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Sport

Doppelspitze soll den DFB aus der Krise führen

Der DFB versucht mit einer salomonischen Entscheidung seine Führungskrise zu beenden: Künftig soll Theo Zwanziger zusammen dem umstrittenen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder den Deutschen Fußballbund führen.

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Sollen es nun gemeinsam richten: Der Präsident (r.) und sein Kritiker

Der Machtkampf an der Spitze des deutschen Fußballs scheint beendet: Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger sollen bis zur WM 2006 in Deutschland als "Doppelspitze" gemeinsam den Deutschen Fußball-Bund führen. Dies ist das Ergebnis der siebenstündigen Sitzung der DFB-Schlichtungskommission am Freitag (9.7.) in Frankfurt/Main. Mayer-Vorfelder soll als Präsident vor allem für den internationalen und repräsentativen Bereich, Zwanziger als Geschäftsführender Präsident für die Verbindung zu den Mitgliedsverbänden und das Tagesgeschäft zuständig sein. Die vom DFB-Präsidium am vergangenen Montag eingesetzte Kommission zur Vorbereitung des DFB-Bundestages am 22./23. Oktober 2004 in Osnabrück empfiehlt deshalb den Delegierten, mit einer Satzungsänderung die Voraussetzung für diese Doppelspitze im DFB zu schaffen.

Mayer-Vorfelder wird den Vorsitz des Aufsichtsrates des WM-Organisationskomitees 2006 behalten. Dr. Theo Zwanziger wird im WM-OK weiterhin als Vizepräsident verbleiben. Eine genaue Geschäftsverteilung zwischen beiden wird schnellstens erarbeitet. Diese Lösung erfolgt mit vollem Einverständnis von Mayer-Vorfelder und Zwanziger. "Für mich stand immer das Interesse des Verbandes im Vordergrund", meinte Mayer-Vorfelder. Mit diesem Vorschlag werden die unterschiedlichen Stärken beider Persönlichkeiten im Interesse des DFB gebündelt. Die satzungsgemäßen Aufgaben des DFB-Generalsekretärs bleiben unverändert.

"MV" in der Kritik

Kritisiert wurde der 71 Jahre alte "MV" zuletzt vor allem durch seine Alleingänge bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer und seine selbstherrliche Amtsführung - unter anderem von Zwanziger. Einen spektakulären Alleingang fabrizierte er zudem bei der Verlängerung des Fernseh-Vertrages mit ARD und ZDF um weitere fünf Jahre bis zum 30. Juni 2009. Nach der WM 2002 sah er den DFB in einer guten Verhandlungsposition und sorgte damit für großen Ärger bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), die sich bei den Verhandlungen übergangen gefühlt hatte.

Gerhard Mayer-Vorfelder

Multifunktionär Gerhard Mayer-Vorfelder bei seinem Rücktritt als Präsident des VfB Stuttgart

Der Jurist Mayer-Vorfelder hatte zunächst in der Politik Karriere gemacht und bekleidete für die CDU unter anderem das Amt des baden-württembergischen Kultusministers. Zudem war er über 25 Jahre Vereins-Chef des Bundesligisten VfB Stuttgart, den er am Ende hoch verschuldet verließ, und langjähriger Ligaausschuss-Vorsitzender. Am 28. April 2001 wurde "MV" als Nachfolger von Egidius Braun zum DFB-Präsidenten gewählt. Seine Amtszeit war geprägt von Höhen und Tiefen: Höhepunkt war aus sportlicher Sicht der zweite Platz der DFB-Auswahl bei der WM 2002 in Asien, Tiefpunkt die zuvor gescheiterte Verpflichtung seines "Lieblings"-Bundestrainers Christoph Daum im Jahr 2000 sowie der unrühmliche Alleingang bei der Suche nach einem Nachfolger für Rudi Völler in den vergangenen 14 Tagen.

Seit einigen Jahren sitzt "MV" zudem in den entscheidenden Gremien der Europäischen Fußball-Union Uefa und des Fußball-Weltverbandes Fifa, wo er jeweils in der Exekutive sitzt. Zudem ist Mayer-Vorfelder Vorsitzender des Aufsichtsrates des WM-Organisationskomitees 2006.

Der neue Mann

Der designierte Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger ist in Fußball-Deutschland ein geschätzter Mann. Zwar kann die Öffentlichkeit derzeit noch wenig mit dem aktuellen DFB-Schatzmeister anfangen, doch in Fußball-Kreisen gilt Zwanziger als loyaler, teamfähiger und zuverlässiger Partner. Ursprünglich sollte der 59-Jährige den an seiner Seite weiter amtierenden Präsidenten-Partner Gerhard Mayer-Vorfelder erst im Jahr 2007 geräuschlos beerben. Der Ruf der Basis nach einem vorzeitigen Wechsel an der Verbands-Spitze hat Zwanziger allerdings zu einer vorzeitigen Kandidatur bewogen, am Ende ist er froh, dass es zu diesem Kompromiss mit seinem langjährigen Weggefährten gekommen ist.

Der promovierte Jurist ist seit Jahren in den wichtigsten Gremien des deutschen Fußballs vertreten und hat sich in dieser Zeit den Ruf eines hervorragenden Fachmannes erworben. Seit dem 28. April 2001 ist er als Schatzmeister für die Finanzen des DFB zuständig. Im Vordergrund stehen für ihn die Interessen des Fußballs, eigene Ambitionen hat er stets zurückgestellt.

Schatzmeister als Hoffnungsträger

Zwanziger gilt beim größten Sport-Fachverband der Welt als neuer Hoffnungsträger, der auch als Mitglied der Doppelspitze verkrustete Strukturen aufbrechen und neue Integrität schaffen soll. Am 6. Juni 1945 in Altendiez am Fuße des Westerwaldes geboren, arbeitete sich Zwanziger sportlich und beruflich hoch in die Entscheidungsetagen.

Beim VfL Altendiez kickte er bis 1975 selbst, wechselte dann in den Vorstand. Später war Zwanziger Chef des Fußball-Verbandes Rheinland. Seine berufliche Laufbahn hatte er 1965 als Steuerinspektor begonnen, später war er Dezernent der Kreisverwaltung Montabaur, Verwaltungsrichter und Regierungspräsident in Koblenz.

1991 gründete Zwanziger eine Anwaltskanzlei in Thüringen und später in Altendiez. Seit 1992 ist er Mitglied im DFB-Vorstand, wo er zunächst die Aufgabe des Sonderbeauftragten für soziale Integration übernahm. Seit 2003 ist Zwanziger zudem in der vierköpfigen Spitze des Organisationskomitees für die WM 2006 für Finanzen, Personal und Recht zuständig. (sams)

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