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Europa

Doping in Russland: Vom Staat unterstützt?

Russische Athleten stehen im Mittelpunkt mehrerer Doping-Skandale. Am Freitag entscheidet der Weltleichtathletikverband, ob sie überhaupt an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen dürfen.

Anti-Doping Labor in Moskau (Foto: Reuters/S. Karpukhin)

Anti-Doping-Labor in Moskau

Dutzende von Athleten aus Russland, darunter Olympiasieger, werden des Dopings verdächtigt. Deswegen ließ das Internationale Olympische Komitee (IOC) Ende Mai nochmals Hunderte Dopingproben von Olympia-Teilnehmern aus den Jahren 2008 und 2012 prüfen. Inzwischen sind die Möglichkeiten, illegale Substanzen zu erkennen, besser geworden. Infolge der Prüfung stehen insgesamt 54 Athleten im Verdacht, illegale Substanzen eingenommen zu haben: 31 Sportler der Spiele in Peking und 23 Teilnehmer der Spiele in London. Fast die Hälfte aller positiven Proben stammen von Russen.

Diesem Ergebnis gingen mehrere Skandale voraus. So konnte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Ende 2015 nachweisen, dass leistungssteigernde Mittel in der russischen Leichtathletik systematisch eingesetzt wurden. Deswegen droht den russischen Leichtathleten ein Ausschluss von den Spielen in Rio de Janeiro. Im März entbrannte ein Skandal wegen des Einsatzes von Meldonium bei russischen Sportlern.

Wurden Dopingproben vertuscht und vernichtet?

Doch am meisten erschütterten die Enthüllungen des ehemaligen Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigoij Rodtschenkow, der inzwischen in den USA lebt. Mitte Mai behauptete er in der "The New York Times", Dutzende russische Athleten seien während der Olympischen Winterspiele in Sotschi im Jahr 2014 gedopt gewesen. Das Doping sei im Rahmen eines staatlichen Programms durchgeführt worden. Rodtschenkow beharrt darauf, dass der Einsatz illegaler Substanzen bei russischen Athleten von Russlands Sportfunktionären auf höchster Ebene gebilligt wurde.

Grigoij Rodtschenkow im Labor (Foto: ITAR-TASS/Vitaly Belousov)

Grigoij Rodtschenkow leitete einst das Moskauer Anti-Doping-Labor

Der russische Sportminister Witalij Mutko entgegnete im russischen Fernsehen: "Rodtschenkow verwechselt sich selbst und den Staat. Das hat er selbst gemacht. Der Staat hat damit nichts zu tun." Gerade wegen dieser Verfehlungen habe der Ex-Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors seinen Posten räumen müssen. "Rodtschenkow wurde entlassen, weil er Proben vertuscht und vernichtet hat”, betonte Mutko. Die russischen Behörden würden gegen ihn ermitteln.

Allerdings ist Rodtschenkow selbst zurückgetreten, nachdem im November 2015 der Bericht einer unabhängigen WADA-Kommission veröffentlicht wurde. Sie hatte ihm vorgeworfen, mehr als 1000 Dopingproben vernichtet zu haben, um zu vertuschen, dass Russen gedopt waren. Rodtschenkow wies diese Vorwürfe zurück. Er habe lediglich Proben vernichtet, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen sei.

"Doping wurde in Russland auf jeden Fall geduldet"

Vertreter deutscher Sport-Organisationen glauben nicht, dass es in Russland ein staatliches Doping-Programm gibt. Doch zunächst müssten die Ergebnisse weiterer Untersuchungen der WADA abgewartet werden, hieß es auf Anfrage der DW beim Deutschen Olympischen Sportbund.

Diese Meinung teilt auch Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln. Seiner Einschätzung nach sei Doping in Russland aber auf jeden Fall geduldet und nicht ernsthaft bekämpft worden, sagte er der DW.

Sportminister Witalij Mutko und Präsident Wladimir Putin (Foto: AP Photo/RIA Novosti, Alexei Druzhinin)

Sportminister Witalij Mutko (l.) und Präsident Wladimir Putin

Auch Eva Bunthoff, Sprecherin der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschlands (NADA) beklagt Lücken im Kontrollsystem des russischen Sports. "Die aufgedeckten Sachverhalte sind besorgniserregend. Das ist ein Tiefschlag für die sauberen Athletinnen und Athleten. Derzeit wird deutlich wie nie, wie wichtig unabhängige Anti-Doping-Arbeit für die internationale Chancengleichheit ist", sagte sie.

Britische Anti-Doping-Agentur testet Russen

Dem Sprecher der WADA zufolge gibt es erschreckende Erkenntnisse, die Mängel im russischen Anti-Doping-System aufgezeigt haben. "Zwei internationale, unabhängige Experten überarbeiten nun das Programm der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA), um das Vertrauen in das Anti-Doping-System in Russland wieder herzustellen", sagte Ben Nichols der DW. Er fügte hinzu, dass derzeit russische Athleten im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der britischen Anti-Doping-Agentur (UKAD), der RUSADA und der WADA auf Doping untersucht würden. "Die UKAD stellt sicher, dass russische Athleten innerhalb und außerhalb des Landes getestet werden", so Nichols.

Am Freitag soll beim Weltleichtathletikverband (IAAF) die Entscheidung fallen, ob das russische Leichtathletik-Team an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen kann. Nur wenigen Tage später, am 21. Juni, wird das IOC darüber entscheiden, ob gegen Russland ein Olympia-Bann verhängt wird oder nur einzelne Sportler gesperrt werden.

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