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Aktuell Welt

Dissident Chen erleichtert über Ausreise

Der chinesische Bürgerrechtler durfte überraschend schnell seine Heimat verlassen. In den USA, wo er nun studieren will, wurde er von Sympathisanten jubelnd begrüßt. Sein Fall hatte eine diplomatische Krise ausgelöst.

"Ich bin sehr dankbar, dass die chinesische Regierung die Situation mit Zurückhaltung und Besonnenheit behandelt hat", äußerte sich der blinde Dissident Chen Guangcheng kurz nach seiner Anreise in New York. Er sei erleichtert darüber, dass er nach "vielen Turbulenzen" aus Shandong herausgekommen sei und hoffe, dass Peking künftig einen offenen Austausch mit Oppositionellen führen werde. Der Bürgerrechtler dankte auch der US-Regierung sowie der schweizerischen, kanadischen und französischen Botschaft. Jeder solle gegen Ungerechtigkeit kämpfen, fügte Chen hinzu.

Flucht aus dem Hausarrest

Gemeinsam mit Frau und zwei Kindern betrat Chen auf dem Internationalen Flughafen Newark bei New York erstmals amerikanischen Boden. Der Bürgerrechtler hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen den Zorn der chinesischen Behörden auf sich gezogen und gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung.

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Chen geht ins amerikanische Exil

2006 war er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt und nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern in der östlichen Provinz Shandong in seinem Wohnhaus unter Hausarrest gestellt worden. Am 22. April floh er jedoch mit Hilfe von Unterstützern aus dem Arrest und fand vorübergehend Zuflucht in der US-Botschaft in Peking.

Streit zwischen Peking und Washington beendet

Mit Chens Ausreise endet das diplomatische Tauziehen zwischen den USA und China um den Aktivisten. Nach langwierigen chinesisch-amerikanischen Verhandlungen verließ Chen am 2. Mai, nach knapp zwei Wochen, die US-Vertretung wieder und begab sich zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus in Peking. Nach Drohungen von Funktionären gegen seine Familie und seine Unterstützer erklärte Chen in einem dramatischen Appell von der Klinik aus, er fürchte um seine Sicherheit und wolle China verlassen. Der 40-Jährige wurde telefonisch in eine Anhörung des US-Kongresses in Washington zugeschaltet und schilderte den Abgeordneten seine Situation.

US-Außenministerin Hillary Clinton, die sich zu diesem Zeitpunkt zu bilateralen Gesprächen in Peking aufhielt, setzte sich für Chen ein und konnte eine für beide Seiten annehmbare Lösung aushandeln. Chen wird nun an der New Yorker University, von der er ein Stipendium erhält, ein Jurastudium aufnehmen. Er hatte sich in der Volksrepublik autodidaktisch zum Anwalt ausgebildet.

qu/nis (dpa, dapd, rtr, afp)

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