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Veranstaltungen

Diskussion: Russisches Roulette in Brüssel

Aufgabe der Medien sei es, mit umfassender, verlässlicher, objektiver Information aufzuklären und zu Deeskalation und Dialog beizutragen. Das sagte DW-Intendant Peter Limbourg am vergangenen Donnerstag in Brüssel.

Limbourg: Sicht auf Ereignisse in der Ukraine könnte „unterschiedlicher nicht sein“ Russisches Roulette

Limbourg: Sicht auf Ereignisse in der Ukraine könnte „unterschiedlicher nicht sein“

Eine Expertenrunde diskutierte über die Rolle der Medien im neuen Ost-West Konflikt. Zur fünften Ausgabe des DW-Medienabends in der Europa-Metropole hatten die Deutsche Welle und die Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU eingeladen. Rund 400 Gäste aus Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur verfolgten die kontrovers geführte Podiumsdiskussion zum Thema „Russisches Roulette – Die Medien im neuen Ost-West Konflikt“.

Limbourg sagte in seiner Keynote, die Sicht auf die Ereignisse in der Ukraine könnte im Westen und in Russland „unterschiedlicher nicht sein“. Mit ihrer tendenziell sehr einseitigen Berichterstattung versuchten vor allem russische Medien die Öffentlichkeit zu beeinflussen, insbesondere das staatlich gelenkte Auslandsfernsehen RT.

„Wenn die Menschen in der Region erfahren sollen, wie das Meinungsspektrum in Deutschland und der Europäischen Union zu den neuen Ost-West-Auseinandersetzungen ist, müssen Deutschland und seine westlichen Partner diese Stimmen transportieren“, sagte der Intendant. „Hierbei geht es nicht darum, auf die massive russische Propaganda und Desinformation mit ‚Gegenpropaganda‘ zu antworten, sondern mit gutem Journalismus nach westlichen Standards unser freiheitlich-demokratisches Verständnis von Zivilgesellschaft und wertegebundener Politik zu vermitteln.“

„Selbstregulierendes System“ im Westen

Moderiert wurde der Abend von Max Hofmann, neuer Leiter des DW-Studios in Brüssel

Moderiert wurde der Abend von Max Hofmann, neuer Leiter des DW-Studios in Brüssel

Anna Rose, Deutschland-Korrespondentin der russischen staatlichen Zeitung Rossijskaja, beklagte „einseitige Mainstream-Berichte“: Sie vermisse „eine ausgewogene, kommentierende Berichterstattung“ in den deutschen Medien über den Konflikt. Ingo Mannteufel, Leiter der Europa-Abteilung der DW, hingegen sieht gerade in Russland eine einseitige, staatlich gesteuerte Medienoffensive. Der Berichterstattung westlicher Journalisten liege – trotz möglicher Fehlinformationen in Einzelfällen –„ein selbstregulierendes System in einer freien Medienwelt“ zugrunde, so Mannteufel.

Zu den Experten zählten außerdem die Osteuropa-Korrespondentin des Deutschlandradios, Sabine Adler, und der Korrespondent der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita, Piotr Jendroszczyk, sowie die deutsch-ukrainische Politikerin Marina Weisband und das Mitglied des Europäischen Parlaments Knut Fleckenstein. Moderiert wurde der Abend von Max Hofmann, dem neuen Leiter des DW-Studios in Brüssel.

Bewährung für Neue Medien

Rund 400 Gäste verfolgten die kontrovers geführte Diskussion

Rund 400 Gäste verfolgten die kontrovers geführte Diskussion

Die polnische Presse vertrete zum Ukraine-Konflikt „eine unrealistische Haltung“, sagte Piotr Jendroszczyk. Die Medien verlangten vom Westen einen zu harten Kurs gegenüber Russland. Fleckenstein zeigte sich insgesamt zufrieden, was die deutsche Berichterstattung angeht. Gleichwohl kritisierte er manche Berichte – gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen –, die „wie Kampfbeiträge“ angekündigt würden.

Die Journalisten auf dem Panel waren sich einig, dass die Ukraine-Krise der erste große Konflikt in Europa im Zeitalter der „Neuen Medien“ sei – verbunden mit Herausforderungen für alle Medien. Sabine Adler sprach in diesem Zusammenhang von der Informationsflut im Netz und den unmittelbaren Nutzerreaktionen, von versuchter Einflussnahme durch russische Propaganda sowie massiver Einschüchterung gegenüber Journalisten.

Information statt Emotion

Marina Weisband, gebürtige Ukrainerin und Aktivistin für digitale Politik, fasste zusammen: „Alles, was uns mehr Wissen und Hintergrund liefert, macht die Lage besser. Alles, was darauf abzielt, unsere Emotionen zu schüren, möglichst schnell zu sein, um entweder zu radikalisieren oder sich zu verkaufen, macht die Lage schlimmer. Wir müssen das eine vom anderen unterscheiden“, so Weisband.

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com