1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Don't cry for me, Germany!

Auch die Argentinier in Deutschland fiebern dem Viertelfinale zwischen beiden Ländern am Samstag entgegen. Sie vertrauen vor allem auf die glückliche Hand des argentinischen Trainers Diego Maradona.

Argentinische Fans beim Spiel Argentinien-Elfenbeinküste (Foto: DW)

Argentinische Fans bekennen Farbe

Antonio Bucak, der vor 24 Jahren aus Argentinien nach Hamburg kam, um dort das argentinische Café "Buenos Aires" zu eröffnen, weiß, dass seine Gäste am Samstag (03.07.2010) ein spannendes Spiel zu erwarten haben: "Ich freue mich sowohl auf die argentinischen als auch auf die deutschen Fans, die am Samstag in großer Zahl hierherkommen, um das Spiel zu sehen".

Argentinische Fans in Hamburg bei der Fußball-WM 2006 (Foto: Matilde Heredia)

Weiß-Blau wird am Samstag mit Schwarz-Rot-Gold konkurrieren

Die beiden Landesflaggen hat er selbstverständlich sofort nach Argentiniens Sieg über Mexiko in sein Schaufenster gelegt. Auf mehreren Fernsehern können die deutsch-argentinischen Fußballfans am Samstag die Partie genießen, denn viele Argentinier sind gerade in dieser Zeit sehr stolz auf ihre Heimat und zeigen das mit Flaggen, Trikots und blauen Brillen.

Bei einem leckeren Würstchen, typisch argentinischen Teigtaschen und einem großen Glas frischen Quilmes-Bier wollen die argentinischen Fans ihrer Heimat ein Stückchen näher sein. "Maradona hat unserer Mannschaft viel Selbstbewusstsein gegeben, und sein Ausnahmetalent als Spieler lässt uns besonders stolz sein. Ich wollte, dass die Deutschen die Engländer schlagen, denn wir haben mit Deutschland noch eine offene Rechnung zu begleichen, und wir wollen zeigen, was wir können."

"Wenn es nicht zum Elfmeterschießen kommt", sagt Antonio, "kann Argentinien Deutschland dieses Mal schlagen, und dann wird in meinem Café getanzt und gesungen bis in die Nacht hinein."

Gemeinschaft mit den Deutschen genießen

DW-Redakteur Oliver Pieper (Foto: DW)

Für wen soll er nur halten? Oliver Pieper, mit einer Argentinierin verheiratet

Für den Cafébesitzer in Hamburg ist ganz klar: Gemeinschaft mit den deutschen Freunden steht im Vordergrund - und egal wer gewinnt, Fairness ist am Samstag oberstes Gebot. Viele seiner deutschen Gäste haben eine persönliche Beziehung zu Argentinien: "Da kommen Deutsche, die selber mal eine Zeit lang in Argentinien gelebt haben, oder deutsch-argentinische Ehepaare, um gemeinsam die Stimmung zu genießen."

Eine solche Beziehung hat auch Deutsche-Welle-Redakteur Oliver Pieper, selbst ab und zu als freier Sportredakteur tätig, zu Argentinien. Seine Frau, eine Argentinierin, lernte er während eines sechsmonatigen Aufenthalts in Cordoba kennen und holte sie kurze Zeit nach seiner Rückkehr nach Deutschland zu sich.

Heute haben die beiden drei Kinder, die, wie er sagt, allesamt fußballbegeistert sind. Seine ältesten beiden Kinder sind wegen ihrer Freunde natürlich eher Deutschland- als Argentinienfans, aber bei seiner jüngsten Tochter Celeste, die sich gerade mit seiner Frau in Argentinien befindet, schwankt die Stimmung noch: "Na klar, unsere argentinischen Verwandten werden versuchen, die Jüngste mit allen Mitteln zum Argentinien-Fan zu machen. Da ist ihnen keine Süßigkeit zu teuer", sagt Pieper lachend.

Vor vier Jahren trug er aus Solidarität zu seiner Frau noch tapfer das hellblau-weiße Trikot, und auch dieses Mal wird er es wohl für alle Fälle darunter anbehalten. Sollte Deutschland allerdings am Samstag wider Erwarten seiner südamerikanischen Verwandten gewinnen, legt er, so sagt er schmunzelnd, das Lied "Don't cry for me Argentina" in den CD-Player und ruft seine Frau sofort bei Abpfiff an!

Auf zum Sieg

Guillermo Malfitani vor dem Café de Sur in Köln (Foto: Guillermo Malfitani/ zugeliefert von Rosa Delia Macías Reyes)

Argentinien-Fan Guillermo Malfitani

Im Hause "Pfeiffer-Malfitani" klingen schon seit Wochen ganz andere Lieder an. Guillermo Malfitani, der sympathische Argentinier, schaut mit seiner deutschen Frau jedes Argentinienspiel im Cafe de Sur, dem In-Treff für alle Argentinier in Köln. Er freut sich schon auf den Fangesang gemeinsam mit seinen argentinischen Freunden: "Vamos, vamos Argentina, vamos, vamos a ganar" ("Auf geht's, auf geht's Argentinien. Auf geht's, auf geht's, auf zum Sieg"), singt er begeistert vor.


"Wir halten alle ganz eng zusammen und sind natürlich sehr aufgeregt. Ich habe meine Flagge, eine kleine Trompete und mein frisch für Samstag gewaschenes Trikot schon bereitgelegt und fiebere der Revanche für 2006 entgegen."

Da ist es ganz normal, dass ihn seine deutschen Freunde spaßend bei jeder Gelegenheit an die tragische Niederlage Argentiniens im Viertelfinale 2006 erinnern. Ihnen entgegnet Guillermo aber selbstbewusst, dass damals die Fußballlegende Maradona seine berüchtigte "Hand" als Trainer noch nicht mit im Spiel hatte: "Er ist eine Diva. Aber kein anderer Trainer lässt die Emotionen und den Enthusiasmus auf seine Spieler und auch die Fans so überschlagen wie Diego."

Es wird also laut Malfitani ein sehr schwieriges Spiel, denn keiner möchte dem anderen etwas schenken. Argentinien ist nicht unverwundbar, und Deutschland mit so einem jungen Team dieses Jahr ein extrem motivierter Gegner. Am Ende wird es für Guillermo Malfitani aber trotzdem ganz klar heißen: "Don't cry for me Germany!"

Autorin: Steffi Waldschmidt
Redaktion: Wolfgang van Kann