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USA

Donald Trump kündigt "große Dinge" an

Der Präsident ist genervt von den täglichen Widrigkeiten des Regierungsgeschäfts. Seine Komfort-Zone ist der Wahlkampf. Mit einer großen Rede vor seinen Fans und neuen Initiativen will er wieder in die Offensive kommen.

Einen Tag nach Donald Trumps in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Pressekonferenz im Weißen Haus waren die Reaktionen so gespalten wie das Land: Die Kritiker des US-Präsidenten in Politik und Medien schüttelten den Kopf in einer Mischung aus Abscheu und Belustigung, und sezierten teilweise lustvoll die lange Liste an Unwahrheiten, "alternativen Fakten", Verdrehungen, Widersprüchen, Unklarheiten und Verstößen gegen den politischen Anstand, die ihnen der mächtigste Mann der Welt präsentiert hatte. Trumps Verteidiger und Anhänger hingegen freuten sich darüber, dass der Präsident es all den Nörglern mal so richtig gezeigt hatte, und den "echten" Donald Trump, den sie gewählt hatten, ungefiltert zum Vorschein gebracht hatte.

Offensichtlich genervt von dem täglichen Klein-Klein des Regierungsalltags, dem hinhaltenden Widerstand der Demokraten im Kongress, den ständigen Indiskretionen aus dem Regierungsapparat und den unablässigen Nachfragen und kritischen Berichten der Medien, wollte Trump die Verteidigung seiner bisherigen Amtszeit offenbar nicht mehr seinen Sprechern und Talkshow-Vertretern überlassen, sondern endlich wieder selbst zum Angriff übergehen.

Trump geht zum Angriff über

Und so schimpfte er über eine Stunde lang über die "unehrlichen" Medien, die ihn unfair behandeln würden, angeblich erfundene oder teilweise illegale Enthüllungen und das "Chaos", das ihm sein Vorgänger Barack Obama hinterlassen habe. Und er listete seine bisherigen Erfolge auf - so wie er sie sieht: Ausstieg aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen, Druck auf Unternehmen, damit diese Arbeitsplätze in den USA schaffen, Verringerung der bürokratischen Vorschriften für Unternehmer, mehr Geld für das Militär und Stärkung der Grenzbehörden, der Polizei und anderer Sicherheitsorgane.

Präsident Donald Trump Merchandising (Getty Images/AFP/R. Beck)

Präsident Donald Trump als Marke - hier als "süsser Schokoladenriegel"

Das ist es, was seine Anhänger hören wollen. Und deshalb soll es so auch weitergehen: Für die kommende Woche kündigte Donald Trump "große Dinge" an. Einige davon wird er vielleicht schon am Samstag in einer Rede vor Tausenden seiner treuen Anhänger in Florida enthüllen. Steuersenkungen könnten eines dieser Themen sein; ein anderes eine radikale Reform des Gesundheitssystems; und, natürlich, ein neuer Vorstoß für schärfere Einwanderungsregeln.

Der Volkstribun füllt weiter die Hallen

Mehr als 10.000 Teilnehmer werden zu der Veranstaltung erwartet, die Präsidentensprecher Sean Spicer ausdrücklich als "Wahlkampf-Versammlung" bezeichnete. Trump selbst hatte bereits am Tag seiner Amtseinführung gegenüber der US-Wahlkommission seine Absicht angezeigt, auch bei der Wahl 2020 wieder antreten zu wollen. Und Florida wird dabei wieder eine wichtige Rolle spielen: Nur 113.000 Stimmen trennten Trump und seine Rivalin Hillary Clinton bei der Wahl in dem der Bevölkerung nach viertgrößten Staat der USA.

Dabei scheint die Anziehungskraft des "Volkstribuns" ungebrochen: Die ersten 9000 Tickets für die Veranstaltung in einem Flugzeughangar in Melbourne bei Orlando waren bereits am Donnerstagmorgen ausverkauft; daraufhin wurde der Platz für die Trump-Anhänger noch einmal erweitert. 

Flucht aus Washington

Der Wahlkampf, mit der Betonung auf Kampf, ist Donald Trumps Komfort-Zone. Das wurde bei der Pressekonferenz am Donnerstag wieder einmal überdeutlich klar. Doch "@realDonaldTrump", wie er sich auf Twitter nennt, muss aufpassen: Was im Wahlkampf erfolgreich war und sich gut anfühlt, kann im Regierungsalltag zum Problem werden. Das zeigte sich bereits in den letzten Wochen, und Trumps Ausbruchsversuch in die Welt des "ewigen Wahlkampfs" kann keine Dauerlösung sein, um den Abnutzungsschlachten in Washington zu entgehen. Denn selbst eine Naturgewalt wie Donald Trump kann langfristig nicht erfolgreich sein, wenn er sich zu viele Gegner in Medien, Justiz und Politik (bis weit hinein in seine eigene Partei) schafft.

USA Donald Trump Betritt dem Marine One Helikopter auf der Andrews Air Force Base (picture alliance/ZUMAPRESS)

Trump darf sein eigenes Flugzeug nicht zu offiziellen Terminen nutzen

Seine treuesten Anhänger mögen das noch goutieren. Aber viele von denen, die ihn im November gewählt haben, haben dies nicht getan, weil sie "The Donald" für den Größten halten. Sondern, weil sie Clinton noch weniger mochten. Oder weil sie das Establishment in Washington aufrütteln wollten. Oder weil sie dem Geschäftsmann Trump trotz seines ungehobelten Benehmens eine Chance geben wollten, die wirtschaftliche Misere und die Verzweiflung, die es in einigen Regionen der USA unzweifelhaft gibt, zu beseitigen. Wenn der US-Präsident es nicht schafft, hier handfeste, echte Erfolge vorzuweisen, wird es ihm auch nicht helfen, sich über eine angeblich unfaire Behandlung durch die Medien und seine politischen Gegner zu beschweren.

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