Donald Trumps Weißes Haus: Arbeiten auf dem Schleudersitz | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 10.03.2018
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USA

Donald Trumps Weißes Haus: Arbeiten auf dem Schleudersitz

FBI-Chef, Kommunikationsdirektor, Wirtschaftsberater - niemand arbeitet lange für den US-Präsidenten. Einige traten freiwillig zurück, andere wurden gefeuert. Die Fluktuation in der Regierung ist so hoch wie noch nie.

Donald Trumps Administration ähnelt der Reality Show "Survivor", bei der sich Kandidaten unter extremen Bedingungen auf einer tropischen Insel beweisen müssen. Bei der großen Menge an Regierungsmitarbeitern, die seit dem Amtsantritt im Januar 2017 bereits aus Trumps Umfeld verschwunden sind, muss man sich fragen: Wer wird als nächster rausgewählt oder rausgemobbt? Wer bricht unter dem Druck zusammen und verlässt freiwillig das Weiße Haus? 

Der Präsident selbst hat dazu nur eins zu sagen. "Viele, viele Menschen wollen jeden einzelnen Job hier", zitierte CNN Trump am 7. März 2018. "Glauben Sie mir, jeder will im Weißen Haus arbeiten. Es ist einfach ein toller Arbeitsplatz."

Gegen diese Aussage spricht, dass unter der aktuellen US-Regierung so viele führende Angestellte wie noch nie ihren Job im Umfeld des Präsidenten geräumt haben oder gefeuert wurden. Die Fluktuationsrate lag laut der Denkfabrik Brookings bei 43 Prozent. Die zweithöchste Rate im ersten Amtsjahr eines Präsidenten haben die Forscher bei Bill Clinton errechnet - sie lag allerdings nur bei elf Prozent.

Ob sie nun freiwillig gegangen sind oder mit einem "You're fired!" von Trump hinausbefördert wurden - lange haben es diese Berater, Sprecher und Minister nicht mit dem Präsidenten ausgehalten, oder er mit ihnen:

Sally Yates

Die Justizministerin, die unter Präsidenten Barack Obama Vize-Justizministerin war, wurde am 30. Januar 2016 zehn Tage nach Amtsantritt vom Präsidenten gefeuert, weil sie nicht hinter Trumps anti-muslimischem Einreiseverbot stand.  

Michael Flynn

Trumps oberster Sicherheitsberater trat am 13. Februar 2016 zurück, rund drei Monate nach der Präsidentenwahl und weniger als einem Monat im Weißen Haus. Flynn hatte über Telefonate, die er nach der Wahl mit dem russischen Botschafter geführt hatte, gelogen, und zwar sowohl gegenüber Vizepräsident Mike Pence als auch dem FBI. Er war einer der führenden Präsidentschaftsberater mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte der USA. 

USA Anhörung James Comey, früherer FBI-Direktor (Getty Images/AFP/C. Somodevilla)

Comey sagte im Juni 2017 vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats aus, dass Trump ihn unter Druck gesetzt habe, die Ermittlungen gegen Michael Flynn zu beenden

James Comey

Trump feuerte den FBI-Direktor im Mai 2017 - bis heute eine der umstrittensten und meist diskutiertesten Personalentscheidungen. Comey hatte die Ermittlungen geleitet, die klären sollten, ob Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam vor den Präsidentschaftswahlen mit Russland zusammen gearbeitet und so das Wahlergebnis beeinflusst hatten. Wenige Tage nach seiner Entlassung veröffentlichte Comey ein Gedächtnisprotokoll über ein Gespräch mit Präsident Trump, in dem dieser ihn aufgefordert haben soll, die FBI-Ermittlungen gegen Trumps ehemaligem Sicherheitsberater Flynn zu beenden.

Sean Spicer

Präsident Trumps Pressesprecher schlug sich ein halbes Jahr lang mit den Journalisten des Pressecorps im Weißen Haus herum, bis er am 21. Juli 2017 zurücktrat. Der Grund war allerdings nicht sein schlechtes Verhältnis zur Presse, der er wiederholt "alternative Fakten" präsentierte. Spicer wollte nicht unter dem neuen Kommunikationschef Anthony Scaramucci arbeiten, den Trump kurz zuvor angestellt hatte. 

Reince Priebus

Es ist nicht völlig klar, ob Trumps Stabschef Priebus zurücktrat oder gefeuert wurde. Fest steht, dass der Präsident am 28. Juli 2017 über den Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gab, dass er mit James Kelly einen neuen Chief of Staff einstelle. Zuvor hatte es Priebus mehr als ein halbes Jahr lang nicht verhindern können, dass vertrauliche Informationen aus dem Weißen Haus an die Presse weitergegeben wurden.

Anthony Scaramucci

USA Trump feuert Anthony Scaramucci (picture alliance/dpa/AP/P. M. Monsivais)

Kaum war er da, war er auch schon wieder weg: Scaramucci

Zehn Tage nachdem bekannt wurde, dass Scaramucci den Job des Kommunikationsdirektors übernehmen würde, war er ihn auch schon wieder los. Er soll gefeuert worden sein, weil der neue Stabschef Kelly ihn für nicht diszipliniert genug hielt. Scaramucci hatte spätabends am 26. Juli einen Reporter des Magazins New Yorker angerufen und gedroht, den gesamten Kommunikationsstab des Weißen Hauses zu feuern, damit vertrauliche Informationen nicht mehr an die Presse weitergegeben würden. Außerdem hatte er sich in dem Telefonat unflätig über Priebus und Steve Bannon geäußert.

Steve Bannon

Schon der Einzug Bannons ins Weiße Haus sorgte für Wirbel. Trumps Chefstratege und ehemaliger Wahlkampfmanager war für seine rechtsextremen Ansichten bekannt und einer der Gründer der rechtsgerichteten Nachrichtenwebsite Breitbart News. Am 18. August 2017 trat er zurück, soll aber dazu gezwungen worden sein, weil er Trump öffentlich widersprochen hatte. 

Hope Hicks

Hope Hicks (Reuters/C. Barria)

Hicks arbeitete von 2014 bis zum Beginn von Trumps Wahlkampf bei der Trump Organization

Die Kommunikationschefin des Weißen Hauses, die von Vanity Fair als Trumps Ziehtochter bezeichnet wurde, verkündete am 28. Februar, dass sie zurücktreten werde. In US Medien wird spekuliert, dass ihr Rücktritt mit ihrer nicht-öffentlichen Aussage vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses am 27. Februar zusammenhängt. Mit Hicks verlor Trump eine seiner engsten Vertrauten.

Gary Cohn

Am 6. März verkündete Cohn, dass er seine Position als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats verlassen wird. Vermutlich tritt Trumps Wirtschaftsberater deshalb zurück, weil sich der Präsident gegen seinen ausdrücklichen Rat dafür entschieden hat, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu erheben.

Rex Tillerson 

US-Außenminister Rex Tillerson (picture-alliance/dpa/J. Ernst)

War wohl zu oft nicht mit Trump einer Meinung: Ex-US-Außenminister Rex Tillerson

Schon öfter hatte es Spekulationen gegeben, Rex Tillerson könnte seinen Posten als Außenminister verlassen. Am 13. März war es dann soweit. Tillerson hatte immer wieder Positionen vertreten, die sich von denen Trumps unterschieden, etwa was den Konflikt mit Nordkorea angeht. Vor dem Gipfeltreffen mit den Nordkoreanern habe der Präsident seine Mannschaft neu aufstellen wollen, hieß es aus Regierungskreisen in Washington.

 

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