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Kultur

Dolly zum Dinner?

Dolly, das erste Klonschaf, war 1996 eine Weltsensation. Seither werden Tiere für die Lebensmittelindustrie geklont. Doch wie können Verbraucher erkennen, woher ihr Fleisch kommt? Eine neue Methode verspricht Aufklärung.

Klonschaf Dolly, Quelle: AP

Klonschaf Dolly wurde 1996 "geboren" und starb 2003

Gut eintausend Seiten hat der Abschlussbericht, den die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA Anfang des Jahres vorgelegt hat. Sechs Jahre lang hatten die Wissenschaftler untersucht, ob sich Fleisch und Milch von geklonten Nutztieren irgendwie von den Lebensmitteln, die von herkömmlich gezüchteten Tieren stammen, unterschieden. Eindeutiges Ergebnis: Die FDA gibt Entwarnung. Und auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, schließt sich diesem Urteil an.

Was wir zur Zeit wissen, zeigt aber, dass sowohl die Klone selbst als auch deren Nachkommen, sich in allen untersuchten Eigenschaften, nicht von konventionell produzierten Tieren unterscheiden", gibt der Klonexperte Heiner Niemann von der deutschen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Neustadt zu bedenken.

Teure Kopie

Professor Ian Wilmut mit Klonschaf Dolly, Quelle: AP

Der Schöpfer und sein "ausgestopftes" Werk: Professor Ian Wilmut mit Klonschaf Dolly

Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums zu Folge gibt es nur ungefähr sechshundert geklonte Nutztiere in den USA. Die meisten davon sind Rinder. Wenn ein Landwirt sich dazu entscheidet, eines seiner Tiere zu klonen, will er damit die guten Erbanlagen eines Spitzenrindes bewahren oder sogar vervielfältigen. Dazu werden beispielsweise einem Zuchtbullen ein paar Körperzellen entnommen. Das Erbgut daraus überführen die Experten dann in eine Eizelle, aus der sie vorher den Kern entfernt haben. Eingepflanzt in den Körper eines Muttertieres wächst aus der Eizelle dann die 1:1-Kopie des Zuchtbullen heran.

Zum Schlachten eigentlich viel zu schade – und zu teuer, sagt Mark Walton von der US-amerikanischen Klonfirma ViaGEN. "Ein geklontes Rind kostet im Durchschnitt 13.500 Dollar - egal ob Kuh oder Stier. Es handelt sich also um ein Reproduktionsinstrument - und ist zur Zeit das fortgeschrittenste Zuchtinstrument, das wir haben". Die Klone selbst werden in absehbarer Zukunft also nicht in der Kühltheke landen.

Kaum Nachfrage

Eine Frau steht im Supermarkt vor der Fleischtheke

Auf absehbare Zeit kein Klonfleisch in der Kühltheke

Anders sieht es mit ihren natürlich gezeugten Nachkommen aus. Auch bei ihnen konnte die Lebensmittelbehörde FDA keine Auffälligkeiten entdecken was aber noch lange nicht heißt, dass die Verbraucher die Klonprodukte auch annehmen werden. Nach einer Umfrage des amerikanischen Verbandes "International Food Information Council", der von der Lebensmittelindustrie unterstützt wird, würden nur zehn Prozent der Kunden im Supermarkt "höchstwahrscheinlich" Produkte von geklonten Tieren kaufen wollen. Allerdings ist in den USA nicht vorgesehen, dass Klonfleisch besonders gekennzeichnet werden muss – es ist ja von herkömmlichem Fleisch nicht zu unterscheiden. Eine Datenbank könnte hier helfen, den Verbrauchern Sicherheit zu geben, woher ihr Fleisch stammt. "Wir haben diese Methode wegen der BSE-Krise in Europa entwickelt, um das Fleisch zurück verfolgen zu können", sagt ihr Entwickler, der irische Wissenschaftler Patrick Cunningham von der Universität Dublin.

Noch keine hundertprozentige Sicherheit

Jedem geklonten Tier wird dazu noch zu Lebzeiten eine kleine Zellprobe entnommen. Als Erkennungsmerkmal benutzen die Wissenschaftler ein Erbgut-Profil. Wenn man den genetischen Code eines Lebewesens als einen langen Text versteht, dann gibt es verschiedene Stellen, an denen einzelne Buchstaben gegeneinander ausgetauscht sein können, je nach Individuum. Bei dem einen Tier steht an dieser Stelle ein A, bei einem anderen ein T, bei einem dritten vielleicht ein C. Dreißig solcher Stellen lesen die irischen Forscher, um aus dieser Kombination ein Profil zu erstellen, das für jedes einzelne Tier charakteristisch ist. "In Irland fingen wir 1996 damit experimentell an. Heute nutzen die drei größten Einzelhandelsketten das System, und das heißt beim Rindfleisch, dass fast 75 Prozent heute gecheckt worden ist", sagt Erfinder Cunningham.

Das ist aber natürlich auch das Problem: Erst wenn alle mitmachen, gibt es eine nahezu hundertprozentige Sicherheit.

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