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Fußball

Doping-Vorwürfe gegen VfB Stuttgart erhärtet

Fußball ohne Doping? Hinweise auf systematisches Doping beim Bundesligisten VfB Stuttgart in den 1970er und 1980er Jahren haben sich erhärtet. Das belegen Akten, die der Südwestrundfunk einsehen konnte.

In den Akten aus dem Staatsarchiv Freiburg finden sich Belege für die Lieferung von Dopingsubstanzen an den VfB durch den damaligen Freiburger Sportmediziner Armin Klümper (Artikelbild). Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, übergab Klümper zwischen 1978 und 1981 allein dem VfB Stuttgart neben Verbandsmaterial auch Vitamin- und Aufbaupräparate im Gesamtwert von mehr als 117.000 D-Mark.

Nach SWR-Angaben finden sich in den Unterlagen zahlreiche handschriftliche Rechnungen an den Fußballverein, auf denen detailliert Medikamente und ihre Mengen aufgelistet sind. Darunter sei auch das Anabolikum Megagrisevit, damals ein bekanntes und verbotenes Dopingmittel. Dieses soll zum Beispiel im Juni und Oktober 1978, im Mai 1979 sowie im November 1980 an den Bundesligisten geliefert worden sein; außerdem am 12. Februar 1981 auch die illegalen Substanzen Primobolan und Testoviron. An den SC Freiburg dagegen gab es laut Aktenlage nur eine einzelne Lieferung im Jahr 1979.

Vereine distanzieren sich

In der vergangenen Woche hatte sich die Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin über Anabolika-Doping beim Bundesligisten VfB Stuttgart und dem damaligen Zweitligisten SC Freiburg in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren geäußert. Beide Vereine haben sich von Doping-Praktiken klar distanziert. Eine zentrale Figur der Affäre soll der ehemalige Freiburger Sportmediziner Professor Klümper gewesen sein. Der 79-Jährige lebt inzwischen in Südafrika und hat zu den Anschuldigungen bislang keine Stellung bezogen.

Die brisanten Unterlagen befinden sich seit Ende 2014 im Staatsarchiv Freiburg. Es handelt sich dabei um Akten zum 1984 eröffneten und 1989 mit einer Geldstrafe abgeschlossenen Strafverfahren wegen Abrechnungsbetrugs gegen Klümper.

Was wusste MV?

Der ehemalige VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder soll Kenntnis über Medikamenten-Lieferungen Klümpers an den Stuttgarter Verein gehabt haben. Dies berichtet der Südwestrundfunk unter Berufung auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Freiburg. Demnach habe Mayer-Vorfelder bei einer Vernehmung durch das Landeskriminalamt in den 80er Jahren Absprachen mit Klümper bestätigt. Mayer-Vorfelders Name soll auch auf Arznei-Rechnungen auftauchen. Allerdings soll es ihm dem Vernehmungsprotokoll nach wichtig gewesen sein, dass es sich bei den Lieferungen nicht um Doping-Mittel handelte.

Jubel über Meisterschaftstitel: Der Stuttgarter Vereinspräsident Gerhard Mayer-Vorfelder zwischen zwei Spielern (Archivfoto 1984, dpa)

Jubel über Meisterschaftstitel: Der Stuttgarter Vereinspräsident Gerhard Mayer-Vorfelder (Mitte)

Mayer-Vorfelder war trotz mehrmaliger Versuche nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. "MV", wie der heute 82-Jährige gemeinhin genannt wird, war von 1975 bis 2000 Präsident des VfB. Klümper soll seine Lieferungen dem SWR zufolge nach Rücksprache mit Mayer-Vorfelder über die Geschäftsstelle des VfB abgerechnet haben.

Die fragwürdigen Medikamente aus Freiburg sollen zu Händen des damaligen Physiotherapeuten François Caneri gegangen sein. In den Akten lassen sich dem SWR zufolge Lieferscheine finden, die seinen Namen tragen. Nach Angaben des Senders habe Caneri zu den Vorwürfen gesagt, dass er nicht gewusst habe, dass auch Doping-Substanzen darunter waren. Er sei schließlich Physiotherapeut und kein Arzt.

kle/cw (sid, dpa)