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Amerika

Donald Trump erobert die Republikaner

Mit einer im Ton gemäßigten und in der Sache nationalistischen Rede begeistert der neue Präsidentschaftskandidat beim Parteitag - und zieht als Triumphator in den Kampf gegen Hillary Clinton. Ines Pohl aus Cleveland.

Video ansehen 02:44

Die Rede von Donald Trump beim Parteitag der Republikaner

Applaus. Applaus. Applaus. Über eine Stunde hat Donald Trump gesprochen, sich diszipliniert an das Skript gehalten. Professionell vom Teleprompter abgelesen, nur das ungewohnte Zuppeln am Jackett zeugte von der Anstrengung des Medienprofis. Auch wenn an der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten nichts mehr zu rütteln und am Ende ja alles glatt über die Bühne gelaufen war, stand viel auf dem Spiel in diesen letzten Stunden des viertägigen Parteitages der Republikaner, der in diesem Jahr in Cleveland/Ohio stattfand.

Donald Trump spaltet die Republikaner, vor allem das Parteiestablishment zierte sich lange, zu akzeptieren, dass ausgerechnet er bei den Vorwahlen eine unverrückbar klare Mehrheit gewonnen hatte. Noch am vorletzten Abend hatte der Senator aus Texas, Ted Cruz, sich öffentlich geweigert, dem reichen Geschäftsmann aus New York seine Unterstützung auszusprechen. Und noch wenige Stunden vor Trumps Abschlussrede war es nicht schwer, auf Delegierte und Gäste zu treffen, die keinen Hehl machten aus ihrer Sorge um die Zukunft der Republikanischen Partei.

Doch nach der Rede ist vor einer neuen Zeit. So zumindest war die Stimmung in der großen Mehrzweckhalle in Cleveland. Fast symbolisch knallten die hunderte Luftballons, die während des Schlussapplauses in den Nationalfarben vom Himmel regneten: Ein Knoten scheint geplatzt.

Henry und Vivian Childs (Foto: DW/Pohl)

Henry und Vivian Childs: "Heute hat er gezeigt, dass er sich benehmen kann."

"Er hat alles gesagt, was wir hören wollten", sagen Henry und Vivian Childs. Auch wenn sie Trump schon seit Monaten unterstützen, war dem Ehepaar aus Georgia sein Ton, seine rüde Art, doch immer wieder bitter aufgestoßen. "Heute hat er gezeigt, dass er sich benehmen kann. Er wird ein guter Führer sein." Diese Meinung teilen viele, die mit strahlenden Gesichtern aus der Halle in die Nacht strömen.

Aus Ablehnung wird Hoffnung

Charlee Ottersberg (Foto: DW/Pohl)

Charlee Ottersberg: "Hillary Clinton darf nicht gewinnen."

Auch Charlee Ottersberg aus Cleveland. Sie mag Donald Trump nicht wirklich. Viele seiner Ideen sind ihr zu radikal. Und es sind seine verbalen Ausfälle, die sie am meisten abstoßen. "Das war besser heute. Er hat sich zusammengerissen. Das macht ein wenig Hoffnung." Sie hofft auch, dass er inhaltlich einige seiner Positionen etwas mäßigt. Zum Beispiel seine extreme Einwanderungspolitik oder die strikte Ablehnung von Freihandelsabkommen. "Hillary Clinton darf nicht gewinnen", sagt die junge Frau. Und damit das nicht passiert, müsse Trump sich mehr auf die Mitte zubewegen.

Am besten hat ihr Ivanka gefallen, Trumps erfolgreiche Tochter. "Sie hat hoffentlich viel Einfluss auf ihren Vater." Wenn es nach Ottersberg ginge, sollte sie die erste Frau sein, die als Präsidentin ins Weiße Haus zieht.

Sandra Yeh-Kahne (Foto: DW/Pohl)

Sandra Yeh-Kane (r.): "Man muss mit harter Hand durchgreifen."

Sandra Yeh-Kane überzeugen Trumps Vorstellungen einer strikten Einwanderungspolitik. Es sei richtig, dass nur nach Amerika einwandern dürfe, wer sich an die Regeln halte. Und Terroristen hier nichts zu suchen hätten. Und dass man dann mit harter Hand durchgreifen müsse. Für sie ist klar: Donald Trump hat heute Abend gezeigt, dass er ein Gewinner ist. Nach ihrer Meinung ist er ein Mann des Volkes, der die Anliegen der Arbeiterklasse versteht. Das schätzt die Augenärztin besonders.

Ähnlich argumentiert Marc Reisman. "Es ist gut, dass er die Probleme mit den Illegalen offen anspricht. Wir müssen aufhören mit der Political Correctness."

Hoffen auf den erfolgreichen Geschäftsmann

Arbeiter und Arbeitsplätze stehen auch für Phil Mallow im Vordergrund. Seine Augen glühen fast vor Begeisterung. "Donald Trump wird es schaffen, endlich wieder Arbeit in unser Land zu holen, er versteht, wie man ein Geschäft führt. Und das brauchen wir jetzt, jemanden der weiß, wie man es macht", sagt der Mann mit weißem Bauarbeiterhelm aus West Virginia.

Phil Mallow (Foto: DW/Pohl)

Phil Mallow: "Donald Trump wird endlich wieder Arbeit in unser Land holen."

Auch ihn beunruhigte, wie der Parteitag wohl verlaufen würde. Aber wie die große, große Mehrheit an diesem Abend glaubt er ganz fest daran, dass Amerika mit Donald Trump an der Spitze endlich wieder ganz vorne mitspielen wird. "Natürlich helfen wir anderen Ländern, aber erst mal müssen wir uns um uns selbst kümmern und Amerika an die erste Stelle setzen."

Juli Mitchell und Paula Anderson sind extra aus Kalifornien angereist - und total happy: "Wir sind mehr als glücklich. Die Stimmung ist super. Wir sind alle richtig gut drauf und können jetzt richtig durchstarten."

Das Ziel ist klar. Hillary Clinton muss verhindert werden. Und nach diesem Abend scheint die große Mehrheit mindestens damit versöhnt, das mit Donald Trump an der Spitze zu tun.

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