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Kultur

Doppelspitze an der Akademie der Künste

Jeanine Meerapfel will die Künstlergemeinschaft gleichberechtigt mit ihrer Stellvertreterin Kathrin Röggla führen. Als erste Frau nach 300 Jahren war sie am 30.05 an die Spitze der Akademie der Künste gewählt worden.

"Wir sind eine Doppelsitze. Ich werde mich nicht auf einen höheren Stuhl setzen", sagte Jeanine Meerapfel bei ihrem ersten Pressegspräch in Berlin. "Wir sind befreundet und ich denke, dass die eine echte Zusammenarbeit sein wird." Die deutsch-argentinische Filmemacherin Jeanine Meerapfel tritt die Nachfolge von Präsident Klaus Staeck an.

404 Akademiemitglieder waren am Samstag zur Mitgliederversammlung erschienen, um ihre Stimme abzugeben. Der 77-jährige Plakatkünstler Staeck hatte sich laut Satz nach drei Amtszeiten nicht mehr um das Amt bewerben dürfen, sich aber ausdrücklich für eine Frau ausgesprochen. "Wir werden sehen, ob diese männerlastige Institution bereit ist, diesem Gedanken näher zu treten", hatte er im Vorfeld der Nachrichtenagentur dpa gesagt.

Mit einem Frauenanteil von nur 22 Prozent ist die Berliner Akademie der Künste immer noch ein Männerverein. Jetzt übernimmt erstmals eine Frau das Ruder. Zur stellvertretenden Akademie-Präsidentin wurde die Schriftstellerin Kathrin Röggla (43) gewählt. Auch die anderen Posten im insgesamt 14-köpfigen Senat wurden neu besetzt. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, gratulierte den Gewählten und sprach von "kulturpolitischer Frauen-Power". Er wünschte allen eine glückliche Hand bei ihren Aufgaben und dankte zugleich den Vorgängern für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Jeanine Meerapfel wurde als Tochter deutsch-jüdischer Flüchtlinge in Buenos Aires geboren und besuchte dort Anfang der 1960er Jahre eine Journalistenschule. 1964 schrieb sie sich als Studentin am Institut für Filmgestaltung in Ulm ein. Anschließend arbeitete sie als Filmkritikerin und Regisseurin. Meerapfel erhielt für ihr filmisches Schaffen zahlreiche Preise und war 1984 Mitglied in der Jury der Berlinale. Seit 1990 ist die 71-Jährige Mitglied der Akademie und seit 1990 Professorin an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Historische Wahl

Seit der Gründung der Akademie im Jahre 1696 ist Meerapfel die erste Frau an der Spitze der Akademie. Das Amt hatten vor ihr unter anderem Adolf Muschg, György Konrad, Walter Jens und Günter Grass bekleidet. Aufgabe der Institution ist es, "die Künste zu fördern und die Sache der Kunst in der Gesellschaft zu vertreten." Außerdem berät und unterstützt sie die Bundesrepublik in Angelegenheiten der Kunst und Kultur. Derzeit gehören der Künstlergemeinschaft 404 Mitglieder an, darunter der Chinese Ai Weiwei, die Amerikaner Bob Dylan und der Filmemacher Wim Wenders.

suc/hf (dpa,epd,rbb)