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Asien

Doppeltes Gedenken in Bangkok

Das Herz der Hauptstadt kannte am Sonntag nur eine Farbe: Thailands Rothemden sind erneut in Massen auf die Straße gegangen. Auch in anderen Provinzen fanden Demonstrationen statt.

An der Ratchaprasong-Kreuzung versammelten sich am 19. September bis zu 10.000 Rothemden (Foto: Holger Grafen / DW)

An der Ratchaprasong-Kreuzung versammelten sich am 19. September bis zu 10.000 Rothemden

Mit roten Rosen, Luftballons, Kerzen sowie ohrenbetäubendem Lärm machten sie ihrem Frust Luft: Bis zu zehntausend Demonstranten waren zur Ratchaprasong-Kreuzung inmitten der Hauptstadt geströmt. Und das trotz des weiterhin herrschenden Ausnahmezustands in Bangkok und verschärfter Sicherheitsvorkehrungen. Für den Gedenksonntag gab es doppelten Anlass: Es war der vierte Jahrestag des Militärputsches gegen den damaligen Premier Thaksin Shinawatra. Und es war genau vier Monate her, dass Thailands Armee die roten Massenproteste gewaltsam beendet hatte.

Aktivist Sombat Boonngamanong mit Luftballons (Foto: Holger Grafen / DW)

Aktivist Sombat Boonngamanong mit Luftballons

Der Aktivist Sombat Boonngamanong organisiert schon seit Wochen friedliche Demos in kleinen Gruppen, er hatte auch zu der jüngsten Kundgebung aufgerufen. Bereits im Laufe des Vormittags strömten die Menschen in Scharen herbei. Von diesem Andrang war Sombat, der alle gebeten hatte, am späten Nachmittag zu kommen, völlig überrascht: "Das sind mehr Leute, als ich erwartet habe, und es ist gerade einmal ein Uhr mittags." Für ihn ist klar: "Wir sind längst wieder da." Den Roten war zur Auflage gemacht worden, keine Straßen zu blockieren. Das geschah dann doch, aber unbeabsichtigt: Es wurde so voll, dass der Verkehr zeitweise zusammenbrach.

Friedliches Festival nach außen - Wut und Trauer nach innen

Auch wenn die Proteste nach außen hin wie ein Festival wirkten – immer wieder wurden ärgerliche und frustrierte Bemerkungen über Regierung und Militär laut. Viele hier sind traumatisiert. Immerhin kosteten die schweren Unruhen vom April und Mai mindestens 91 Menschen das Leben. Die meisten Opfer waren Rothemden beziehungsweise unbewaffnete Zivilisten. Aber auch Soldaten und zwei ausländische Journalisten waren unter den Toten. Fast 2.000 Menschen wurden verletzt.

Flash-Galerie Thailand Proteste

Ein junger Mann, der seinen Namen mit Boert angibt, war einer der roten, unbewaffneten Demonstranten – auf seiner rechten Gesichtshälfte prangt seit dem 10. April ein dicker weißer Verband: "An jenem Abend wurde Tränengas aus Hubschraubern abgeworfen. Daraufhin habe ich versucht, mir mein Gesicht zu reinigen", erinnert sich Boert. "Dann hat ein Soldat ein Gummigeschoss in meine Richtung abgeschossen, dadurch habe ich mein rechtes Auge verloren."

Proteste gegen Militärputsch vor vier Jahren

Gleichzeitig protestierten die Rothemden auch gegen den Militärputsch vom 19. September 2006. Durch diesen war der damalige Premier Thaksin Shinawatra gestürzt worden. Die tiefe politische Spaltung des Landes betrachten viele als Folge des Staatsstreiches. Jung und alt kamen an diesem Protestsonntag zusammen. Studentengruppen hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie "Keine Diktatur mehr in Thailand!" und "Ein Putsch ist eine Sackgasse!"

"Die jetzige Regierung ruiniert das Land durch Ungerechtigkeit und Doppelmoral", sagt ein älterer Mann, der vor kurzem in den Ruhestand gegangen ist. "Die einstige Regierung von Thaksin Shinawatra wurde gestürzt, dabei war sie aus Wahlen hervor gegangen. Bei der jetzigen Regierung aber ist das nicht der Fall; das Militär brachte sie sogar mit an die Macht."

Wieder Forderung nach Neuwahlen

Studenten demonstrieren für Demokratie in Thailand (Foto: Holger Grafen / DW)

Studenten demonstrieren für Demokratie in Thailand

Nicht alle Rothemden, die gegen den Putsch protestierten, sind Anhänger von Ex-Premier Thaksin Shinawarta. Allerdings sind sie überhaupt nicht damit einverstanden, dass sich das Militär durch die Entmachtung des umstrittenen damaligen Regierungschefs wieder einmal in die Politik des Landes eingemischt hatte. Thaksin müsse auch nicht unbedingt zurückkommen, findet ein Geschäftsmann. Aber die jetzige Regierung unter Premier Abhisit Vejjajiva müsse Neuwahlen ausrufen lassen. "Wir sind die Mehrheit in der Bevölkerung, und daher glauben wir fest daran, dass wir im Falle von Wahlen die Regierung bekommen, die wir wollen", sagt er. "Sollten wir die Wahlen verlieren, kann Abhisit ja an der Macht bleiben." Die Proteste dauerten bis in den Abend hinein an. Dieses Mal blieb alles friedlich.

Autorin: Nicola Glass
Redaktion: Esther Broders

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