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Asien

Doppelanschlag in Pakistan

Bei dem Anschlag auf die Jaamia Naeemia Moschee in der ostpakistanischen Stadt Lahore wurden fünf Menschen getötet - darunter ist der prominente Geistliche Sarfaraz Naeemi. Der hatte sich die Taliban zum Feind gemacht.

Mann vor der beschädigten Moschee in Lahore Foto: ap

Jaamia Naeemia Moschee

Der Selbstmordattentäter, der sich unmittelbar nach dem Freitagsgebet (12.06.2009) auf dem Gelände der Moschee in die Luft sprengte, hat nach Angaben der Polizei ganz gezielt das geistliche Oberhaupt treffen wollen. Der ermordete Sarfaraz Naeemi war der oberste Religionsgelehrte der Koranschule der betroffenen Moschee. Diese Madrassa ist in ganz Pakistan und auch darüber hinaus als Schule von Lahore bekannt.

Der getötete Geistliche war ein ausgesprochener Kritiker der Taliban-Bewegung. Er hatte die Offensive der pakistanischen Armee gegen die radikalen Islamisten öffentlich unterstützt. In seinen Predigten hatte Sarfaraz Naaemi immer wieder betont, dass Selbstmord-Anschläge "unislamisch" seien. Die zweite Attacke ereignete sich fast zeitgleich in Pakistans umkämpfter Nordwestlicher Grenzprovinz. Im Distrikt Nowshera, der etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt ist, raste ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto in den Innenhof einer Moschee, die an ein Militärlager grenzt. Der Wagen war mit Sprengstoff gefüllt. Es gibt viele Schwerverletzte, so dass die Zahl der Opfer vermutlich noch steigen wird.

Vergeltung für Militäroffensive

Pakistan Bombenanschlag in Lahore

Die Koranschule der Moschee nach dem Anschlag

Im Nordwesten Pakistans, vor allem in der Region rund um das Swat-Tal, gehen pakistanische Regierungstruppen seit Anfang Mai massiv gegen radikal-islamische Taliban und mit ihnen verbündete extremistische Kämpfer vor. Bei der Offensive sind nach Angaben des Militärs bislang mehr als 1300 Kämpfer der radikalen Islamisten und mehr als 100 Soldaten der Regierungstruppen ums Leben gekommen. Die unter Druck geratene Führung der pakistanischen Taliban um Baitullah Mehsud hatte vor kurzem mit Vergeltung für die Offensive der Armee gedroht und Selbstmordanschläge in allen großen pakistanischen Städten angekündigt. Seitdem hat sich die Zahl der Attacken deutlich erhöht. Regierung und Armee zeigen sich bis jetzt davon unbeeindruckt und haben die Offensive sogar Richtung Stammesgebiete an der pakistanisch-afghanischen Grenze ausgeweitet. Eine deutliche Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung unterstützt den Kampf gegen die Taliban.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Thomas Kohlmann