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Menschenrechte

Dokumentation von Gräueltaten: Menschenrechtspreis für syrischen Fotografen

Die Fotografien von "Caesar" zeigen geschundene Körper in syrischen Foltergefängnissen - Bilder, die ohne ihn womöglich nie öffentlich geworden wären. Dafür erhält der ehemalige Militärfotograf einen Menschenrechtspreis.

Caesar Fotos - Anhörung US Kongress (Getty Images/A. Wong)

Bei einer Anhörung 2014 im US-Kongress zeigte "Caesar" (rechts) sein Gesicht nicht - aus Angst vor Verfolgung

Mehr als 28.000 Fotografien dokumentieren die Gräueltaten, die in syrischen Foltergefängnissen begangen wurden. Aufgenommen hat sie ein ehemaliger Militärfotograf, der ursprünglich im Auftrag des Regimes von Baschar al-Assad handelte. Doch statt die Bilder zu archivieren, schmuggelte er sie außer Landes - und machte sie der Welt zugänglich. Für dieses Engagement hat der Fotograf, der inzwischen unter dem Decknamen "Caesar" bekannt ist, nun den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis erhalten.

An der Feierstunde im Nürnberger Opernhaus nahm "Caesar" aus Furcht vor Verfolgung durch das syrische Regime nicht teil. Laudator war Stephen Rapp, der ehemaliger Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda. Er würdigte den Mut des Fotografen und seiner Helfer. Laut Redemanuskript sagte er, die Fotos von mindestens 6700 Menschen zeigten "furchtbare Gräuel, die Menschen angetan wurden, denen die Schrecken ihrer letzten Lebensstunden noch ins Gesicht geschrieben sind". "Caesar" habe der Welt "unwiderlegliche Beweismittel" zur Verfügung gestellt, die "Gerechtigkeit für Syrien unvermeidlich" machten. Die dort geschehenen Verbrechen seien "zweifellos die schlimmsten in diesem jungen Jahrhundert", betonte Rapp.

Ermahnung an die Weltöffentlichkeit

Die französische Journalistin Garance Le Caisne, die "Caesars" Bilder 2014 veröffentlicht hatte, nahm den Preis stellvertretend entgegen. In ihrer Dankesrede erinnerte sie an die Revolution in Syrien, die im März 2011 begann. Das Wissen um die Gräueltaten des Assad-Regimes dürfe hinter den geopolitischen Interessen in der Region nicht verschwinden, sagte sie. Die Weltöffentlichkeit höre derzeit nur dann sofort hin, wenn von den Gewalttaten von Islamisten die Rede sei.

Caesar Fotos - Ausstellung (picture-alliance/AA/S. Corum)

Überall auf der Welt werden "Caesars" Bilder in Ausstellungen gezeigt - wie hier in den USA

"Caesars" Fotografien wurden fünf Minuten lang dem Publikum in der Nürnberger Oper präsentiert. Sie zeigten verhungerte und zu Tode gefolterte Menschen mit ausgemergelten Körpern und gebrochenen Knochen.

Flucht aus Syrien

Nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 hatte der damalige Militärfotograf den Auftrag, die Leichen der zu Tode gefolterten Oppositionellen zu fotografieren und die Bilder zu archivieren. Die Aufnahmen sollten der syrischen Regierung als Beweis dienen, dass Tötungsbefehle auch tatsächlich vollstreckt wurden. Bis zu seiner Flucht im August 2013 kopierte "Caesar" die Bilder und brachte die Kopien außer Landes. Die Journalistin Le Caisne veröffentlichte sie schließlich im Internet. "Caesar" selbst lebt heute im Untergrund.

Der Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg wird seit 1995 alle zwei Jahre verliehen. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird an Einzelpersonen oder Gruppen vergeben, die sich vorbildlich und unter hohem persönlichem Risiko für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen.

nin(jj (dpa, epd)