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Sport

Doping 2008: Überraschung und Abschreckung durch Nachtests

Stefan Schumacher, Bernhard Kohl, Christian Ahlmann – auch 2008 gab es wieder spektakuläre Dopingfälle. Der Sport wird seinen Schatten nicht los, auch wenn die Jäger den Gejagten näher gekommen sind.

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Dopingsünder sollen zittern

"Das ist letztendlich Abschreckung", sagt Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln. "Die dopenden Sportler können sich selbst im Falle einer negativen Probe nicht sicher sein, die Kontrolle überstanden zu haben." Dopingproben liegen auf Eis und können mit neuen Analyse-Verfahren nachgetestet werden. So überführten die Dopingjäger die Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl nicht während, sondern erst Monate nach der Tour de France. In ihren Proben wurde das neue Blutdoping-Präparat Cera nachgewiesen. "Ich denke, die sind mit dem Test überrascht worden", freut sich Schänzer.

Kapitulation vor krimineller Energie

Radprofi Stefan Schumacher fasst sich nach seinem Ausstieg aus dem olympischen Straßenrennen in Peking an den Kopf. Quelle: dpa

Gefallener Held Schumacher

Während der Frankreich-Rundfahrt hatten sich die beiden Profis des Teams Gerolsteiner noch feiern lassen. Der Österreicher Kohl hatte das Bergtrikot gewonnen und in der Gesamtwertung den dritten Platz belegt. Schumacher hatte als Sieger der beiden Zeitfahren geglänzt. Auf die positiven Nachkontrollen reagierten die beiden unterschiedlich. Während Kohl einräumte, gedopt zu haben, schwieg Schumacher zu den Vorwürfen und kündigte eine Klage gegen die französische Anti-Doping-Agentur an. Die Mannschaft Gerolsteiner wurde wegen des Skandals sofort aufgelöst, Teamchef Hans-Michael Holczer sagte dem Profiradsport Adieu: "Ich kapituliere vor der kriminellen Energie." Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF kündigten an, nicht mehr live über die Tour de France zu berichten.

Wiedersehen mit Dopingsündern und - verdächtigen

Lance Armstrong bereitet sich auf einem Rad im Windkanal auf sein Comeback vor.

Armstrong, alles natürlich?

Schon während der Rundfahrt waren fünf Profis als Betrüger entlarvt worden, darunter der zweimalige Bergetappensieger Riccardo Ricco aus Italien. Auch 2009 wird der Dopingschatten bei der Tour mitfahren. Ivan Basso aus Italien sitzt nach abgesessener Sperre wieder im Rennsattel. Zudem gibt Rekordsieger Lance Armstrong aus den USA sein Comeback. "Seit er es 1999 geschafft hat, den Krebs zu besiegen und dann die Tour zu gewinnen, begleitet ihn der Dopingverdacht", räumt Tour-Direktor Christian Prudhomme ein. "Aber gleichzeitig ist der Kampf gegen das Doping immer kompromissloser geworden." Armstrong müsse sich wie jeder andere Starter auch allen Kontrollen unterziehen.

"Wir schauen in einen Abgrund"

Christian Ahlmann springt auf seinem Pferd Cöster bei den olympischen Reiterspielen in Hongkong über ein Hindernis. Quelle: ap

Enttarnt - Ahlmann auf seinem Pferd Cöster

Gedopt wird aber nicht nur im Radsport. So fielen vor den olympischen Spielen in Peking sieben russische Weltklasse-Leichtathletinnen durch das Dopingraster. Während der Wettkämpfe wurden acht Olympia-Starter überführt, darunter auch der deutsche Springreiter Christian Ahlmann. Sein Pferd Cöster wurde bei den Reiterspielen in Hongkong positiv auf das verbotene Mittel Capsaicin getestet. Als Konsequenz soll die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA künftig auch Pferde während des Trainings unangemeldet kontrollieren. "Vertreter des Reitsports sagen, sie schauen in einen Abgrund und sehen, dass es so nicht weitergehen kann", zitiert NADA-Chef Armin Baumert aus seinen Gesprächen mit den Offiziellen.

Dopingfälle in der Pipeline

Sprinter Usain Bolt posiert bei den Spielen in Pkeing vor der Anzeigetafel, auf der seine neue Weltrekordzeit über 100 Meter (9,69 sek.) zu lesen ist. Quelle: ap

Bolt - Zweifel bleiben

Die rund 5000 Dopingproben der Spiele in Peking lagern inzwischen tiefgekühlt am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne in der Schweiz. Im Januar beginnen die Nachkontrollen auf Cera und das Doping verschleiernde Hormon Insulin. "Mehrere Dopingfälle sind noch in der Pipeline", sagt IOC-Präsident Jacques Rogge. Topleistungen bei den olympischen Spielen wie die des Sprint-Superstars Usain Bolt aus Jamaika oder des überragenden Schwimmers Michael Phelps aus den USA hatten zwar begeistert, aber auch einen schalen Beigeschmack hinterlassen. "Es bleiben natürlich Restzweifel, ob diese Leistungen ohne Doping zustande gekommen sind", formuliert Professor Mario Thevis, der in Peking mit kontrollierte, vorsichtig. "Aber solange wir keine Beweise dafür haben, gilt der Sportler für mich als unschuldig."

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