Doomsday clock: Noch zwei Minuten bis zum Weltuntergang | Aktuelles | DW | 25.01.2018
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Atomwaffen

Doomsday clock: Noch zwei Minuten bis zum Weltuntergang

Fünf vor zwölf? Höchste Eisenbahn? Es ist noch viel schlimmer! Wissenschaftler in den USA haben ihre “Weltuntergangsuhr“ vorgestellt. Diese ganzen Atomwaffen, dieser Trump, das Klima. Alles kaum noch auszuhalten.

USA Washington Doomsday Clock Lawrence Krauss und Robert Rosner (picture-alliance/AP Images/C. Kaster)

Lawrence Krauss (l.) und Robert Rosner

Im Original klingt der Begriff noch bedrohlicher: Doomsday clock. Übersetzt heißt das ungefähr "Weltuntergangsuhr". Dahinter stecken nicht etwa Zauberkünstler Hans Klok oder der Grinch, auch nicht Martin Schulz oder der Joker aus "The Dark Knight". Es ist eine überaus seriöse Vereinigung von Wissenschaftlern, die gemeinsam das "Bulletin of the Atomic Scientists" in Chicago herausgeben.

Mit ihrer symbolischen Weltuntergangsuhr wollen die Forscher - unter ihnen eine ganze Fußballmannschaft von Nobelpreisträgern - aufrütteln. Da sie das aber bereits seit 1947 machen, sollten wir inzwischen ganz schön durchgerüttelt sein. Damals wurde die Uhr auf sieben Minuten vor 12 gestellt. Wenn wir nicht aufpassen, geht das hier auf Erden schief mit den Atomwaffen und der Umweltvernichtung, so die Botschaft. Damals schon.

Mit Trump geht's schneller

Und heute? Es ist zwei vor zwölf. Die Lage ist also ernst, so ernst wie zuletzt im Jahr 1953, nach den ersten Wasserstoffbomben-Tests. Doch Abrüstung und Vernunft sorgten danach für einen Rückgang der Zeiger auf der Uhr. Lawrence Krauss, Physiker und Bulletin-Vorstandsmitglied, wies zuletzt darauf hin, dass die Uhr "in 64 Jahren nicht näher an Mitternacht" herangerückt sei. Doch dann wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Und seitdem tickt die Uhr schneller. Erst zweieinhalb Minuten vor Mitternacht, jetzt zwei Minuten.

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Trump und Kim an den Atomknöpfen: Eine Karikatur des russischen Zeichners Sergey Elkin

Besser joggen gehen?

Die Gründe sind bekannt: der Nordkoreaner mit der merkwürdigen Frisur und die Rhetorik aus Washington auf der anderen Seite, dann die Abneigung gegenüber dem Atomabkommen mit dem Iran, schließlich die drohende Klimakatastrophe. Und die Sache mit der Informationsgesellschaft läuft auch nicht rund. Wer auf der Pressekonferenz in dem flachen, schmucklosen Raum im National Press Club in Washington D.C. etwas Positives erwartet hatte, der wäre vielleicht besser auf der Pennsylvania Avenue vor dem Weißen Haus joggen gegangen.

"Dann müssen Sie eben die Führung übernehmen"

Die fünf Wissenschaftler, die die apokalyptische Uhrzeit den Journalisten präsentierten, fanden übrigens auch, dass es nichts zum Lachen gebe. "Zum ersten Mal seit vielen Jahren gibt es keinerlei atomaren Abrüstungsbestrebungen zwischen den USA und Russland", klagte Sharon Squassoni, Professorin an der George Washington University. Und Lawrence Krauss, der sich neben seiner Arbeit für das Bulletin mit Physik und Erdveränderungen an der Arizona State University beschäftigt, machte klar, dass ihm langsam die Geduld ausgeht. "Wenn unsere Regierungen nicht handeln, dann müssen Sie eben die Führung übernehmen", forderte er die Bürger auf.

120 letzte Sekunden

Also, was hilft? Keine Knallköpfe wählen! Den Mund aufmachen. Sich engagieren. Und ansonsten: Noch zwei Minuten!

120 letzte Sekunden. Was macht man in einer solchen Situation? Sich in Deckung bringen? Noch einmal rasch "Die letzten Tage der Menschheit" des Wiener Untergangsexperten Karl Kraus aus dem Jahr 1918 lesen? Zu Aldi fahren und schnell etwas einkaufen? Oder sich bei Elon Musk für gar nicht kleines Geld einen Platz in einer SpaceX-Mission sichern?

Vielleicht hilft, weil das ja alles ganz furchtbar furchteinflößend ist und wir gedanklich schon auf der Flucht in den Weltraum sind, Mr. Armstrong. Diesmal allerdings Louis, der Sänger, nicht Neil, der Apollo-Kommandant. Louis, der Jazz-Sänger, hat uns unter anderem diese schönen Zeilen hinterlassen:

I see trees of green, red roses too

I see them bloom for me and you

And I think to myself: What a wonderful world.

"What a wonderful world". Dass der US-Nachrichtensender CNN mit diesem schönen Song einst die Fernsehbilder der US-Truppen unterlegte, die im Irak Saddam Hussein jagten, ist wieder eine andere Geschichte.

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