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Kultur

Doppelgold aberkannt

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter müssen ihre Goldmedaillen von Athen zurückgeben, sagt der Oberste Sportgerichtshof. Damit wird Frankreich neuer Gewinner der Teamwertung, das Einzelgold geht an die Britin Leslie Law.

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Nix da, das Gold muss zurückgegeben werden

Drei Tage nach ihrem Doppel-Triumph standen die deutschen Vielseitigkeitsreiter mit leeren Händen dar: In einer der umstrittensten Entscheidungen in der Geschichte Olympischer Spiele hat der Internationale Sportgerichtshof (CAS) entschieden, dass der Goldmedaillen-Gewinn von Bettina Hoy und der Mannschaft nicht regelgerecht zustande gekommen ist.

Frankreich, das nun auf den Goldrang vor Großbritannien und den USA vorrückt, hatte mit den beiden anderen Ländern Einspruch vor der letzten Instanz des Weltsports erhoben. Deutschland belegt den vierten Platz. Ihr Gold im Einzel muss Bettina Hoy, die jetzt nur als Neunte in die Annalen eingehen wird, an die Britin Leslie Law abgeben. Silber geht an Kimberly Severson (USA), Bronze an Philippa Funnell (Großbritannien). Die CAS-Entscheidung ist endgültig.

Opfer eines Wirrwarrs

Nach einer über zweistündigen Anhörung vor einer dreiköpfigen Ad-hoc-Kammer des CAS war im deutschen Team bereits eine große Unsicherheit über den Ausgang des Verfahrens aufgekommen. So hatte Jürgen Thumann als Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gesagt: "E ist alles möglich." Dennoch war die Enttäuschung über die am Grünen Tisch verlorenen Olympiasiege riesengroß: "Das ist für die Reiter mehr als eine Katastrophe, aber wir müssen dieses Urteil akzeptieren." NOK-Vizepräsident Clemens Prokop meinte: "Unsere Reiter sind hier Opfer eines Wirrwarrs beim Reiterweltverband FEI geworden."

Basis der Kontroverse war eine Verkettung von Fehlern beim Ritt der 41 Jahre alten Bettina Hoy in der Mannschafts-Entscheidung: Zunächst überquerte sie beim Springreiten während eines 45 Sekunden dauernden Countdowns die Startlinie ohne den ersten Sprung anzureiten. Bei Durchreiten der Lichtschranke sprang die Uhr jedoch nicht wie üblich auf Null und begann zu laufen, sondern es wurde von einem Zeitnehmer Sekunden später erneut der Countdown gestartet. Beim zweiten Überqueren der Startlinie lief alles planmäßig, Hoy gewann mit einem fehlerfreien Ritt die Team-Goldmedaille und behauptete ihren zweiten Platz in der Einzelwertung.

Protest, Gegenprotest, Berufung

Wenige Minuten nach dem Wettkampf kontrollierte die Ground Jury unter Vorsitz des deutschen Präsidenten Christoph Hess die Resultate und entschied auf einen Regelverstoß von Hoy. Die Zeit wurde vom ersten Überqueren der Linie an gemessen und resultierte in nachträglich aufgebürdeten 14 Zeitfehlerpunkten. Dadurch fielen das Team und Hoy in beiden Wertungen aus den Medaillen.

Nach einem Protest der deutschen Teamleitung unter Führung des Ausschussvorsitzenden Jens Adolphsen, der an der Universität Halle eine Professur für Sportrecht hat, entschied daraufhin das Appeal Committee des Reiter-Weltverbandes FEI als Berufungsinstanz zu Gunsten der Reiterin. "Das Missmanagement des Wettkampfs durch die Jury darf die Athletin nicht benachteiligen", hatte Komitee-Mitglied Hugh Thomas begründet. Der CAS stellte in seiner Urteilsbegründung fest, dass die Berufungskommission nicht für eine sporttechnische Frage dieser Art zuständig gewesen sei. Und hob die Entscheidung auf.

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