Wohnkomplexes wurde von der Feuerwehr begleitet(picture-alliance/dpa/M. Kusch)

Die Räumung des Wohnkomplexes wurde von der Feuerwehr begleitet

In der Halle wurden rund 500 provisorische Schlafstätten hergerichtet. Für Familien gab es einen eigenen Bereich. Mehrere hundert Helfer waren im Einsatz. "Wie lange das Gebäude evakuiert bleiben muss, kann derzeit nicht sicher beantwortet werden", sagte der Leiter des Krisenstabes, Ludger Wilde.

Aufwendiger Umbau

Bevor die Bewohner in ihr Zuhause zurückkehren könnten, sei ein erheblicher Umbau notwendig. Das werde wohl einige Monate dauern. Nach den letzten Baumaßnahmen des Eigentümers habe der Hochhauskomplex seine Brandschutzgenehmigung verloren.

In einer Sporthalle werden Feldbetten für die Bewohner der geräumten Wohnsiedlung aufgestellt(picture-alliance/dpa/I. Fassbender)

In einer Sporthalle werden Feldbetten für die Bewohner der geräumten Wohnsiedlung aufgestellt

Laut Stadt gibt es keine ausreichende Trennung zwischen dem Parkdeck im Untergeschoss und den Wohnungen. Durch Schächte mit direkter Verbindung nach oben könne sich tödlicher Rauch bei einem Brand schnell ausbreiten. Auch gebe es keine ausreichenden Rettungswege. "Unmittelbares Handeln ist erforderlich", betonte Wilde.

Zuvor Räumung in Wuppertal

Eigentümer des Gebäudes ist die Intown GmbH - jenes Unternehmen, dem auch das vor einigen Wochen wegen Brandschutzmängeln geräumte Hochhaus in Wuppertal gehört. Das bestätigte eine Firmensprecherin. Intown kritisiert das Vorgehen der Stadt Dortmund: "Erstmals heute haben wir von den detaillierten Brandschutzbedenken und baurechtlichen Themen Kenntnis erhalten und keinerlei Zeit für eine Reaktion in der Sache gehabt", erklärte Intown-Chef Sascha Hettrich. Die Maßnahme der Stadt sei nicht rechtens und unangemessen.

Die von der Stadtverwaltung genannten Mängel hätten nach seiner Auffassung auch mit anderen Maßnahmen vermieden werden können - mit einer Räumung der Tiefgarage, mit Brandwachen und einer Prüfung der Entrauchungsanlage . Man wolle weitere Brandsachverständige hinzuziehen. "Ziel unsererseits ist die zügige Mängelbehebung und der Wiederbezug der Wohnungen durch die Mieter."

In Wuppertal hatte die Stadt den verheerenden Hochhausbrand des Grenfell Towers in London mit mindestens 81 Toten zum Anlass genommen, das Brandrisiko von Häusern neu zu bewerten. Daraufhin wurde das Intown-Hochhaus mit 86 Wohnungen im Juni innerhalb kürzester Zeit geräumt. Die Bewohner durften erst zurückkehren, als das Unternehmen einen Monat später Teile der brennbaren Kunststoff-Fassade entfernt hatte.

"Dramatisch Situation"

Wer die Kosten für die Evakuierung in Dortmund übernimmt, sei keine vordringliche Frage, sagte Wilde. "Jetzt geht der Mieterschutz vor." Der Mieterverein Dortmund bezeichnete die Räumung als "dramatisch". In dem Gebäude seien Instandhaltungsmaßnahmen vernachlässigt worden, kritisierte Geschäftsführer Rainer Stücker.

Bei dem Feuer im Londoner Grenfell Tower waren im Juni mindestens 79 Menschen ums Leben gekommen. Die Flammen hatten sich rasend schnell über die Fassade des Hochhauses ausgebreitet.

cgn/jj (afp, dpa)