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Disziplin

Sie ist untrennbar mit jeder Art von militärischer Ausbildung verbunden und gilt noch immer als typisch deutsch. Doch das ist nicht mal die halbe Wahrheit. Es lohnt sich, genauer hinzusehen ...

Er steckt in jedem von uns, ist zäh und ausdauernd, immer auf dem Sprung und manchmal nur sehr schwer oder gar nicht zu besiegen. Die Rede ist von jenem Phänomen, das man umgangssprachlich den "inneren Schweinehund" nennt. Er ist so etwas wie der Lockruf der Faulheit, er ist die Schatztruhe, gefüllt mit allen möglichen und unmöglichen Ausreden, sich vor ernsthafter Arbeit oder auch nur lästigem Fensterputzen und dem Bügeln von Oberhemden zu drücken. Aber nicht der Schweinehund ist diese Woche unser Stichwort, sondern das, womit man ihn überwinden kann: die Disziplin.

Selbstdisziplin als Gegner des Schweinehunds

Natürlich war und ist Disziplin viel mehr als nur ein Mittel, sich der eigenen Trägheit mutig entgegenzustellen. Und außerdem: Disziplin lässt sich erlernen – um den kleinen dicken Schweinehund braucht man sich insofern nicht bemühen, als er schon da ist und stets und mit großer Geduld darauf wartet, was wir ihm denn an Selbstdisziplin entgegenzusetzen haben.

Jetzt, Sie merken es, müssen wir ran, müssen uns diszipliniert dem Stichwort "Disziplin" widmen, sonst siegt der Schweinehund. Um es vorweg zu sagen: "Disziplin" ist ein Fremdwort in der deutschen Sprache, gleichwohl gehört es zum festen Bestandteil unseres Vokabulars. Das Wort taucht bereits im 12. Jahrhundert im Deutschen auf, dem Lateinischen "disciplina" entlehnt. In beiden Sprachen bedeutete es ursprünglich schulische und/oder militärische Zucht, Ordnung und nicht zuletzt Erziehung.

Disziplin jenseits von Ideologie

Spätestens seitdem die so genannte Pisa-Studie die Deutschen aufgeschreckt hat, geht es in der Diskussion um schulische Bildung auch wieder um Disziplin. Aber was heißt gerade in diesem Zusammenhang Disziplin? Mindestens zweierlei. Zum einen ist Disziplin das Einhalten bestimmter, festgelegter Verhaltensregeln, das sich Einfügen in eine Gruppe, der Klassen- beziehungsweise Schulgemeinschaft; und zum anderen ist sie die Fähigkeit, den eigenen Willen zu beherrschen, Gefühle zurückzustellen, Schwächen zu unterdrücken, um so alle Kräfte zu bündeln, damit ein gesetztes Ziel erreicht werden kann.

Früher wurde oft bespöttelt, wer auf Disziplin hielt; und wer gar von eiserner Disziplin sprach und sie auch forderte, der stand leicht im Verdacht, jener bedingungslosen Unterordnung das Wort zu reden, die von den Nationalsozialisten als Disziplin und typisch deutsche Tugend ausgegeben und ideologisch vereinnahmt wurde. Disziplin ist viel mehr Ein- statt Unterordnung; und Disziplin in der Schule, im öffentlichen Leben, im Straßenverkehr ist gerade durch das Befolgen verbindlicher Regeln und Regelungen auch Rücksichtnahme.

Zum Beispiel: die Medizin

Aber wir wollen uns nicht vor einem Beispiel für eiserne Disziplin drücken, die es – nebenbei bemerkt – keineswegs nur im militärischen Bereich gibt. Würde das medizinische Team im Operationssaal nicht mit äußerster Konzentration unter Aufbietung allen Wissens und Könnens und ohne die geringste Gefühlsregung dem Menschen auf dem Tisch helfen wollen, die Patientin oder der Patient hätte in vielen Fällen nicht den Hauch einer Chance.

Da wir gerade bei der Medizin sind: Sie ist wie alle anderen an den Universitäten gelehrten Disziplinen eine wissenschaftliche Disziplin. Diese lassen sich gewissermaßen unterteilen. So ist zum Beispiel die Anatomie eine selbständige Disziplin der Medizin. Die Bedeutung von Disziplin als wissenschaftlicher Unterweisung, Belehrung und Unterricht gibt es im deutschsprachigen Raum seit dem ausgehenden Mittelalter.

Von Disziplinarverfahren und Wintersport

Disziplin ist auch ganz einfach Pflicht- und Diensterfüllung, das Einhalten bestimmter Vorschriften und die Verpflichtung auf den Staat im Berufsbeamtentum. Wer als Beamter dagegen verstößt, hat in schwerwiegenden Fällen folgerichtig ein Disziplinarverfahren zu erwarten, eine juristische Untersuchung also.

Seit den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff der Disziplin auch auf den sportlichen Bereich ausgedehnt. Im Sinne von sportlichem Teilbereich, Sportart und sportlicher Übung. Da in unseren Breiten bald der Winter beginnt, nehmen wir den Skilanglauf als Beispiel für eine sogar olympische Disziplin des Wintersports. Soll sehr gesund sein. Aber wenn es dann morgens bei eisigen Temperaturen auf die Loipe gehen soll, muss man schon ein bisschen Disziplin im Leib haben, um den inneren Schweinehund zu überwinden.

Fragen zum Text

Der Begriff innerer Schweinehund bezeichnet …

1. ein Fabelwesen aus der griechischen Mythologie.

2. die Trägheit, anstehende Aufgaben zu erledigen.

3. die innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.

Das Wort Disziplin ist eine Entlehnung aus …

1. dem Griechischen.

2. dem Englischen.

3. dem Lateinischen.

Von Disziplinen spricht man nicht …

1. in der Wissenschaft.

2. im Straßenverkehr.

3. im Sport

Arbeitsauftrag:

"Früher war im Bildungswesen alles besser, weil den Schülern noch Disziplin beigebracht wurde!" Setzen Sie sich kritisch mit dieser These auseinander.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Ingo Pickel

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