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US-Präsidentschaft

Donald Trumps Amtseinführung entzweit die Nation

Washington ist vorbereitet auf die Amtseinführung von Präsident Donald Trump. Auch das Wetter spielt mit: Es soll nieseln, aber nicht kalt werden. Doch das Land ist schon jetzt gespalten, berichtet Michael Knigge.

Die Voraussetzungen für einen nationalen Feiertag sind eigentlich gut. Die Bühne auf dem Kapitolshügel, wo Donald Trump seinen Amtseid ablegen wird, steht. Die Strecke, die den frisch gekürten Präsident dann im Rahmen der traditionellen Inaugurations-Parade vom Kapitol hin zum Weißen Haus führen wird, ist ebenfalls schon mit weiträumigen Parkverboten markiert und muss nur noch abgesperrt werden.

Rund 30.000 Sicherheitskräfte, die nicht nur aus der Hauptstadt, sondern aus dem ganzen Land zusammengezogen wurden, sind ebenfalls einsatzbereit. Auch die Hotels sind gut gebucht. Unterkunftsvermittler Airbnb vermeldet sogar eine Rekordzahl von Vermietungen in Washington für Gäste, die zu Hundertausenden zur Amtseinführung von Donald Trump aus dem ganzen Land in die Hauptstadt reisen und sich auf die Zeremonie freuen.

Freude und Enttäuschung bei Trump-Unterstützern

Eine von ihnen ist Nina Detrow aus San Diego in Kalifornien. Sie hat Donald Trump unterstützt. Sie sei aufgeregt, sagt Detrow, weil sie noch nie zuvor bei einer Amtseinführung gewesen sei. Washington finde sie auch wirklich toll, weil es so viel zu sehen gebe. Aber dann muss sie doch etwas loswerden. "Ich bin sehr enttäuscht von einigen Freunden, die es mir übel nehmen, dass ich hier bin, um Trump zu unterstützen."

Trump sei schließlich gewählt worden, und nun müsse man ihm auch eine echte Chance geben, findet Detrow. Die habe er verdient, denn er sei der Präsident aller Amerikaner - auch derjenigen, die ihn nicht gewählt hätten. Und sollte er versagen, wäre er nach vier Jahren sowieso wieder weg. Wobei Detrow glaubt, dass Trump Erfolg haben wird, auch weil er so anders sei als die anderen Politiker. Er rede anders und lese nicht nur geschwurbelte Sätze vor wie der Rest. Genau das finde sie gut. Natürlich sage Trump dabei manchmal auch Dinge, die man besser nicht sagen sollte. Aber wer, so Detrow, tue dies nicht. "Er spricht wie die Menschen."

Lieber am Strand als bei Trump

Genau diese Sprache ist ein Problem für Jane Brown aus Wilmington, North Carolina. Sie ist in Washington, um ihren Sohn zu besuchen. Der Amtseinführung von Donald Trump will sie jedoch die kalte Schulter zeigen und überlegt, schon vorher wieder abzureisen. Brown möchte lieber am Strand in Nord Carolina sein, als sich über Donald Trumps Amtseinführung aufzuregen. "Der gewählte Präsident zeigt kein Mitgefühl und Anstand, und das sind zwei unabdingbare Eigenschaften", sagt Brown. "Und wenn er nicht bald anfängt, das zu zeigen, dann bleibt dieses Land gespalten und dann wird das Land implodieren."

Ist sie denn nicht bereit, dem gewählten Nachfolger von Barack Obama eine Chance zu geben? "Doch", sagt Brown, "ich hoffe, er straft mich Lügen und hat Erfolg." Aber sie glaube nicht wirklich daran, dass Trump das tief gespaltene Land wieder einen könne. Ihm gehe es schließlich nur um persönliche Macht. Dies sei es, warum er überhaupt Präsident werden wollte. Denn diese Macht könne man mit allem Geld der Welt nicht kaufen, so Brown, man müsse dafür schon ins Weiße Haus gewählt werden.

USA Vorbereitungen für die Amtseinführung Donald Trump in Washington (Reuters/C. Barria)

Vorbereitungen auf dem Kapitol-Hügel in Washington für die Amtseinführung von Donald Trump

Mit ihrer Ablehnung von Trump und der Amtseinführung steht Jane Brown nicht alleine. Noch nie hat ein gewählter Präsident kurz vor seiner Amtseinführung so niedrige Zustimmungsraten verzeichnet wie Donald Trump. Und noch nie gingen bei den Behörden so viele Anträge auf Demonstrationen gegen eine Amtseinführung ein wie gegen Donald Trump. Zudem haben bislang 60 demokratische Kongressmitglieder sowie mehrere Republikaner ihre Teilnahme an der Amtseinführung abgesagt, viele davon in den vergangenen Tagen als Reaktion auf die harten Worte Trumps gegen die Bürgerrechtsikone John Lewis. Nachdem dieser Trump als "illegitimen Präsidenten" bezeichnet hatte, konterte Trump, Lewis solle sich lieber um seinen Wahlbezirk Georgia kümmern, in dem alles den Bach heruntergehe - außerdem stehe Lewis für "reden, reden, reden und nur nichts tun", so Trump

Musik verbindet           

Keine guten Vorzeichen also für den anstehenden Festakt, der eben normalerweise nicht nur dem Zweck dient, den neuen Präsidenten in sein Amt einzuführen, sondern auch eine nach der Wahl gespaltene Nation zu einen. Aber da die politischen und gesellschaftlichen Fronten dieses Mal so verhärtet wie wohl nie zuvor sind, scheint dies derzeit schwer vorstellbar.

Und dennoch gibt es Menschen in Washington, die zu ihrer großen Freude einen Termin im Weißen Haus haben, um Präsident Obama ein Abschiedsgeschenk überreichen zu dürfen und die sich aber gleichzeitig freuen, bei Donald Trumps Amtseinführung dabei zu sein. Zu ihnen gehört Michelle Urzynicok. Sie spielt Klarinette in The "President's Own" United States Marine Band, die bei der Amtseinführung das Gros der musikalischen Begleitung übernehmen wird, so wie es die Musiker seit 1801 tun – ganz gleich, ob nun ein Demokrat oder Republikaner ins Weiße Haus einzieht. "Wir freuen uns auf Freitag."

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