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Kunst

Documenta sagt "Auschwitz on the Beach" ab

Am Ende war die Kritik zu vehement: Die Kunstperformance "Auschwitz on the Beach" wird auf der Documenta nicht stattfinden. Der Künstler wollte damit das Leid von Flüchtlingen mit der Vernichtung der Juden vergleichen.

Aktionskünstler Franco Bifo Berardi (imago/Hartenfelser)

Aktionskünstler Franco Bifo Berardi

Die Documenta hat auf die massive Kritik an der geplanten Performance "Auschwitz on the Beach" reagiert und den Event abgesagt. "Die Veranstaltung wird nicht so stattfinden wie geplant", sagte ein Sprecher der Kunstausstellung der Deutschen Welle. In einem Statement erklärte Paul B. Preciado, Kurator der Öffentlichen Programme der Documenta 14, "die Vorwürfe weder einfach akzeptieren noch Diskussion und kritisches Denken aufgeben" zu wollen. Allerdings habe man entschieden, die Performance abzusagen, um jenen, die sich angegriffen gefühlt hätten, keinen Schmerz hinzuzufügen.

Diskussion über Scham

Statt der Performance soll nun an diesem Donnerstagabend unter dem Titel "Shame on us" eine Diskussion stattfinden. "Der neue Titel der Veranstaltung bezieht sich auf viele der Zuschriften, die mit dem Satz 'Schämen Sie sich' endeten", erklärte Preciado weiter. Zudem greife der Titel die Forderung des italienischen Aktionskünstlers Franco Bifo Berardi auf, wonach sich die Europäer für den Umgang mit den Flüchtlingen schämen sollten.

Die geplante einstündige Performance basierte auf einem Gedicht Berardis und war mit einem Soundtrack von Fabio Stefano Berardi und einer Bildinstallation von Dim Sampaio versehen. Sie sollte Parallelen zwischen dem Sterben der Flüchtlinge im Mittelmeer und der Vernichtung der Juden durch die Nazis ziehen. In der Ankündigung der Documenta hatte Berardi die Europäer beschuldigt, "Konzentrationslager" zu errichten und "Gauleiter" in der Türkei, Libyen und Ägypten zu bezahlen, die "Drecksarbeit" zu erledigen. "Das Salzwasser hat mittlerweile Zyklon B ersetzt", hieß es weiter. Später hatte Berardi seine Wortwahl damit gerechtfertigt, dass Auschwitz ein Synonym des Unmenschlichen sei. Das Unmenschliche sei im Mittelmeer zurückgekehrt.

Kritik von Gesellschaftern

Nach Kritik von jüdischen Verbänden war zuletzt auch vonseiten der beiden Gesellschafter der Documenta, der Stadt Kassel und dem Land Hessen, deutliche Kritik laut geworden. Hessens Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein hatte die Absage der Performance empfohlen, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle sprach von einer "ungeheuerlichen Provokation".

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Kassel, Ilana Katz, hatte die vom 24. bis 26. August geplante Performance als "geschmacklos" und "verletzend" bezeichnet. Sie würde die Verbrechen der Schoah relativieren.

Ursprünglich hatte die Documenta die Performance trotz der heftigen Kritik wie geplant durchführen wollen.

tla/pg  (Documenta, epd, dpa)

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