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Amerika

Dokumentarfilm gegen Staudammprojekt

Der Dokumentarfilmer Martin Kessler macht auf das umstrittene brasilianische Staudammprojekt Belo Monte aufmerksam. In Berlin hat er seinen neuen Film vorgestellt.

Pünktlich zur Berlinale hat der deutsche Dokumentarfilmer Martin Kessler erste Ausschnitte seines Films Count-Down am Xingu Teil 2 präsentiert. Die Dokumentation gehört zwar nicht zum offiziellen Programm der Berlinale, dennoch wollte Kessler den Trubel um das internationale Filmfestival nutzen, um die deutsche Öffentlichkeit auf das umstrittene brasilianische Staudammprojekt Belo Monte aufmerksam zu machen.

Seit Jahren sorgt der Bau des Milliardenprojekts Belo Monte am Fluss Xingu im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará für Streit. Die brasilianische Regierung fördert das Wasserkraftwerk als Job- und Entwicklungsbringer für die Region. Mit einer Leistung von mehr als 11.000 Megawatt soll es der drittgrößte Staudamm der Welt werden.

Umweltschützer, indigene Gruppen und die brasilianische Staatsanwaltschaft schlagen jedoch Alarm, denn es drohen Umsiedlungen der Ureinwohner und es fehlen immer noch Studien zu den sozioökologischen Auswirkungen des Kraftwerks.

Brisantes Drehmaterial

Die Filmaufnahmen sind noch ganz frisch. Erst kürzlich starteten die Bauarbeiten am Fluss Xingu. Anfang 2012 hat Kessler die ersten Aufnahmen in den Städten am Rande des Flusses gedreht. In einer Werkstattaufführung im Berliner Kino Babylon präsentierte er sie erstmals dem deutschen Publikum.

Ginge es nach Kessler, müsste auch in Deutschland kritisch über das brasilianische Projekt diskutiert werden. "Wir haben alle etwas damit zu tun", mahnt Kessler im Interview mit der DW und weist darauf hin, dass auch deutsche Unternehmen am Bau des Wasserwerks beteiligt sind. "Wir haben hunderte Lastwagen von Mercedes Benz gefilmt, die die Erde transportieren werden, die ausgehoben wird, um Belo Monte zu bauen. Auch Siemens und die Firma Voith sind Teil des Joint Ventures. Sie sollen die Turbinen für das Kraftwerk liefern", so Kessler.

Versprechungen an die indigene Bevölkerung

Erst vor einem Jahr beendete Kessler die Dreharbeiten für den ersten Teil der Dokumentation. Jetzt, bei seiner Rückkehr in das Gebiet, erkannte er die Stadt Altamira in der Nähe des geplanten Kraftwerks in Pará kaum wieder. Die Stadt sei überlaufen von Menschen, außerdem sei die Infrastruktur vollkommen überlastet.

Für den zweiten Teil der Dokumentation sprach Kessler auch mit Sheila Juruna Machado, einer der Anführerinnen des indigenen Protestes. Im Gespräch mit dem deutschen Dokumentarfilmer erzählte sie, dass der indigene Widerstand bereits schwächer geworden sei. "Sie sagte, das verantwortliche Konsortium Norte Energia und die Regierungsbehörden hätten den Indigenen Geld, Nahrungsmittel und Treibstoff versprochen. Man kann sagen, dass die indigene Bevölkerung gekauft wurde", erläutert Kessler gegenüber der DW.

Gigantische Bauarbeiten

Der Dokumentarfilmer blieb drei Wochen in Brasilien. Mit Filmaufnahmen im Gepäck, die "ein deutsches Publikum beeindrucken", kehrte Kessler zurück. Die Bauarbeiten am Fluss sind gigantisch. Für die Aushebung des Kanals und die Umleitung des Flusses "wird mehr Erde bewegt, als damals beim Bau des Panamakanals", so Kessler.

Kessler im Gespräch mit Aktivisten von Movimento Gota D'Água

Kessler im Gespräch mit Aktivisten von Movimento Gota D'Água

Kessler sprach bei seinen Recherchen auch mit den Gründern der Gruppe Gota D’Água. Sie sensibilisieren die brasilianische Öffentlichkeit für das Thema und sammeln Unterschriften. Brasilianische Fernsehstars unterstützen die Kampagne. In einem YouTube-Video machen sie auf die Widersprüche rund um das Staudammprojekt aufmerksam. "Es ist beeindruckend, dass sie mit dieser Aktion mehr als eine Millionen Unterschriften gegen den Bau des Kraftwerks gesammelt haben", sagt Kessler.

Deutsche Verantwortung

Der Filmemacher möchte an das soziale und ökologische Bewusstsein des deutschen Publikums appellieren. "Als große Exportnation müssen wir kontrollieren, was wir herstellen. Verhalten wir uns ökologisch korrekt oder verursachen auch wir Umweltzerstörungen?" Automobilhersteller nutzten bereits jetzt das Rohmaterial aus den Stahlfabriken aus dem Norden und Nordosten Brasiliens.

Diese Stahlwerke und andere Metall-Produzenten würden künftig von Belo Monte versorgt werden. "Das Aluminium, das zur Autoherstellung benutzt wird, könnte dann auf Kosten der Zerstörung im Amazonasgebiet produziert worden sein, oder auf Kosten der Vertreibung der Indigenen von ihrem Land", erklärt Kessler und stellt damit die Verbindung zwischen den deutschen Automobilherstellern und der brasilianischen Debatte her.

Kessler fordert von Deutschland daher mehr Verantwortung. Deutschland setze immer stärker auf erneuerbare Energien, gerade deswegen müsse es sich kritisch mit seinen Zulieferern auseinandersetzen und von ihnen ebenfalls nachhaltiges Handeln fordern. "Der Protest und der Widerstand in Brasilien brauchen internationale Unterstützung. Alleine können sie nicht gegen diese Mächtigen ankämpfen: gegen die beteiligten Unternehmen und die Regierung", betont Kessler.

Autorin: Nádia Pontes/ Anna Pellacini
Redaktion: Friedel Taube
/ tko

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