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Aktuell Amerika

Doch kein "Enkelin-Wunder" in Buenos Aires

Nach 39 Jahren kommt eine Frau zu einer der "Großmütter der Plaza de Mayo" und gibt sich als ihre während des Militärregimes verschleppte Enkelin aus. Doch das angebliche Weihnachtswunder endet in einer Enttäuschung.

Großmutter Mariani mit der falschen Enkelin (Foto: dpa)

Großmutter Mariani mit der falschen Enkelin

Zu Weihnachten hat eine Gründerin der argentinischen Menschenrechtsgruppe "Großmütter der Plaza de Mayo" ein bitteres Wechselbad der Gefühl erlebt. An Heiligabend stellte sich bei der 92 Jahre alten María Isabel Chorobik de Mariani eine Frau als ihre vor 39 Jahren während der Militärdiktatur verschwundene Enkelin Clara Anahi vor. Als Beweis legte sie einen DNA-Test eines privaten Labors in Córdoba vor.

Doch zwei amtliche Gen-Analysen kamen jetzt zum Ergebnis: Es gibt keine Übereinstimmung, die Frau ist definitiv nicht die gesuchte Clara Anahí. Argentiniens Präsident Präsident Mauricio Macri hatte da bereits gratuliert und von einem "Triumph auf der Suche nach der Wahrheit" gesprochen.

Ein "gut gemeinter Fehler"

Während einer Pressekonferenz in Buenos Aires sagte der Sprecher der Menschenrechtlerin, Juan Martín Ramos Padilla, der "gut gemeinte" Fehler gehe auf Personen zurück, die Mariani in Liebe zugetan seien. Aus Freude über das vermeintliche Wiedersehen von Oma und Enkelin sei die Öffentlichkeit voreilig informiert worden.

Mariani nahm nicht an der Pressekonferenz teil. Ihr Sprecher und Biograf beschrieb sie als "sehr traurig und voller Schmerz". Die Zeitung "Clarín" berichtete, es lägen noch viele Dinge noch im Dunkeln. So müsse geklärt werden, wie der wohl falsche DNA-Test entstanden sei, und warum die Frau glaubte, Clara Anahí zu sein.

Junta raubte Babys

Schergen der Militärjunta hatten die drei Monate alte Clara am 24. November 1976 verschleppt, nachdem sie zuvor ihre Mutter, Marianis Schwiegertochter, bei einer Razzia in deren Haus im 60 Kilometer von Buenos Aires entfernten La Plata getötet hatten. Die Zahl der während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 geraubten Babys wird auf etwa 500 geschätzt.

Demonstration der Großmütter der Plaza de Mayo in Buenos Aires (Foto: Getty Images/AFP)

Demonstration der "Großmütter der Plaza de Mayo" in Buenos Aires

Viele der Mütter kamen schwanger in die Junta-Gefängnisse und brachten ihre Kinder hinter Gitter zur Welt. Die Babys wurde regimetreuen Familien zur "Adoption" zugewiesen, die leiblichen Eltern wurden getötet. Viele dieser Kinder wuchsen in dem Glauben auf, sie lebten bei ihren leiblichen Eltern.

Die "Großmütter der Plaza de Mayo" und die Schwesterorganisation "Mütter der Plaza de Mayo" konnten bei ihrer landesweiten Suche nach den zwangsadoptierten Kindern bislang 119 Fälle aufklären. Ob Marianis Enkelin noch lebt und gegebenfalls wo, ist weiter unklar.

wl/se (dpa, afp)