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Reise

Dorf im Kongo wird Touristenattraktion

Es gibt keinen Strom und nur 500 Einwohner in dem kongolesischen Dorf Makwatsha. Trotzdem wurde der abgelegene Ort zu einer kleinen Touristenattraktion - dank der traditionellen Wandmalereien der Frauen.

In der Trockenzeit verschönern die Frauen des südkongolesischen Dorfes Makwatsha ihre Hütten mit Wandmalereien. Vor allem Besucher aus China sind davon fasziniert. Sie kommen nach Makwatsha, um sich die mit Alltagsszenen, Blumen und Schmetterlingen bemalten Fassaden anzusehen.

Kongo | Wandmalerei in Makwatsha (AFP/Getty Images)

Prosperine Mwelwa (rechts) vor einer Hütte ihres Dorfes

"Als Farben verwenden wir nur Erde", erklärt die 60-jährige Prosperine Mwelma mit lehmverschmierten Händen. Sie trägt ein Gewand in leuchtendem Blau und Gelb: "Um Rosa zu finden, müssen wir graben."

Bekannt wurden die Wandbilder durch den Direktor eines französischen Kulturinstituts, der sie auf einer Urlaubsreise entdeckte. Zusammen mit einem lokalen Reiseveranstalter sorgte er dafür, dass das Dorf touristisch entdeckt wurde. 2014 organisierte er sogar eine Einladung für einige der Künstlerinnen nach Paris, wo sie acht Werke auf Leinwand für insgesamt 52.600 Euro verkauften.

"Allein hätten wir das nicht geschafft", betont Jean-Pierre Kabaso, Ortsvorsteher von Makwatsha. Die Maltradition könnte künftig eine wichtige Einkommensquelle sein, hofft der 52-Jährige: "Andere Projekte sind in Arbeit, darunter Pläne für eine Ausstellung in Washington." 

Geschäftsreisende werden zu Kulturtouristen

Kongo | Wandmalerei in Makwatsha (AFP/Getty Images)

Schmetterlinge und Blüten schmücken die Fassaden

Makwatsha liegt etwa 40 Kilometer von der Provinzhauptstadt Lubumbashi entfernt. In der Millionenstadt sitzt der einzige Reiseveranstalter der Region in seinem dunklen Büro – hier gibt es zwar Strom, aber der fällt oft aus. Isaac Sumba Maly betreibt die Reiseagentur Palma Okapi. Gerade bereitet er den Besuch einer chinesischen Reisegruppe vor. Von dort strömen immer mehr Geschäftsreisende in den Kongo, vor allem in die Provinz Haut-Katanga mit der Stadt Lubumbashi und ihren zahlreichen Kobalt- und Kupferminen. In ihrer Freizeit machen viele der Reisenden Ausflüge. So kommen sie auch nach Makwatsha. Hier besichtigen sie die Wandmalereien und begleiten die Dorfbewohner bei der Beschaffung des Lehms, mit dem die Farben hergestellt werden. Dabei kommen sie miteinander ins Gespräch. 

Reiseveranstalter im Kongo: ein harter Job

Kongo | Wandmalerei in Makwatsha (picture alliance / AA)

Die Frauen nutzen ausschließlich natürliche Pigmente

Jährlich besuchen etwa einhundert Touristen diese entlegene Ecke des Landes, die meisten davon kommen aus China, einige auch aus Belgien und Frankreich. Nun hat Reiseveranstalter Maly - zusammen mit Tourismus- und Hotelschulen sowie den örtlichen Medien - ein Malfestival ins Leben gerufen, um einmal im Jahr die Werke der Frauen auszustellen. Maly plant außerdem in diesem Jahr eine Reise nach China, um einen Vertrag mit einem privaten Unternehmen auszuhandeln, das seine Angestellten zum Urlaub nach Lubumbashi schicken möchte.

Doch Reisen in den Kongo zu verkaufen, ist hartes Brot: "Der Kongo hat ein schlechtes Image wegen der Sicherheitslage", sagt Maly. In einigen Regionen kämpfen bewaffnete Milizen gegen Regierungskräfte, was viele ausländische Gäste von einem Besuch des riesigen zentralafrikanischen Landes abschreckt. Die politische Krise verschärfte sich noch, als Präsident Joseph Kabila nach Ablauf seiner Amtszeit nicht abtreten wollte. Nun sollen Ende des Jahres Wahlen stattfinden.

Reiseveranstalter Maly im Süden des Kongo betrachtet die Größe seines Landes als einen Vorteil: "Wenn im Norden Krieg ist, ist das tausende Kilometer von hier entfernt! In Israel gibt es auch Angriffe und Bomben - und trotzdem besuchen tausende Touristen das Land."

Kunst aus dem Kongo ist ein beliebtes Souvenir

Kongo | Wandmalerei in Makwatsha (picture alliance / AA)

Die Bilder spiegeln den Alltag der Dorfbewohner

Bei Touristen begehrt sind auch Skulpturen aus grünem Malachit, die in der Altstadt von Lubumbashi entstehen - unter dem ohrenbetäubendem Lärm von Elektrosägen. Steinbildhauer stellen aus dem Mineral Nashorn- oder Löwenfiguren her, die vor allem chinesische Touristen als Souvenirs schätzen. "Sie bestellen große Stücke, wie etwa mehrere Meter lange Krokodile, die sie nach China mitnehmen", erzählt Steinbildhauer Stanis Chansa.

Unerschrockene Touristen, die die Reise in die Provinz Haut-Katanga wagen, hinterlassen jedenfalls bei den Einwohnern einen bleibenden Eindruck: "Die internationalen Touristen machen den Kongolesen oft erst klar, wie schön ihr Heimatland eigentlich ist", berichtet Eric Monga vom örtlichen kongolesischen Handelsbund.

ric/jah/cd/ks (afp)